Vastuvõtmise kuupäev : 09/05/2025
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TRIBUNAL DE JUSTICIA DE LA UNION EUROPEA EUROPOS SÄJUNGOS TEISINGUMO TEISMAS
SOUDNI DVÜR EVROPSKE UN1E AZ EURÖPAI UNIÖ BIRÖSÄGA
DEN EUROPAISKE UNIONS DOMSTOL IL-QORTl TAL-GUSTIZZJA TAL-UNJON1 EWROPEA
GERICHTSHOF DER EUROPÄISCHEN UNION HOF VAN JUSTTTIE VAN DE EUROPESE LINIE
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COURT OF JUSTICE OF THE EUROPEAN UNION CVRIA CURTEA DE JUSTITIE A UN1UN1I EUROPENE
COUR DE JUSTICE DE L’UNION EUROPEENNE SÜDNY DVOR EURÖPSKEJ ÜN1E
CÜIRT BHRErFHIÜNAIS AN AONTAIS EORPAIGH SODISCE EVROPSKE UNIJE
SUDEUROPSKEUNUE LUXEMBOURG EUROOPAN UNIONIN TUOMIOISTUIN
CORTE Dl GIUSTIZIA DELL'UNIONE EUROPEA EUROPEISKA UNIONENS DOMSTOL
SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTS
ATHANASIOS RANTOS
vom 8. Mai 20251
Rechtssache C-115/24
UJ
. gegen
Österreichische Zahnärztekammer,
Beteiligte:
Urban Technology GmbH,
DZK Deutsche Zahnklinik GmbH
(Vorabentscheidungsersuchen des Obersten Gerichtshofs [Österreich])
„Vorlage zur Vorabentscheidung - Öffentliche Gesundheit - Begriff,Erbringung
von Gesundheitsdienstleistungen’ - Begriff Erbringung von
Gesundheitsdienstleistungen durch Telemedizin’ - Begriff,Leistungen der
körperlichen Gesundheitsversorgung’ - Komplexe Behandlung, die die
Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen durch Telemedizin und körperlichen
Gesundheitsdienstleistungen umfasst - Grenzüberschreitender Charakter dieser
Gesundheitsdienstleistungen - Begriff,Gesundheitsdienstleister1 - Anwendbares
Recht - Richtlinie 2011/24/EU - Behandlungsmitgliedstaat - Richtlinie
2000/31/EG - Dienste der Informationsgesellschaft - Richtlinie 2005/36/EG -
Berufsqualifikationen - Art. 56 AEUV - Dienstleistungsfreiheit - Art. 49
AEUV - Niederlassungsfreiheit“
Originalsprache: Französisch.
DE
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
I. Einleitung
1. Das vorliegende Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung zum
einen von Art. 56 AEUV und zum anderen von Art. 2 Buchst, n, Art. 3 Buchst, d
und e, Art. 4 Abs. 1 Buchst, a und Art. 7 der Richtlinie 2011/24/EU über die
Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden
Gesundheitsversorgung2, der Richtlinie 2000/31/EG über bestimmte rechtliche
Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des
elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt3, sowie Art. 5 Abs. 3 der
Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen4.
2. Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen der
Österreichischen Zahnärztekammer (Österreich, im Folgenden: ÖZ) und UJ, einer
in Österreich ansässigen Zahnärztin, unterstützt durch die Urban Technology
GmbH und die DZK Deutsche Zahnklinik GmbH (im Folgenden: DZK), zwei
deutsche Gesellschaften, über den Revisionsrekurs von UJ gegen den Beschluss
des Oberlandesgerichts Graz (Österreich), mit dem der Beschluss des
Landesgerichts Klagenfurt (Österreich) teilweise abgeändert wurde, das den
Sicherungsantrag der ÖZ, der darauf gerichtet war, UJ vorläufig aufzugeben, nicht
mehr unmittelbar oder mittelbar an zahnärztlichen Tätigkeiten mitzuwirken, die in
Österreich durch ausländische Gesellschaften erbracht werden, die nicht über die
nach österreichischem Recht erforderlichen Genehmigungen verfügen,
abgewiesen hatte.
3. In diesem Kontext soll der Gerichtshof über die Auslegung mehrerer
Rechtsakte des abgeleiteten Unionsrechts sowie von Art. 56 AEUV über den
freien Dienstleistungsverkehr in einem besonderen Bereich entscheiden, der in der
Rechtsprechung des Gerichtshofs noch wenig behandelt worden ist, obwohl er
einer wachsenden Entwicklung unterliegt, nämlich der Telemedizin.
II. Rechtlicher Rahmen
A. Unionsrecht
1. Richtlinie 2000/31
4. Im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 2000/31 heißt es:
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2011 (ABI. 2011, L 88,
S.45).
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 (ABI. 2000, L 178,
S. 1).
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 (ABI. 2005,
L255, S. 22).
1
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
„(18) Die Dienste der Informationsgesellschaft umfassen einen weiten Bereich
von wirtschaftlichen Tätigkeiten, die online vonstatten gehen. ...
Tätigkeiten, die ihrer Art nach nicht aus der Ferne und auf elektronischem
Wege ausgeübt werden können, wie die gesetzliche Abschlussprüfung von
Unternehmen oder ärztlicher Rat mit einer erforderlichen körperlichen
Untersuchung eines Patienten, sind keine Dienste der
Informationsgesellschaft.“
5. Art. 1 („Zielsetzung und Anwendungsbereich“) Abs. 4 der Richtlinie
2000/31 sieht vor:
„(4) Diese Richtlinie schafft weder zusätzliche Regeln im Bereich des
internationalen Privatrechts, noch befasst sie sich mit der Zuständigkeit der
Gerichte.“
6. Art. 2 („Begriffsbestimmungen“) der Richtlinie 2000/31 sieht vor:
„Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Ausdruck
a) ,Dienste der Informationsgesellschaft4 Dienste im Sinne von Artikel 1
Nummer 2 der Richtlinie 98/34/EG [des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der
Normen und technischen Vorschriften (ABI. 1998, L 204, S. 37)] in der
Fassung der Richtlinie 98/48/EG [vom 20. Juli 1998 (ABI. 1998, L217,
S. 18)]; [5]
b) ,Diensteanbieter‘ jede natürliche oder juristische Person, die einen Dienst
der Informationsgesellschaft anbietet;
h) , koordinierter Bereich4 die für die Anbieter von Diensten der
Informationsgesellschaft und die Dienste der Informationsgesellschaft in den
Der Ausdruck „Dienste der Informationsgesellschaft“ bezeichnet nach Art. 1 der Richtlinie
98/48 Jede in der Regel gegen Entgelt elektronisch im Fernabsatz und auf individuellen Abruf
eines Empfängers erbrachte Dienstleistung. Im Sinne dieser Definition bezeichnet der
Ausdruck - ,im Fernabsatz erbrachte Dienstleistung' eine Dienstleistung, die ohne gleichzeitige
physische Anwesenheit der Vertragsparteien erbracht wird; - ,elektronisch erbrachte
Dienstleistung' eine Dienstleistung, die mittels Geräten für die elektronische Verarbeitung
(einschließlich digitaler Kompression) und Speicherung von Daten am Ausgangspunkt gesendet
und am Endpunkt empfangen wird und die vollständig über Draht, über Funk, auf optischem
oder anderem elektromagnetischem Wege gesendet, weitergeleitet und empfangen wird; - ,auf
individuellen Abruf eines Empfängers erbrachte Dienstleistung' eine Dienstleistung, die durch
die Übertragung von Daten auf individuelle Anforderung erbracht wird. ..." Diese Definition ist
in identischer Fassung in Art. 1 der Richtlinie (EU) 2015/1535 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 9. September 2015 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der
technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft
(ABI. 2015, L 241, S. 1) übernommen worden.
2
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Rechtssystemen der Mitgliedstaaten festgelegten Anforderungen, ungeachtet
der Frage, ob sie allgemeiner Art oder speziell für sie bestimmt sind.
7. Art. 3 („Binnenmarkt“) Abs. 1 bis 4 der Richtlinie 2000/31 sieht vor:
„(1) Jeder Mitgliedstaat trägt dafür Sorge, dass die Dienste der
Informationsgesellschaft, die von einem in seinem Hoheitsgebiet niedergelassenen
Diensteanbieter erbracht werden, den in diesem Mitgliedstaat geltenden
innerstaatlichen Vorschriften entsprechen, die in den koordinierten Bereich fallen.
(2) Die Mitgliedstaaten dürfen den freien Verkehr von Diensten der
Informationsgesellschaft aus einem anderen Mitgliedstaat nicht aus Gründen
einschränken, die in den koordinierten Bereich fallen.
(3) Die Absätze 1 und 2 finden keine Anwendung auf die im Anhang genannten
Bereiche.
(4) Die Mitgliedstaaten können Maßnahmen ergreifen, die im Hinblick auf
einen bestimmten Dienst der Informationsgesellschaft von Absatz 2 abweichen,
wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
a) Die Maßnahmen
i) sind aus einem der folgenden Gründe erforderlich:
- Schutz der öffentlichen Ordnung, insbesondere Verhütung,
Ermittlung, Aufklärung und Verfolgung von Straftaten,
einschließlich des Jugendschutzes und der Bekämpfung der
Hetze aus Gründen der Rasse, des Geschlechts, des Glaubens
oder der Nationalität, sowie von Verletzungen der
Menschenwürde einzelner Personen,
- Schutz der öffentlichen Gesundheit,
Schutz der öffentlichen Sicherheit, einschließlich der Wahrung
nationaler Sicherheits- und Verteidigungsinteressen,
Schutz der Verbraucher, einschließlich des Schutzes von
Anlegern;
ii) betreffen einen bestimmten Dienst der Informationsgesellschaft, der
die unter Ziffer i) genannten Schutzziele beeinträchtigt oder eine
ernsthafte und schwerwiegende Gefahr einer Beeinträchtigung dieser
Ziele darstellt;
iii) stehen in einem angemessenen Verhältnis zu diesen Schutzzielen.
3
SCHLUSSANTRÄGE von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
b) Der Mitgliedstaat hat vor Ergreifen der betreffenden Maßnahmen
unbeschadet etwaiger Gerichtsverfahren, einschließlich Vorverfahren und
Schritten im Rahmen einer strafrechtlichen Ermittlung,
den in Absatz 1 genannten Mitgliedstaat aufgefordert, Maßnahmen zu
ergreifen, und dieser hat dem nicht Folge geleistet oder die von ihm
getroffenen Maßnahmen sind unzulänglich;
die Kommission und den in Absatz 1 genannten Mitgliedstaat über
seine Absicht, derartige Maßnahmen zu ergreifen, unterrichtet.
2. Richtlinie 2005/36
8. In den Erwägungsgründen 4, 6 und 8 der Richtlinie 2005/36 heißt es:
„(4) Es ist angezeigt, zur Erleichterung des freien Dienstleistungsverkehrs
besondere Vorschriften zu erlassen, durch die die Möglichkeiten zur
Ausübung beruflicher Tätigkeiten unter der im Herkunftsmitgliedstaat
erworbenen Berufsbezeichnung erweitert werden. Für Dienstleistungen der
Informationsgesellschaft, die im Fernabsatz erbracht werden, gilt neben
dieser Richtlinie noch die Richtlinie [2000/31] ...
(6) Im Rahmen der Erleichterung der Erbringung von Dienstleistungen ist der
öffentlichen Gesundheit und Sicherheit sowie dem Verbraucherschutz
unbedingt Rechnung zu tragen. Daher sollten spezifische Bestimmungen für
reglementierte Berufe vorgesehen werden, die die öffentliche Gesundheit
oder Sicherheit berühren und deren Angehörige vorübergehend oder
gelegentlich grenzüberschreitende Dienstleistungen erbringen.
(8) Für den Dienstleister sollten Disziplinarvorschriften des
Aufnahmemitgliedstaats gelten, die unmittelbar und konkret mit den
Berufsqualifikationen verbunden sind, wie die Definition des Berufes, der
Umfang der zu einem Beruf gehörenden oder diesem vorbehaltenen
Tätigkeiten, das Führen von Titeln und schwerwiegende berufliche Fehler in
unmittelbarem und spezifischem Zusammenhang mit dem Schutz und der
Sicherheit der Verbraucher.“
9. Art. 5 („Grundsatz der Dienstleistungsfreiheit“) der Richtlinie 2005/36
sieht vor:
4
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
„(1) Unbeschadet spezifischer Vorschriften des Gemeinschaftsrechts sowie der
Artikel 6 und 7 dieser Richtlinie können die Mitgliedstaaten die
Dienstleistungsfreiheit nicht aufgrund der Berufsqualifikationen einschränken,
a) wenn der Dienstleister zur Ausübung desselben Berufs rechtmäßig in einem
Mitgliedstaat niedergelassen ist (nachstehend ,Niederlassungsmitgliedstaat1
genannt) und
b) für den Fall, dass sich der Dienstleister in einen anderen Mitgliedstaat
begibt, wenn er diesen Beruf mindestens zwei Jahre während der
vorhergehenden zehn Jahre im Niederlassungsmitgliedstaat ausgeübt hat,
sofern der Beruf dort nicht reglementiert ist. Die Bedingung, dass der
Dienstleister den Beruf zwei Jahre ausgeübt haben muss, gilt nicht, wenn
entweder der Beruf oder die Ausbildung zu diesem Beruf reglementiert ist.
(2) Die Bestimmungen dieses Titels gelten nur für den Fall, dass sich der
Dienstleister zur vorübergehenden und gelegentlichen Ausübung des Berufs nach
Absatz 1 in den Aufnahmemitgliedstaat begibt.
Der vorübergehende und gelegentliche Charakter der Erbringung von
Dienstleistungen wird im Einzelfall beurteilt, insbesondere anhand der Dauer, der
Häufigkeit, der regelmäßigen Wiederkehr und der Kontinuität der Dienstleistung.
(3) Begibt sich der Dienstleister in einen anderen Mitgliedstaat, so unterliegt er
im Aufnahmemitgliedstaat den berufsständischen, gesetzlichen oder
verwaltungsrechtlichen Berufsregeln, die dort in unmittelbarem Zusammenhang
mit den Berufsqualifikationen für Personen gelten, die denselben Beruf wie er
ausüben, und den dort geltenden Disziplinarbestimmungen; zu diesen
Bestimmungen gehören etwa Regelungen für die Definition des Berufs, das
Führen von Titeln und schwerwiegende berufliche Fehler in unmittelbarem und
speziellem Zusammenhang mit dem Schutz und der Sicherheit der Verbraucher.“
3. Richtlinie 2011/24
10. In den Erwägungsgründen 2, 4, 8, 10, 11, 19 und 26 der Richtlinie 2011/24
heißt es:
„(2) Artikel 114 AEUV ist die geeignete Rechtsgrundlage, da die Mehrheit der
Bestimmungen dieser Richtlinie auf die Verbesserung der Funktionsweise
des Binnenmarktes und der Freizügigkeit von Personen sowie des freien
Verkehrs von Waren oder Dienstleistungen abzielt. Da die Bedingungen für
die Inanspruchnahme des Artikels 114 AEUV als Rechtsgrundlage erfüllt
sind, hat der Unionsgesetzgeber selbst dann auf diese Rechtsgrundlage
zurückzugreifen, wenn der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung ein
entscheidender Faktor für die getroffenen Entscheidungen ist. In diesem
Zusammenhang fordert Artikel 114 Absatz 3 AEUV ausdrücklich, dass bei
der Harmonisierung ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit
5
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
zu gewährleisten ist und dabei insbesondere alle auf wissenschaftliche
Ergebnisse gestützten neuen Entwicklungen berücksichtigt werden müssen.
(4) Die Patienten können zwar auf der Grundlage dieser Richtlinie
grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen,
doch sind die Mitgliedstaaten nach wie vor für die Bereitstellung sicherer,
hochwertiger und effizienter Gesundheitsdienstleistungen in ausreichendem
Umfang für die Bürger in ihrem Hoheitsgebiet verantwortlich. Zudem
sollten Patienten bei der Umsetzung dieser Richtlinie in einzelstaatliche
Rechtsvorschriften und bei deren Anwendung nicht dazu ermuntert werden,
Behandlungen in einem anderen als ihrem Versicherungsmitgliedstaat in
Anspruch zu nehmen.
(8) Mit einigen Aspekten der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung,
insbesondere mit der Kostenerstattung für eine Gesundheitsdienstleistung,
die in einem anderen Mitgliedstaat als demjenigen, in dem der Empfänger
der Behandlungsleistung seinen Wohnsitz hat, erbracht wurde, hat sich der
Gerichtshof bereits befasst. Mit dieser Richtlinie soll eine allgemeinere und
auch wirksame Anwendung der Grundsätze erreicht werden, die der
Gerichtshof in Einzelfällen entwickelt hat.
(10) Diese Richtlinie zielt darauf ab, Regeln zu schaffen, die den Zugang zu einer
sicheren und hochwertigen grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung in
der Union erleichtern und die Patientenmobilität im Einklang mit den vom
Gerichtshof aufgestellten Grundsätzen gewährleisten und die
Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Gesundheitsversorgung
fördern, wobei gleichzeitig die Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten für die
Festlegung der gesundheitsbezogenen Sozialversicherungsleistungen und für
die Organisation und Bereitstellung von Gesundheitsdienstleistungen und
medizinischer Versorgung sowie der Sozialversicherungsleistungen,
insbesondere im Krankheitsfall, uneingeschränkt geachtet werden sollen.
(11) Diese Richtlinie sollte für diejenigen Patienten gelten, die sich dafür
entscheiden, die Gesundheitsversorgung in einem anderen als ihrem
Versicherungsmitgliedstaat in Anspruch zu nehmen. Wie der Gerichtshof
bekräftigt hat, führt weder ihre besondere Natur noch ihre Organisation oder
ihre Finanzierung dazu, dass Gesundheitsdienstleistungen nicht unter den
elementaren Grundsatz der Dienstleistungsfreiheit fallen. Der
Versicherungsmitgliedstaat kann sich jedoch aus Gründen, die in der
Qualität und Sicherheit der erbrachten Gesundheitsdienstleistung liegen,
dafür entscheiden, die Kostenerstattung für die grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung zu begrenzen, wenn sich dies durch zwingende
6
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Gründe des Allgemeininteresses bezogen auf die öffentliche Gesundheit
rechtfertigen lässt. Der Versicherungsmitgliedstaat kann auch weitere
Maßnahmen aus anderen Gründen vorsehen, wenn sich dies durch solche
zwingenden Gründe des Allgemeininteresses rechtfertigen lässt. Der
Gerichtshof hat in der Tat festgestellt, dass der öffentliche
Gesundheitsschutz zu den zwingenden Gründen des Allgemeininteresses
zählt, die eine Einschränkung der in den Verträgen vorgesehenen
Freizügigkeit rechtfertigen können.
(19 ) Wenn ein Patient grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen in
Anspruch nimmt, ist es für ihn entscheidend, dass er im Voraus weiß,
welche Regeln für ihn gelten. Da gemäß Artikel 168 Absatz 7 AEUV die
Organisation und Bereitstellung von Gesundheitsdienstleistungen und die
medizinische Versorgung in der Verantwortung der Mitgliedstaaten liegen,
sollte die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung den
Rechtsvorschriften des Behandlungsmitgliedstaats unterliegen. Dies sollte
den Patienten helfen, eine sachkundige Entscheidung zu treffen, und dazu
beitragen, Irrtümer und Missverständnisse zu vermeiden. Auch sollte dies
einen hohen Grad an Vertrauen zwischen dem Patienten und dem
Gesundheitsdienstleister herstellen.
(26 ) Das Recht auf Erstattung der Kosten der in einem anderen Mitgliedstaat
erbrachten Gesundheitsdienstleistungen durch die gesetzliche
Sozialversicherung der Patienten als Versicherte ist vom Gerichtshof in
mehreren Urteilen anerkannt worden. Der Gerichtshof hat festgestellt, dass
die Vertragsbestimmungen zum freien Dienstleistungsverkehr die Freiheit
der Empfänger von Gesundheitsdienstleistungen, einschließlich der
Personen, die eine medizinische Behandlung benötigen, einschließt, sich zur
Inanspruchnahme einer Dienstleistung in einen anderen Mitgliedstaat zu
begeben. Dies sollte auch für die Empfänger von
Gesundheitsdienstleistungen gelten, die eine in einem anderen Mitgliedstaat
erbrachte Gesundheitsversorgung auf anderem Wege, etwa durch
elektronische Gesundheitsdienstleistungen (e-Health), in Anspruch nehmen
möchten.“
11. Diese Richtlinie gliedert sich in fünf Kapitel, nämlich das Kapitell
(„Allgemeine Bestimmungen“), das die Art. 1 bis 3 enthält, das Kapitel II
(„Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten in Bezug auf die grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung“), das die Art. 4 bis 6 enthält, das Kapitel III („Erstattung
von Kosten für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung“), das die Art. 7 bis
9 enthält, das Kapitel IV („Zusammenarbeit bei der Gesundheitsversorgung“), das
die Art. 10 bis 15 enthält, und schließlich das Kapitel V („Durchführungs- und
Schlussbestimmungen“), das die Art. 16 bis 23 enthält.
7
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
12. Art. 1 („Gegenstand und Anwendungsbereich“) Abs. 1 und 2 der Richtlinie
2011/24 sieht vor:
„(1) Diese Richtlinie enthält Bestimmungen zur Erleichterung des Zugangs zu
einer sicheren und hochwertigen grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung
und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten im Bereich der
Gesundheitsversorgung, wobei die nationalen Zuständigkeiten bei der
Organisation und Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen uneingeschränkt
geachtet werden. Diese Richtlinie zielt ferner darauf ab, ihr Verhältnis zum
bestehenden Rechtsrahmen für die Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit, Verordnung (EG) Nr. 883/2004 [des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
(ABI. 2004, L 166, S. 1)], im Hinblick auf die Ausübung der Patientenrechte zu
klären.
(2) Diese Richtlinie gilt für jegliche Gesundheitsversorgung von Patienten,
unabhängig davon, wie diese organisiert, erbracht oder finanziert wird.“
13. Art. 2 („Verhältnis zu anderen Unionsvorschriften“) der Richtlinie 2011/24
bestimmt:
„Diese Richtlinie lässt unberührt:
e) Richtlinie [2000/31] ...;
n) Richtlinie [2005/36] ...;
14. In Art. 3 („Begriffsbestimmungen“) der Richtlinie 2011/24 heißt es:
„Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Ausdruck
a) ,Gesundheitsversorgung‘ Gesundheitsdienstleistungen, die von Angehörigen
der Gesundheitsberufe gegenüber Patienten erbracht werden, um deren
Gesundheitszustand zu beurteilen, zu erhalten oder wiederherzustellen,
einschließlich der Verschreibung, Abgabe und Bereitstellung von
Arzneimitteln und Medizinprodukten;
d) ,Behandlungsmitgliedstaat‘ den Mitgliedstaat, in dessen Hoheitsgebiet
Gesundheitsdienstleistungen für den Patienten tatsächlich erbracht werden.
Im Fall der Telemedizin gilt die Gesundheitsversorgung als in dem
Mitgliedstaat erbracht, in dem der Gesundheitsdienstleister ansässig ist;
8
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
e) .grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung1 die Gesundheitsversorgung,
die in einem anderen Mitgliedstaat als dem Versicherungsmitgliedstaat
erbracht oder verschrieben wird;
f) ,Angehöriger der Gesundheitsberufe’ einen Arzt, eine Krankenschwester
oder einen Krankenpfleger für allgemeine Pflege, einen Zahnarzt, eine
Hebamme oder einen Apotheker im Sinne der Richtlinie [2005/36] oder eine
andere Fachkraft, die im Gesundheitsbereich Tätigkeiten ausübt, die einem
reglementierten Beruf im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe a der
Richtlinie [2005/36] vorbehalten sind, oder eine Person, die nach den
Rechtsvorschriften des Behandlungsmitgliedstaats als Angehöriger der
Gesundheitsberufe gilt;
g) ,Gesundheitsdienstleister4 jede natürliche oder juristische Person oder
sonstige Einrichtung, die im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats rechtmäßig
Gesundheitsdienstleistungen erbringt;
15. Art. 4 („Zuständigkeiten des Behandlungsmitgliedstaats“) Abs. 1 der
Richtlinie 2011/24 sieht vor:
„Leistungen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung werden - unter
Beachtung der Grundsätze Universalität, Zugang zu qualitativ hochwertiger
Versorgung und Solidarität - im Einklang mit folgenden Regelungen erbracht:
a) Rechtsvorschriften des Behandlungsmitgliedstaats;
b) vom Behandlungsmitgliedstaat festgelegte Standards und Leitlinien für
Qualität und Sicherheit und
c) Rechtsvorschriften der Union über Sicherheitsstandards.“
16. Art. 7 („Allgemeine Grundsätze für die Kostenerstattung“) Abs. 7 der
Richtlinie 2011/24 sieht vor:
„Der Versicherungsmitgliedstaat kann einem Versicherten, der einen Antrag auf
Kostenerstattung im Zusammenhang mit grenzüberschreitender
Gesundheitsversorgung stellt, wozu auch eine Gesundheitsversorgung mit Mitteln
der Telemedizin gehören kann, dieselben - auf lokaler, regionaler oder nationaler
Ebene festgelegten - Voraussetzungen, Anspruchskriterien sowie Regelungs- und
Verwaltungsformalitäten vorschreiben, die er für die gleiche
Gesundheitsversorgung im eigenen Hoheitsgebiet heranziehen würde. Hierzu
kann auch ein Gutachten eines Angehörigen der Gesundheitsberufe oder einer
Verwaltungsstelle im Gesundheitswesen, die Leistungen für die gesetzliche
Sozialversicherung oder das nationale Gesundheitssystem des
Versicherungsmitgliedstaats erbringt, zählen, beispielsweise des
Allgemeinmediziners oder Hausarztes, bei dem der Patient registriert ist, sofern
9
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
dies für die Feststellung des individuellen Leistungsanspruchs des Patienten
erforderlich ist. Die nach diesem Absatz geltend gemachten Voraussetzungen,
Anspruchskriterien sowie Regelungs- und Verwaltungsformalitäten dürfen jedoch
weder diskriminierend sein noch ein Hindernis für den freien Verkehr von
Patienten, Dienstleistungen oder Waren darstellen, es sei denn, es ist aufgrund des
Planungsbedarfs in Zusammenhang mit dem Ziel, einen ausreichenden und
ständigen Zugang zu einem ausgewogenen Angebot hochwertiger Versorgung im
betreffenden Mitgliedstaat sicherzustellen, oder aufgrund des Wunsches, die
Kosten zu begrenzen und nach Möglichkeit jede Verschwendung finanzieller,
technischer oder personeller Ressourcen zu vermeiden, objektiv gerechtfertigt.“
B. Österreichisches Recht
17. Gemäß § 3 Abs. 1 Zahnärztegesetz (im Folgenden: ZÄG)6 darf der
zahnärztliche Beruf nur nach Maßgabe dieses Bundesgesetzes ausgeübt werden.
18. Der zahnärztliche Beruf umfasst nach §4 Abs. 2 ZÄG jede auf
wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der Zahnmedizin begründete
Tätigkeit einschließlich komplementär- und alternativmedizinischer
Heilverfahren, die unmittelbar am Menschen oder mittelbar für den Menschen
ausgeführt wird.
19. Der Angehörigen des zahnärztlichen Berufs vorbehaltene Tätigkeitsbereich
umfasst gemäß § 4 Abs. 3 ZÄG unter anderem die Untersuchung auf das
Vorliegen oder Nichtvorliegen von Krankheiten und Anomalien der Zähne, deren
Behandlung, wozu auch kosmetische und ästhetische Eingriffe an den Zähnen
zählen, sofern diese eine zahnärztliche Untersuchung und Diagnose erfordern,
sowie die Verordnung von Heilmitteln, Heilbehelfen und zahnmedizinisch
diagnostischen Hilfsmitteln.
20. Laut den §§ 24, 25 und 26 ZÄG haben Angehörige des zahnärztlichen
Berufs ihren Beruf persönlich und unmittelbar, allenfalls in Zusammenarbeit mit
anderen Angehörigen des zahnärztlichen Berufs oder Angehörigen anderer
Gesundheitsberufe, insbesondere in Form von Ordinations- und
Apparategemeinschaften (§ 25 ZÄG) oder Gruppenpraxen (§ 26 ZÄG),
auszuüben. Weiters dürfen sie sich im Rahmen ihrer Berufsausübung der Mithilfe
von Hilfspersonen bedienen, wenn diese nach ihren genauen Anordnungen und
unter ihrer ständigen Aufsicht handeln (§ 24 Abs. 2 ZÄG). Eine Gruppenpraxis
kann gemäß § 26 Abs. 1 Ziff. 2 ZÄG zwar in der Rechtsform einer Gesellschaft
mit beschränkter Haftung betrieben werden, Voraussetzung ist aber unter
anderem, dass alle Gesellschafter zur selbständigen Berufsausübung berechtigte
Angehörige des zahnärztlichen Berufs sind (§ 26 Abs. 3 Ziff. 1 ZÄG).
21. § 31 ZÄG regelt den „Freie[n] Dienstleistungsverkehr“ und lautet:
6 BGBl I 126/2005, wie im Jahr 2023 geändert (BGBl I 191/2023).
10
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
„(1) Staatsangehörige eines EWR-Vertragsstaats oder der Schweizerischen
Eidgenossenschaft, die den zahnärztlichen Beruf in einem der übrigen EWR-
Vertragsstaaten oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft rechtmäßig
ausüben, dürfen von ihrem ausländischen Berufssitz oder Dienstort aus im
Rahmen des Dienstleistungsverkehrs vorübergehend in Österreich ohne
Eintragung in die Zahnärzteliste zahnärztlich tätig werden.
(2) Vor der erstmaligen Erbringung einer zahnärztlichen Dienstleistung in
Österreich, die einen vorübergehenden Aufenthalt im Bundesgebiet
erfordert, hat der/die Dienstleistungserbringer/Dienstleistungserbringerin der
Österreichischen Zahnärztekammer im Wege der Landeszahnärztekammer
jenes Bundeslandes, in dem die Dienstleistung erbracht werden soll, unter
Beifügung folgender Urkunden schriftlich Meldung zu erstatten: ..."
22. Die österreichischen Gerichte haben in wettbewerbsrechtlichen
Rechtssachen bereits ausgesprochen, dass diese Bestimmung nur auf
berufsberechtigte natürliche Personen abstelle, nicht aber auf Gesellschaften mit
beschränkter Haftung, noch dazu, wenn deren Gesellschafterstruktur nicht § 26
ZÄG genüge.
III. Ausgangsrechtsstreit, Vorlagefragen und Verfahren vor dem
Gerichtshof
23. Die ÖZ ist eine Körperschaf öffentlichen Rechts mit Sitz in Wien
(Österreich), die gesetzlich zur Wahrnehmung der Interessen der österreichischen
Zahnärzte und Dentisten berufen ist.
24. UJ ist eine in Österreich ansässige Zahnärztin, die befugt ist, Patienten in
diesem Mitgliedstaat im Rahmen von Behandlungsverträgen, die sie mit diesen
schließt, zahnärztlich zu untersuchen und zu behandeln.
25. Urban Technology und DZK sind Teile eines weltweit tätigen
Dentalunternehmens. Urban Technology ist in Deutschland niedergelassen und
hat den Unternehmensgegenstand „Erbringung von Dienstleistungen im Bereich
von lifestyle-Produkten für Endkunden“. Sie bewirbt ein zahnmedizinisches
Kieferregulierungsverfahren mittels transparenter Mundzahnschienen, das unter
der Marke „DrSmile“ vertrieben wird. Über ihre Internetseite können potenzielle
Kunden bei einem sogenannten „Partnerzahnarzt“, wie UJ, der an einem
Wunschstandort, u. a. in Österreich, tätig ist, einen Termin anfragen. Der
Partnerzahnarzt führt bei Zustandekommen eines derartigen Termins in der
eigenen Ordination eine Anamnese, ein Aufklärungsgespräch sowie einen
3D-Scan des Gebisses und die für die Zahnschienentherapie allenfalls
erforderlichen Vorbehandlungen durch. In der Folge übermittelt dieser
Partnerzahnarzt das Bildmaterial sowie eine Empfehlung hinsichtlich des
Kieferregulierungsverfahrens an DZK. DZK ist ebenfalls in Deutschland
11
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-I15/24
niedergelassen7. Nach Durchsicht der Unterlagen wird dem Patienten seitens DZK
ein Behandlungsplan samt konkreter Preisinformation übermittelt.
26. Nach der Validierung dieses Behandlungsplans schließt nur DZK mit dem
Patienten einen Behandlungsvertrag ab, der alle Leistungen im Zusammenhang
mit einer „DrSmile“-Zahnregulierung umfasst. Die Zahnschienen bezieht sie über
Urban Technology, die diese wiederum bei Dritten in Auftrag gibt. Der Kunde
erhält die Zahnschienen per Post. Die weitere Betreuung erfolgt mittels App
von DZK, mit der die Patienten regelmäßig Bilder ihrer Zähne an sie übermitteln.
Außerdem steht DZK in einer Vertragsbeziehung mit dem Partnerzahnarzt, im
vorliegenden Fall UJ, und vergütet ihm die Leistungen, die er im Rahmen der
„DrSmile-Behandlung“ für die jeweiligen Patienten erbringt.
27. Die ÖZ erhob vor dem Landesgericht Klagenfurt eine Unterlassungsklage
nach dem Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb8, verbunden mit einem
Sicherungsantrag, mit dem sie UJ mit einstweiliger Verfügung bis zur Rechtskraft
des über die Unterlassungsklage ergehenden Urteils verbieten lassen will, an
zahnärztlichen Tätigkeiten, die in Österreich durch ausländische Gesellschaften
erbracht werden, welche weder eine Befugnis zur Ausübung des zahnärztlichen
Berufs nach dem ZÄG in Österreich noch eine krankenanstaltsrechtliche
Betriebsbewilligung nach österreichischem Recht haben, unmittelbar oder
mittelbar mitzuwirken.
28. UJ macht geltend, dass DZK, mit der sie zusammenarbeite, eine nach
deutschem Recht zugelassene private Krankenanstalt sei, deren Tätigkeiten unter
telemedizinischen Aspekten in Österreich zulässig seien; ebenso sei die
Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen zur Erfüllung gewisser Aufgaben im
Rahmen der kieferorthopädischen Behandlung zulässig. Außerdem gibt UJ an,
dass sie ihre Tätigkeiten unmittelbar und persönlich sowie weisungsunabhängig
durchführe.
29. Das Landesgericht Klagenfurt wies den Sicherungsantrag von ÖZ mit der
Begründung ab, dass UJ nicht an zahnärztlichen Tätigkeiten von Urban
Technology und DZK mitwirke. Es lägen zwei getrennt voneinander zu
betrachtende Behandlungsverträge vor, weswegen UJ nicht als
„Erfüllungsgehilfin" zu qualifizieren sei und daher auch nicht davon auszugehen
sei, dass sie an fremden zahnärztlichen Tätigkeiten in Österreich mitwirke.
30. Das mit einem Rekurs gegen die Entscheidung dieses Gerichts befasste
Oberlandesgericht Graz gab dem Sicherungsantrag im Wesentlichen statt. Es
stellte u. a. fest, UJ agiere als „Erfüllungsgehilfin“ von DZK im Rahmen der
Die Gesellschafter von Urban Technology und DZK sind keine Zahnärzte. DZK verfügt jedoch
über eine Zulassung und die sonstigen notwendigen Genehmigungen nach deutschem Recht, um
an einem Standort in Deutschland ein zahnmedizinisches Versorgungszentrum („Zahnklinik“)
zu betreiben.
8 BGBl 448/1984.
12
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
zwischen dieser und den Patienten geschlossenen Behandlungsverträge.
DZK verfuge über keine Berechtigung für die Erbringung zahnärztlicher
Leistungen in Österreich. Die durch UJ als Erfüllungsgehilfin in Österreich
erbrachten Behandlungsleistungen von DZK würden unmittelbar und ohne Einsatz
von Informations- und Kommunikationstechnik bzw. -technologie ausgeführt.
UJ wirke daher an zahnärztlichen Tätigkeiten mit, die durch eine ausländische
Gesellschaft im Inland erbracht würden, ohne dass diese eine Befugnis zur
Ausübung des zahnärztlichen Berufs nach dem ZAG oder eine
krankenanstaltsrechtliche Betriebsbewilligung nach österreichischem Recht hätte.
Damit habe UJ einerseits gegen die Regelungen zur Zusammenarbeit nach § 24
ZÄG verstoßen und sich andererseits als Erfüllungsgehilfin an einem Verstoß
einer ausländischen Gesellschaft gegen den Berufsvorbehalt nach § 3 und § 4
Abs. 3 ZÄG beteiligt.
31. Der Oberste Gerichtshof (Österreich), das vorlegende Gericht, ist mit
einem von UJ eingelegten Revisionsrekurs befasst, mit dem UJ im Wesentlichen
beantragt, den Sicherungsantrag von ÖZ zurückzuweisen.
32. Erstens fragt sich das vorlegende Gericht, ob UJ überhaupt an
zahnärztlichen Tätigkeiten mitwirke, die in Österreich durch ausländische
Gesellschaften erbracht würden. Es liege nämlich ein einheitlicher
Behandlungsvertrag zwischen dem Patienten und DZK vor, so dass nur DZK
Leistungserbringer gegenüber dem Patienten im Rechtssinne sei. UJ stehe
lediglich in einer Vertragsbeziehung zu DZK als deren Erfüllungsgehilfin. Damit
stelle sich die Frage, wo die zahnärztlichen Leistungen „erbracht“ würden.
Insbesondere sei zu bestimmen, ob im vorliegenden Fall das Herkunftslandprinzip
gelte und Leistungsort daher Deutschland sei, wo DZK zulässigerweise eine
Zahnklinik betreibe. Das vorlegende Gericht möchte daher wissen, ob sich der
Anwendungsbereich von Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24, wonach im Fall
der Telemedizin die Gesundheitsversorgung als in dem Mitgliedstaat erbracht gilt,
in dem der Gesundheitsdienstleister ansässig ist, nur auf Zwecke des
Kostenersatzes im Sinne ihres Art. 7 erstrecke oder ein allgemeines
Herkunftslandprinzip für telemedizinische Leistungen anordnet bzw. ob dieses aus
der Richtlinie 2000/31 ableitbar sei.
33. Zweitens möchte das vorlegende Gericht zur Klärung der Anwendbarkeit
der Richtlinie 2011/24 auf den vorliegenden Fall wissen, ob sich die
„Gesundheitsversorgung im Fall der Telemedizin“ im Sinne von Art. 3 Buchst, d
dieser Richtlinie ausschließlich auf medizinische Einzelleistungen beziehe, die
(grenzüberschreitend) mit Unterstützung von Informations- und
Kommunikationstechnologien (im Folgenden: IKT) durchgeführt würden, oder
auf einen gesamten Behandlungsvertrag, der auch körperliche Untersuchungen im
Wohnsitzstaat des Patienten umfassen könne, und es möchte wissen, ob die
IKT-unterstützten Leistungen überwiegen müssten, damit eine
„Gesundheitsversorgung im Fall der Telemedizin“ vorliege. Außerdem fragt sich
das vorlegende Gericht, ob bei einer Verbindung zwischen diesen beiden
Leistungsarten, wie im vorliegenden Fall, hier insgesamt von einer
13
SCHLUSSANTRÄGE von HERRN Rantos - Rechtssache C-115/24
„grenzüberschreitenden Gesundheitsdienstleistung“ im Sinne von Art. 3 Buchst, d
und e der Richtlinie 2011/24 auszugehen sei.
34. Drittens fragt sich das vorlegende Gericht, welches das auf „Telemedizin“
anwendbare Recht sei. Insoweit sei das Zusammenspiel zwischen Art. 2 Buchst, n,
Art. 3 Buchst, d und Art. 4 Buchst, a der Richtlinie 2011/24 einerseits und Art. 5
Abs. 3 der Richtlinie 2005/36, wonach ein Dienstleister, der sich in einen anderen
Mitgliedstaat „begibt“, im Aufnahmemitgliedstaat den berufsständischen,
gesetzlichen oder verwaltungsrechtlichen Berufsregeln unterliegt, andererseits von
Bedeutung. Relevant sei auch das Zusammenspiel zwischen der Richtlinie
2000/31, insbesondere ihrem Art. 2 Buchst, h Ziff. ii und ihrem
18. Erwägungsgrund, der Richtlinie 2005/36, insbesondere ihrem Art. 5 und ihrem
vierten Erwägungsgrund, und der Richtlinie 2011/24, insbesondere ihrem Art. 2
Buchst, n, ihrem Art. 3 Buchst, d und ihrem Art. 4 Buchst, a. In einem anderen
Zusammenhang habe der Gerichtshof bereits ausgesprochen, dass die
geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen, die grenzüberschreitend geleistet werde,
ohne dass sich die handelnden Personen in den anderen Mitgliedstaat begäben,
nicht unter Art. 5 der Richtlinie 2005/36 falle, weil dieser nur für den Fall gelte,
dass sich der Dienstleister in den Aufnahmemitgliedstaat begebe9. Nach Ansicht
des vorlegenden Gerichts müssen bei Gesundheitsdienstleistungen auch bei reinen
grenzüberschreitenden Korrespondenzdienstleistungen und ungeachtet des
Herkunftslandprinzips zum Schutz der Patienten die Berufsregeln des
Wohnsitzmitgliedstaats des Patienten eingehalten werden.
35. Viertens und letztens fragt sich das vorlegende Gericht, wie Art. 56 AEUV
auszulegen sei, falls davon auszugehen sei, dass die von UJ durchgeführten
zahnärztlichen Leistungen in rechtlicher Hinsicht in Österreich „erbracht“ würden.
Genauer gesagt stelle sich zum einen die Frage, ob UJ, indem sie nicht aufgrund
eines eigenen Behandlungsvertrags, sondern nur als Erfüllungsgehilfin von DZK
tätig werde, das ZÄG verletze, das den Beruf der Zahnärzte regele, indem sie
gegen den Zahnärztevorbehalt verstoße. DZK verfüge zwar über eine Zulassung
als Privatklinik in Deutschland, in Österreich aber weder über eine
krankenanstaltsrechtliche Betriebsbewilligung noch über eine Berechtigung nach
dem ZÄG. Auch ihre Gesellschafterstruktur widerspreche den Vorgaben des
ZÄG. Insofern stelle sich die Frage, ob die Regelungen des ZÄG, die primär eine
unmittelbare und persönliche Berufsausübung und einen freien
Dienstleistungsverkehr nur „vorübergehend“ für „EWR-Staatsangehörige“
vorsähen, mit der Dienstleistungsfreiheit gemäß den Art. 56 ff. AEUV in Einklang
stünden, wenn, wie im vorliegenden Fall, der ausländische Zahnarzt dauerhaft im
Rahmen eines einheitlichen Behandlungsvertrags seine Leistungen teils
(IKT-unterstützt) aus dem Ausland und teils im Inland durch Beiziehung eines in
diesem Hoheitsgebiet berufsberechtigten Zahnarztes als Erfüllungsgehilfen
erbringe. Zum anderen sei bezogen auf DZK fraglich, ob auch eine (analoge)
Vgl. Urteil vom 17. Dezember 2015, X-Steuerberatungsgesellschaft (C-342/14, im Folgenden:
Urteil X-Steuerberatungsgesellschaft, EU:C:2015:827, Rn. 34 und 35).
14
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Anwendung der Regelungen zu Gruppenpraxen in § 26 ZÄG, wonach
Gesellschafter nur Zahnärzte sein dürften, gegen die Dienstleistungsfreiheit
verstoße, insbesondere angesichts der Rechtsprechung, wonach es den
Mitgliedstaaten nur erlaubt sei, den freien Dienstleistungsverkehr im Bereich der
ärztlichen und klinischen Versorgung einzuschränken, soweit die Erhaltung eines
bestimmten Umfangs der medizinischen und pflegerischen Versorgung oder eines
bestimmten Niveaus der Heilkunde im Inland für die Gesundheit oder das
Überleben ihrer Bevölkerung erforderlich sei, zumal nicht zwingend sei, dass
natürliche Personen ein höheres Niveau der Versorgung gewährleisten könnten als
juristische Personen10.
36. Unter diesen Umständen hat der Oberste Gerichtshof beschlossen, das
Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Fragen zur
Vorabentscheidung vorzulegen:
1.1. Erstreckt sich der Anwendungsbereich des Art. 3 Buchst, d der Richtlinie
2011/24, wonach im Fall der Telemedizin die Gesundheitsversorgung als in
dem Mitgliedstaat erbracht gilt, in dem der Gesundheitsdienstleister ansässig
ist, nur auf Zwecke des Kostenersatzes im Sinne ihres Art. 7?
1.2. Für den Fall, dass Frage 1.1 verneint wird: Ordnet Art. 3 Buchst, d der
Richtlinie 2011/24 ein allgemeines Herkunftslandprinzip für
telemedizinische Leistungen an?
1.3. Ordnet die Richtlinie 2000/31 ein Herkunftslandprinzip für telemedizinische
Leistungen an?
2.1. Bezieht sich die „Gesundheitsversorgung im Fall der Telemedizin“ im Sinne
des Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24 ausschließlich auf medizinische
Einzelleistungen, die (grenzüberschreitend) mit Unterstützung von
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) durchgeführt
werden, oder auf einen gesamten Behandlungsvertrag, der ebenso
körperliche Untersuchungen im Wohnsitzstaat des Patienten umfassen kann?
2.2. Falls körperliche Untersuchungen umfasst sein können, müssen
IKT-unterstützte Leistungen überwiegen, damit eine
„Gesundheitsversorgung im Fall der Telemedizin“ vorliegt, und
bejahendenfalls nach welchen Kriterien ist das Überwiegen zu beurteilen?
2.3. Ist eine medizinische Behandlung insgesamt als grenzüberschreitende
Gesundheitsdienstleistung im Sinne des Art. 3 Buchst, d und e der Richtlinie
2011/24 zu sehen, wenn der aus Sicht des Patienten im anderen
Mitgliedstaat ansässige Gesundheitsdienstleister, mit dem der Patient einen
10 Vgl. Urteile vom 28. April 1998, Kohll (C-158/96, im Folgenden: Urteil Kohll, EU:C:1998:171,
Rn. 51), und vom 13. Mai 2003, Müller-Faure und van Riet (C-385/99, EU:C:2003:270,
Rn. 67).
15
SCHLUSSANTRÄGE VON HERRN RANTOS - RECHTSSACHE C-115/24
Behandlungsvertrag abgeschlossen hat (hier: Zahnklinik), einen Teil der
Gesamtbehandlung IKT-gestützt erbringt, der andere Teil der
Gesamtleistung hingegen von einem im selben Mitgliedstaat wie der Patient
ansässigen Gesundheitsdienstleister (niedergelassener Zahnarzt) erbracht
wird?
3.1. Ist Art. 2 Buchst, n in Verbindung mit Art. 3 Buchst, d und Art. 4 Buchst, a
der Richtlinie 2011/24 und in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie
2005/36 dahingehend auszulegen, dass eine in Deutschland ansässige
Zahnklinik in Fällen von „Gesundheitsversorgung durch Telemedizin“ in
Österreich die dort geltenden nationalen berufsständischen, gesetzlichen
oder verwaltungsrechtlichen Berufsregeln (insbesondere §§ 24, 26 und 31
ZÄG) einzuhalten hat?
3.2. Ist Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36 dahin auszulegen, dass sich ein
Gesundheitsdienstleister in einen anderen Mitgliedstaat begibt, wenn er rein
IKT-unterstützte medizinische Leistungen erbringt? Verneinendenfalls, liegt
ein Begeben in einen anderen Mitgliedstaat vor, wenn er durch
Erfüllungsgehilfen im Wohnsitzstaat des Patienten körperliche
Untersuchungen oder Behandlungen durchführen lässt?
4. Steht die Dienstleistungsfreiheit gemäß den Art. 56 ff. AEUV den Vorgaben
des österreichischen Zahnärztegesetzes entgegen, das in den §§24 ff. ZÄG
primär eine unmittelbare und persönliche Berufsausübung vorsieht und
einen freien Dienstleistungsverkehr nur im Rahmen des § 31 ZÄG
„vorübergehend“ für „EWR-Staatsangehörige“, und zwar für
Konstellationen wie die vorliegende, in der ein ausländischer Zahnarzt -
grundsätzlich dauerhaft - im Rahmen eines einheitlichen
Behandlungsvertrags Leistungen teils IKT-unterstützt aus dem Ausland (im
Sinne einer grenzüberschreitenden Korrespondenzdienstleistung) und teils
im Inland durch Beiziehung eines berufsberechtigten österreichischen
Zahnarztes als Erfüllungsgehilfen erbringt?
37. UJ, die ÖZ, Urban Technology, DZK, die österreichische, die
niederländische und die polnische Regierung sowie die Europäische Kommission
haben schriftliche Erklärungen eingereicht. Mit Ausnahme der österreichischen
und der polnischen Regierung haben diese Beteiligten auch in der mündlichen
Verhandlung vom 13. Februar 2025 mündliche Ausführungen gemacht.
IV. Würdigung
A. Zur Zulässigkeit bestimmter Vorlagefragen
38. Die ÖZ und die Republik Österreich haben in ihren schriftlichen
Erklärungen geltend gemacht, dass einige der Vorlagefragen des vorlegenden
Gerichts unzulässig seien. Insbesondere beziehen sie sich erstens auf die
16
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Fragen 1.1 bis 1.3, 2.1, 2.2, 3.1 und 3.2, die hypothetisch seien11 oder in keinem
Zusammenhang mit der Realität oder dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits
stünden12, weil sie Bestimmungen der Richtlinien 2011/24, 2000/31 und 2005/36
über Leistungen der ..Telemedizin“ beträfen, während die im Ausgangsverfahren
in Rede stehende zahnärztliche Behandlung in „körperlichen Leistungen“ bestehe;
zweitens beziehen sie sich auf die Fragen 3.1 und 3.2, die nach Ansicht der
Republik Österreich in doppelter Hinsicht hypothetisch sind, da der persönliche
Anwendungsbereich der Richtlinie 2005/36 juristische Personen wie Urban
Technology und DZK nicht einschließe, und drittens auf die Frage 4, die nach
Ansicht der ÖZ den Erfordernissen von Art. 94 der Verfahrensordnung des
Gerichtshofs hinsichtlich der inhaltlichen Vorgaben in Bezug auf das
Vorabentscheidungsersuchen nicht genüge, da sie nicht „klar und präzise“
abgefasst sei.
39. Insoweit weise ich darauf hin, dass nach ständiger Rechtsprechung des
Gerichtshofs für eine Vorlagefrage, die das Unionsrecht betrifft, eine Vermutung
für die Entscheidungserheblichkeit gilt. Der Gerichtshof kann die Entscheidung
über eine solche Frage nur dann ablehnen, wenn die Auslegung des Unionsrechts,
um die er ersucht wird, offensichtlich in keinem Zusammenhang mit den
Gegebenheiten oder dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits steht, wenn das
Problem hypothetischer Natur ist oder wenn der Gerichtshof nicht über die
tatsächlichen und rechtlichen Angaben verfügt, die für eine zweckdienliche
Beantwortung der ihm vorgelegten Fragen erforderlich sind13.
40. Im vorliegenden Fall stelle ich jedoch fest, dass die Vorlageentscheidung
den rechtlichen und tatsächlichen Rahmen, in den sich das Ausgangsverfahren
einfügt, hinreichend detailliert beschreibt. Außerdem erlauben es die Angaben des
vorlegenden Gerichts, die Tragweite der Vorlagefragen zu bestimmen und den
Schluss zu ziehen, dass diese weder hypothetisch sind noch in keinem
Zusammenhang mit dem Gegenstand des bei ihm anhängigen Rechtsstreits stehen
oder nicht hinreichend „klar und präzise“ abgefasst sind. Was nämlich erstens die
Vorlagefragen 1.1 bis 1.3, 2.1, 2.2, 3.1 und 3.2 sowie die angebliche
Unanwendbarkeit der Richtlinien 2011/24, 2000/31 und 2005/36 aus dem Grund
betrifft, dass die von DZK erbrachten Gesundheitsdienstleistungen nur
körperlicher Natur seien und daher nicht unter den Begriff Leistungen der
„Telemedizin“ fielen, weise ich daraufhin, dass diese Fragen unter verschiedenen
Gesichtspunkten gerade die Einstufung und rechtliche Behandlung dieser
Gesundheitsdienstleistungen betreffen und daher nicht als hypothetisch oder als in
keinem Zusammenhang mit dem Gegenstand des Rechtsstreits stehend angesehen
werden können. Was zweitens den hypothetischen Charakter der Fragen 3.1 und
11 Im Einzelnen bezieht sich die Republik Österreich auf die Fragen 1.1 bis 1.3, 2.1, 2.2, 3.1 und
3.2.
12 Im Einzelnen bezieht sich die ÖZ auf die Fragen 1.2, 1.3, 3.1 und 3.2.
13 Vgl. u. a. Urteil vom 20. März 2025, Arce (C-365/23, EU:C:2025:192, Rn. 38 und die dort
angeführte Rechtsprechung).
17
SCHLUSSANTRÄGE VON HERRN Rantos - Rechtssache C-l 15/24
3.2 betrifft, der sich nach Ansicht der Republik Österreich daraus ergibt, dass die
Richtlinie 2005/36 auf juristische Personen wie DZK nicht anwendbar sei, weise
ich darauf hin, dass zwar die Richtlinie 2005/36 gewährleistet, dass
Berufsqualifikationen, die von Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten, d. h.
natürlichen Personen, in einem oder mehreren Mitgliedstaaten erworben worden
sind, zum Zweck des Zugangs zu den von ihr erfassten reglementierten Berufen
und zur Ausübung dieser Berufe in einem anderen Mitgliedstaat anerkannt
werden, diese beiden Fragen sich jedoch im Rahmen der besonderen Konstellation
stellen, in der eine natürliche Person, im vorliegenden Fall UJ, die ihren Beruf als
Zahnärztin ausübt und als „Erfüllungsgehilfin" einer juristischen Person, im
vorliegenden Fall DZK, handelt, so dass die Anwendbarkeit dieser Richtlinie die
Merkmale einer materiell-rechtlichen Frage aufweist14. Drittens bin ich
hinsichtlich der Frage 4 der Ansicht, dass diese Frage den Anforderungen von
Art. 94 der Verfahrensordnung genügt, so dass der Gerichtshof über die
tatsächlichen und rechtlichen Angaben verfügt, die für eine zweckdienliche
Beantwortung erforderlich sind15.
41. Unter diesen Umständen halte ich sämtliche Vorlagefragen des
vorlegenden Gerichts für zulässig.
B. Zur Beantwortung der Vorlagefragen
42. Das vorlegende Gericht ist der Ansicht, dass der Sachverhalt, in den sich
das Ausgangsverfahren einfügt, eine Reihe von Fragen im Zusammenhang mit der
Auslegung und Anwendung der Richtlinien 2011/24, 2000/31 und 2005/36 sowie
von Art. 56 AEUV aufwerfe, und hat daher beschlossen, eine Reihe von Fragen zu
stellen, die verschiedene Aspekte der Einstufung von hybriden
Gesundheitsdienstleistungen und der Folgen der Einstufung solcher Leistungen
betreffen, nämlich Gesundheitsdienstleistungen, die sowohl die Erbringung von
körperlich von einem Zahnarzt erbrachten Dienstleistungen als auch die
Erbringung von aus der Ferne mittels IKT erbrachten Leistungen umfassen.
43. Genauer gesagt betreffen die vom vorlegenden Gericht geäußerten Zweifel
eine Situation, in der in Österreich ansässige Personen Untersuchungen und
Behandlungen für eine Zahnregulierung in Anspruch genommen haben, die durch
eine in Österreich berufsberechtigte Zahnärztin durchgeführt wurden, und in der
Folge die Behandlung mittels App auf der Grundlage eines Behandlungsvertrags
über eine Zahnregulierung mit einer Zahnklinik nach deutschem Recht, die nicht
in Österreich tätig sein darf, fortgesetzt haben.
14 Vgl. Art. 2 Abs. 1 der Richtlinie 2005/36. Im Übrigen war der Gerichtshof bereits in der
Vergangenheit bereit, die Anwendbarkeit der Richtlinie 2005/36 auf juristische Personen in der
Sache zu analysieren (vgl. u. a. Urteil X-Steuerberatungsgesellschaft, Rn. 34 und 35, und zur
Zulässigkeit Schlussanträge des Generalanwalts Cruz Villalon in dieser Rechtssache [C-342/14,
EU:C:2015:646, Nrn. 42 bis 46 und die dort angeführte Rechtsprechung]).
15 Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 13. November 2018, Levola Hengelo (C-310/17,
EU:C:2018:899, Rn. 30).
18
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
44. Insoweit weise ich zunächst daraufhin, dass im vorliegenden Fall, obwohl
die im Ausgangsverfahren in Rede stehende Unterlassungsklage gegen die
Zahnärztin, UJ, gerichtet ist, die von diesem Gericht geäußerten Vorbehalte
offenbar hauptsächlich die rechtliche Situation zum Gegenstand haben, in der sich
DZK befindet. Es ist nämlich unstreitig, dass UJ alle nach österreichischem Recht
erforderlichen Voraussetzungen für die Ausübung der Tätigkeit eines Zahnarztes
in Österreich erfüllt.
45. Diese Vorbehalte beziehen sich in Wirklichkeit eher auf die Qualifizierung
des Sachverhalts des Ausgangsverfahrens, die die Prämisse der rechtlichen
Argumentation des vorlegenden Gerichts zu sein scheint, nämlich dass UJ in
Österreich als „Erfüllungsgehilfin“ von DZK tätig ist, mit der Folge, dass Letztere
im vorliegenden Fall der einzige Erbringer der zahnärztlichen Behandlung ist,
wobei diese Behandlung eine einheitliche Behandlung darstellt, obwohl sie sich
aus mehreren Leistungen unterschiedlicher Art zusammensetzt. Die Parteien des
Ausgangsverfahrens teilen diese rechtliche Einstufung jedoch nicht, was sich auf
die von ihnen vorgeschlagene Auslegung der Bestimmungen auswirkt, die u. a.
den Anwendungsbereich der in Nr. 42 der vorliegenden Schlussanträge genannten
Richtlinien regeln.
46. In einem solchen Kontext und vorbehaltlich der Überprüfung der
Richtigkeit dieser Prämisse durch das vorlegende Gericht schlage ich vor, diese
verschiedenen Aspekte in folgender Reihenfolge zu prüfen: zunächst ist zu
beurteilen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Tätigkeit wie die im
Ausgangsverfahren in Rede stehende als Teil einer „telemedizinischen“ Leistung
im Sinne der Richtlinie 2011/24 angesehen werden kann (Fragen 2.1 bis 2.3)-,
sodann sind die Rechtsfolgen zu prüfen, die eine solche Einstufung sowohl unter
dem Blickwinkel der Richtlinie 2011/24 (Fragen 1.1 und 1.2) als auch unter dem
der Richtlinie 2000/31 (Frage 1.3) hat; außerdem ist die Relevanz der Richtlinie
2005/36 (Fragen 3.1 und 3.2) und schließlich die der Verkehrsfreiheiten und
insbesondere der Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 AEUV) sowie der
Niederlassungsfreiheit (Art. 49 AEUV) (Frage 4) zu analysieren.
1. Zur Einstufung einer Leistung als „ Telemedizin " im Sinne der Richtlinie
2011/24 (Fragen 2.1 bis 2.3)
47. Mit seinen Fragen 2.1 bis 2.3 möchte das vorlegende Gericht im
Wesentlichen zum einen wissen, ob der Begriff „im Fall der Telemedizin“
„erbrachte“ „Gesundheitsversorgung“ in Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24
nur eine medizinische Leistung umfasst, die ausschließlich mittels IKT ausgeführt
wird, oder auch einen gesamten Behandlungsvertrag, der körperliche
Untersuchungen umfasst, und ob im zweiten Fall der Teil der körperlichen
Leistungen überwiegend sein muss und wie dieses Überwiegen gegebenenfalls zu
beurteilen ist. Zum anderen möchte das vorlegende Gericht wissen, ob eine
medizinische Behandlung insgesamt als „grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung“ im Sinne von Art. 3 Buchst, d und e der Richtlinie
2011/24 zu sehen ist, wenn der Dienstleister, der einen Teil der Behandlung
19
SCHLUSSANTRÄGE von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
erbringt, in einem anderen Mitgliedstaat als der Patient ansässig ist und ein Teil
dieser Behandlung von einem anderen, im selben Mitgliedstaat wie der Patient
ansässigen, Dienstleister erbracht wird.
48. Diese Fragen, die gestellt werden, um zu bestimmen, ob die Richtlinie
2011/24 im vorliegenden Fall anwendbar ist16, sollen klären, ob
Gesundheitsdienstleistungen wie die im Ausgangsverfahren in Rede stehenden als
„Telemedizin" angesehen werden können, wenn eine Behandlung sowohl eine
körperlichen Untersuchung im Wohnsitzmitgliedstaat des Patienten als auch über
IKT erbrachte Leistungen umfasst.
49. Insoweit weise ich zunächst daraufhin, dass Art. 3 Buchst, d der Richtlinie
2011/24 den „Behandlungsmitgliedstaat “ definiert als den Mitgliedstaat, in dessen
Hoheitsgebiet Gesundheitsdienstleistungen für den Patienten tatsächlich erbracht
werden, und in seinem zweiten Satz klarstellt, dass ,,[i]m Fall der Telemedizin ...
die Gesundheitsversorgung als in dem Mitgliedstaat erbracht [gilt], in dem der
Gesundheitsdienstleister ansässig ist^. Aus dieser Bestimmung ergibt sich, dass
der Begriff „Telemedizin“, bei der es sich um eine Art von
„Gesundheitsversorgung“ im Sinne von Art. 3 Buchst, a dieser Richtlinie
handelt18, klare Rechtsfolgen hat, nämlich die Bestimmung des Ortes der
Dienstleistung und damit des auf diese Leistung anwendbaren Rechts19.
50. Dieser Begriff wird jedoch von der Richtlinie nicht definiert oder näher
bestimmt.
51. Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs müssen die Begriffe einer
Vorschrift des Unionsrechts, die für die Ermittlung ihrer Bedeutung und ihrer
Tragweite nicht ausdrücklich auf das Recht der Mitgliedstaaten verweist, in der
Regel in der gesamten Union eine autonome und einheitliche Auslegung erhalten,
die unter Berücksichtigung nicht nur ihres Wortlauts, sondern auch ihres
Zusammenhangs und des mit der Regelung, zu der sie gehören, verfolgten Ziels
Siehe Nr. 33 der vorliegenden Schlussanträge.
Hervorhebung nur hier.
Für diesen Begriff müssen daher dieselben beruflichen Anforderungen und Qualitäts- und
Sicherheitsstandards gelten wie für andere Gesundheitsdienstleistungen auch (vgl. in diesem
Sinne Standpunkt [EU] Nr. 14/2010 des Rates in erster Lesung im Hinblick auf die Annahme
einer Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Ausübung der
Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung, vom Rat am
13. September 2010 angenommen [2010/C 275E/01], S. 23).
Diese Folgen werden in den Nm. 69 und 70 der vorliegenden Schlussanträge analysiert.
20
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
gefunden werden muss20. Auch die Entstehungsgeschichte einer Vorschrift des
Unionsrechts kann relevante Anhaltspunkte für deren Auslegung liefern21.
52. Was erstens den Wortlaut und die Entstehungsgeschichte betrifft, sind nach
ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs Bedeutung und Tragweite von
Begriffen, die das Unionsrecht nicht definiert, entsprechend ihrem Sinn nach dem
gewöhnlichen Sprachgebrauch zu bestimmen22. Bei einem technischen und neuen
Begriff wie der „Telemedizin“ kommt es aber insbesondere auf den weiteren
Regelungskontext an.
53. Insoweit erscheint es angebracht, zum einen die Mitteilung der
Kommission vom 4. November 2008 über die Telemedizin23 zu berücksichtigen,
die zwar rechtlich nicht verbindlich ist, da sie vor dem Erlass der Richtlinie
2011/24 veröffentlicht wurde, doch für die Beurteilung der Bedeutung des
Begriffs „Telemedizin“, den die Kommission u. a. im Vorschlag für diese
Richtlinie24 verwendet hat, besonders relevant ist. So wird im Abschnitt
„Begriffsbestimmung“ die „Telemedizin“ definiert als „die Bereitstellung von
Gesundheitsdiensten mit Hilfe von IKT für den Fall, dass der Patient und der
Angehörige eines Gesundheitsberufs (bzw. zwei Angehörige eines
Gesundheitsberufs) nicht am selben Ort sind. Voraussetzung ist eine sichere
Übertragung medizinischer Daten und Informationen für die Prävention,
Diagnose, Behandlung und Weiterbetreuung von Patienten in Form von Text, Ton
und Bild oder in anderer Form“25.
54. Zum anderen sah der Vorschlag für eine Richtlinie vor, dass eine der Arten
der „grenzüberschreitenden] Gesundheitsversorgung“ die „grenzüberschreitende
20 Vgl. Urteil vom 29. Juli 2024, LivaNova (C-713/22, EU:C:2024:642, Rn. 61 und die dort
angeführte Rechtsprechung).
21 Vgl. Urteil vom 10. Dezember 2018, Wightman u. a. (C-621/18, EU:C:2018:999, Rn. 47 und
die dort angeführte Rechtsprechung).
22 Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 22. Dezember 2008, Wallentin-Hermann (C-549/07,
EU:C:2008:771, Rn. 17 und die dort angeführte Rechtsprechung).
23 Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen über den Nutzen der
Telemedizin für Patienten, Gesundheitssysteme und die Gesellschaft (KOM[2008] 689
endgültig).
24 Vgl. den zehnten Erwägungsgrund des Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen
Parlaments und des Rates über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden
Gesundheitsversorgung vom 2. Juli 2008 (KOM[2008] 414 endgültig) (im Folgenden:
Vorschlag für eine Richtlinie).
25 Hervorhebung nur hier. In dieser Mitteilung heißt es, dass „[d]ie Telemedizin ... eine große
Vielfalt von Dienstleistungen [umfasst]. Bei den so genannten Peer Reviews werden am
häufigsten die Teleradiologie, Telepathologie, Teledermatologie, Telekonsultation,
Telemonitoring, Telechirurgie und Tele-Ophthalmologie genannt. Weitere potenzielle Dienste
sind Call-Center, Online-Informationszentren für Patienten, Telekonsultation bzw. elektronische
Hausbesuche oder Videokonferenzen zwischen den Angehörigen von Gesundheitsberufen.“
21
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen (etwa vom Hoheitsgebiet eines
Mitgliedstaates in das Hoheitsgebiet eines anderen), wie telemedizinische
Dienstleistungen, Ferndiagnose, Fernverschreibung oder Laborleistungen“ ist und
dass sich diese Art der Erbringung von Dienstleistungen von den drei anderen
Arten der Erbringung grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung
unterscheidet26. Dieses Verständnis des Begriffs „Telemedizin“ wurde während
des gesamten Gesetzgebungsverfahrens nicht beanstandet27.
55. Daraus folgt, dass das entscheidende Element des Begriffs „Telemedizin“
in dem vom Unionsgesetzgeber gewollten Sinn darin besteht, dass die
Dienstleistung aus der Ferne mittels IKT ohne gleichzeitige körperliche
Anwesenheit der betroffenen Akteure, d. h. des Patienten und des
Gesundheitsdienstleisters, erbracht wird. Diese Feststellung wird auch durch
andere, spätere Quellen des Soft law bestätigt, wie das Arbeitsdokument der
Dienststellen der Kommission zur Anwendbarkeit des bestehenden rechtlichen
Rahmens auf die Telemedizindienste vom 6. Dezember 201228 oder auch die
Leitlinien der einschlägigen europäischen und internationalen Organisationen29.
Vgl. den zehnten Erwägungsgrund des Vorschlags für eine Richtlinie. Die drei anderen Arten
von Gesundheitsdienstleistungen sind: i) Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen im
Ausland (ein Patient begibt sich zwecks Behandlung zu einem Gesundheitsdienstleister in einem
anderen Mitgliedstaat), ii) ständiger Aufenthalt eines Gesundheitsdienstleisters (Niederlassung
eines Gesundheitsdienstleisters in einem anderen Mitgliedstaat); und iii) vorübergehender
Aufenthalt von Personen (Freizügigkeit von Angehörigen der Gesundheitsberufe, die
beispielsweise vorübergehend in den Mitgliedstaat des Patienten fahren, um dort ihre
Dienstleistung zu erbringen).
Vgl. u. a. 2980. Tagung des Rates für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und
Verbraucherschutz, Brüssel, 30. November 2009 und 1. Dezember 2009 [16611/1/09 REV 1
(Presse 348)], die darauf hingewiesen hat, dass ,,[d]ie elektronischen Gesundheitsdienste
unterschiedliche Dienstleistungen umfassen: ... die Telemedizin (wenn der Angehörige eines
Gesundheitsberufs und der Patient nicht am selben Ort sind', das umfasst z. B. die
Teleradiologie und die Telepathologie)“ (Hervorhebung nur hier).
Commission Staff Working Document on the applicability of the existing EU legal framework
to telemedicine Services [SWD(2012) 414 final, S. 3], nur in englischer Sprache verfügbar. In
diesem Dokument wird darauf hingewiesen, dass die elektronischen Verschreibungen
ausdrücklich vom Anwendungsbereich der Telemedizin ausgenommen sind, da es sich um „eine
akzessorische und unabhängige Handlung, die auch bei einem persönlichen Termin mit einem
Arzt erfolgen kann“, handelt (freie Übersetzung und Hervorhebung nur hier).
Vgl. CPME Policy on Telemedicine (CPME 2021/012 FINAL, S. 1), Ständiger Ausschuss der
Europäischen Ärzte, vom 20. März 2021, u. a. in französischer Sprache verfügbar: „Die
Telemedizin ist die Erbringung medizinischer Leistungen aus der Ferne, im Rahmen derer sich
die Eingriffe, Diagnosen, therapeutischen Entscheidungen und die sich daraus ergebende
Beratung für die Behandlung auf die Daten des Patienten, die Dokumente und die anderen
Informationen, die mittels Telekommunikationssystemen übermittelt werden, stützen.“ Vgl. in
diesem Sinne auch WHO, Consolidated Telemedicine implementation guide, S. 2, vom
9. November 2022, nur in englischer Sprache verfügbar, der die „Telemedizin“ definiert als „die
Erbringung von Gesundheitsdiensten, bei denen die Entfernung ein kritischer Faktor ist, durch
alle Angehörigen der Gesundheitsberufe, die [IKT] für den Austausch fundierter Informationen
zur Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten und Verletzungen nutzen, um die
Gesundheit des Einzelnen und seiner Gemeinschaft zu fördern“ (freie Übersetzung).
22
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
56. Zweitens wird diese Auslegung durch den Kontext bestätigt, in den sich die
Richtlinie 2011/24 einfügt. Es sei daran erinnert, dass nach Art. 7 Abs. 1 dieser
Richtlinie einer der allgemeinen Grundsätze für die Kostenerstattung bei
grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung darin besteht, dass die Kosten, die
einem Versicherten im Zusammenhang mit grenzüberschreitender
Gesundheitsversorgung entstanden sind, im Versicherungsmitgliedstaat erstattet
werden, sofern die betreffende Gesundheitsdienstleistung zu den Leistungen
gehört, auf die der Versicherte in diesem Mitgliedstaat Anspruch hat. Art. 7
Abs. 7 dieser Richtlinie erlaubt jedoch dem Versicherungsmitgliedstaat „einem
Versicherten, der einen Antrag auf Kostenerstattung im Zusammenhang mit
grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung stellt, wozu auch eine
Gesundheitsversorgung mit Mitteln der Telemedizin gehören kann, dieselben ...
Voraussetzungen, Anspruchskriterien sowie Regelungs- und
Verwaltungsformalitäten vor [zu] schreiben, die er für die gleiche
Gesundheitsversorgung im eigenen Hoheitsgebiet heranziehen würde“30. Die
Verwendung des Ausdrucks „wozu auch ... gehören kann“ bedeutet nämlich, dass
die Gesundheitsversorgung mit Mitteln der Telemedizin unter die
„grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung“ fällt, die in Art. 3 Buchst, e dieser
Richtlinie definiert wird als „die Gesundheitsversorgung, die in einem anderen
Mitgliedstaat als dem Versicherungsmitgliedstaat erbracht oder verschrieben
wird“. Daher bedeutet „Telemedizin“ im Rahmen der Anwendung der Richtlinie
2011/24, dass Gesundheitsdienstleistungen in einem anderen Mitgliedstaat als
dem Versicherungsmitgliedstaat erbracht werden, in dem sich der Patient physisch
aufhält, ohne dass sich dieser Patient jedoch, gerade dank der Verwendung von
IKT, physisch in das Behandlungsland begeben müsste, um dort diese Behandlung
zu erhalten.
57. Drittens scheint diese Auslegung auch im Einklang mit dem von der
Richtlinie 2011/24 verfolgten Ziel zu stehen, das u. a. darin besteht, den Zugang
zu einer sicheren und hochwertigen grenzüberschreitenden
Gesundheitsversorgung zu erleichtern und die Zusammenarbeit zwischen den
Mitgliedstaaten im Bereich der Gesundheitsversorgung zu fördern, wobei die
nationalen Zuständigkeiten bei der Organisation und Erbringung von
Gesundheitsdienstleistungen uneingeschränkt geachtet werden31. Dieses Ziel fügt
sich in den Rahmen der allgemeineren Ziele von Art. 168 AEUV ein, der u. a. als
Rechtsgrundlage für diese Richtlinie dient und der zum einen in seinem Abs. 1 das
allgemeinere Ziel bestimmt, „[b]ei der Festlegung und Durchführung aller
Unionspolitiken und -maßnahmen ... ein hohes Gesundheitsschutzniveau“
sicherzustellen, und zum anderen in seinem Abs. 7 darauf hinweist, dass „bei der
Tätigkeit der Union ... die Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Festlegung
ihrer Gesundheitspolitik sowie für die Organisation des Gesundheitswesens und
die medizinische Versorgung gewahrt [wird]“.
30 Hervorhebung nur hier.
31 Vgl. Art. 1 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie 2011/24.
23
SCHLUSSANTRÄGE von HERRN Rantos - Rechtssache C-115/24
58. Insoweit muss, wenn ein Arzt eine medizinische Behandlung in einem
Mitgliedstaat durchfuhrt, das anwendbare Recht gewährleisten, dass die
Sicherheits- und Hygienenormen eingehalten werden, dass geeignete
Haftungsmechanismen eingerichtet werden und dass der Arzt auch weiß, in
welchem rechtlichen Rahmen er tätig ist. Auf die berufliche Tätigkeit eines
Arztes, der in seinem eigenen Mitgliedstaat tätig ist, Vorschriften über Sicherheit,
Hygiene und Haftung eines anderen Mitgliedstaats allein deshalb anzuwenden,
weil die Behandlung in ihrer Gesamtheit auch Leistungen der Telemedizin
vorsieht, die von anderen Gesundheitsdienstleistern in anderen Mitgliedstaaten
erbracht werden, würde die Zuständigkeit des Behandlungsmitgliedstaats für die
Organisation seiner Gesundheitsversorgung beeinträchtigen und die Ärzte und
ihre Patienten einer ungerechtfertigten Rechtsunsicherheit aussetzen. In einem
solchen Fall könnte ein Mitgliedstaat nämlich von seinen eigenen Ärzten, die
Gesundheitsdienstleistungen in seinem Hoheitsgebiet erbringen, nicht mehr
verlangen, dass sie die in diesem Mitgliedstaat geltenden Sicherheits- und
Hygienenormen einhalten. Stattdessen müsste der Behandlungsmitgliedstaat
seinen eigenen Ärzten die Sicherheits-, Hygiene- und Haftungsvorschriften eines
anderen Mitgliedstaats auferlegen.
59. Außerdem würde in den Fällen, in denen nur das telemedizinische Element
in einem grenzüberschreitenden Rahmen erfolgt, eine „Gesamtbeurteilung“ zu
einer künstlichen Umqualifizierung einer rein innerstaatlichen Leistung in eine
grenzüberschreitende Leistung führen. Würde man nämlich davon ausgehen, dass
eine körperliche Untersuchung oder Behandlung allein deshalb Bestandteil der
Erbringung telemedizinischer Leistungen ist, weil sie von einem einzigen
Behandlungsvertrag, der auch Leistungen umfasst, die de facto mittels
Telemedizin erbracht wurden, erfasst wird, würde dies in Wirklichkeit zu einer
Umgehung der in Art. 3 Buchst, d Satz 1 der Richtlinie 2011/24 vorgesehenen
Regel führen, wonach mit „Behandlungsmitgliedstaat“ der Mitgliedstaat gemeint
ist, in dessen Hoheitsgebiet die Gesundheitsdienstleistungen „tatsächlich“ erbracht
werden.
60. Schließlich könnte eine andere Auslegung bei der Anwendung der
Bestimmungen über die Erstattung der Kosten grenzüberschreitender
Gesundheitsversorgung dem Missbrauch Vorschub leisten. Bei komplexen
Gesundheitsdienstleistungen könnten Verträge mit Einrichtungen geschlossen
werden, die in einem anderen Mitgliedstaat als dem Versicherungsmitgliedstaat
des Patienten ansässig sind und z. B. nur Voruntersuchungen unter Einsatz von
Telemedizin durchführen, während der Hauptteil der medizinischen
Dienstleistungen, die Gegenstand des Vertrags sind, im
Versicherungsmitgliedstaat des Patienten erbracht würde, und dennoch könnte die
Gesamtheit der Dienstleistungen, die Gegenstand des Vertrags sind, als
grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung behandelt werden, die der
Kostenerstattung gemäß Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 2011/24 unterliegt.
61. Da die „Telemedizin“ nur Dienstleistungen betrifft, die aus der Ferne
mittels IKT ohne gleichzeitige körperliche Anwesenheit der Akteure erbracht
24
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
werden, würden die bei gleichzeitiger Anwesenheit des Arztes und des Patienten
körperlich erbrachten Leistungen daher nicht unter den Begriff „Telemedizin“
fallen, auch wenn sie im Rahmen einer umfassenderen Behandlung erbracht
werden, die sowohl Leistungen der Telemedizin als auch Präsenzleistungen
umfassen.
62. Im vorliegenden Fall würde daraus folgen, dass die von UJ in ihrer eigenen
Ordination erbrachten Präsenzleistungen, nämlich die Anamnese, das
Aufklärungsgespräch, der 3D-Scan des Gebisses und die für die
Zahnschienentherapie erforderlichen Vorbehandlungen, nicht als Leistungen der
„Telemedizin“ im Sinne von Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24 angesehen
werden könnten, und zwar unabhängig zum einen von den Beziehungen zwischen
den Parteien und insbesondere dem Umstand, dass die Patienten nur mit dem
Anbieter von Telemedizindiensten vertraglich verbunden sind oder dass UJ als
„Erfüllungsgehilfin" von DZK handelt, oder zum anderen davon, dass sie Teil
einer „einzigen Gesundheitsdienstleistung“ sind. Dagegen können die von DZK
im Fernabsatz erbrachten Leistungen - d. h. sämtliche Leistungen, die von DZK
nach der Validierung des Behandlungsplans32 erbracht werden - unter den Begriff
„Telemedizin“ im Sinne der Richtlinie 2011/24 fallen, sofern sie sich in
praktischer Hinsicht trennen lassen und kein späteres Tätigwerden des Zahnarztes
erfordern.
63. Auch wenn es allein Sache des vorlegenden Gerichts ist, die Frage zu
beurteilen, ob sich die von DZK erbrachten Leistungen „trennen lassen“, bin ich
der Ansicht, dass folgende Gesichtspunkte für dieses Gericht insoweit von Nutzen
sein könnten.
64. Zum einen weise ich darauf hin, dass Art. 3 Buchst, a der Richtlinie
2011/24 den Begriff „Gesundheitsversorgung“ definiert als
„Gesundheitsdienstleistungen, die von Angehörigen der Gesundheitsberufe
gegenüber Patienten erbracht werden, um deren Gesundheitszustand zu beurteilen,
zu erhalten oder wiederherzustellen, einschließlich der Verschreibung, Abgabe
und Bereitstellung von Arzneimitteln und Medizinprodukten"^. Die bloße digitale
Bereitstellung von Medizinprodukten - wie im vorliegenden Fall Zahnschienen -
sowie die weitere Betreuung über eine App könnten daher unter eine solche
„Gesundheitsversorgung“ fallen. Insoweit weise ich darauf hin, dass nach dem
26. Erwägungsgrund der Richtlinie 2011/24 der freie Dienstleistungsverkehr die
Freiheit der Empfänger von Gesundheitsdienstleistungen, einschließlich der
Personen, die eine medizinische Behandlung benötigen, einschließt, sich nicht nur
zur Inanspruchnahme einer Dienstleistung in einen anderen Mitgliedstaat zu
begeben, sondern auch „eine in einem anderen Mitgliedstaat erbrachte
Gesundheitsversorgung auf anderem Wege, etwa durch elektronische
Gesundheitsdienstleistungen (e-Health), in Anspruch [zu] nehmen“.
32 Siehe Nr. 26 der vorliegenden Schlussanträge.
33 Hervorhebung nur hier.
25
SCHLUSSANTRÄGE von HERRN RANTOS - RECHTSSACHE C-115/24
65. Wenn zum anderen die Leistungen der Telemedizin als untrennbarer
akzessorischer Bestandteil der körperlichen Leistung anzusehen sind34, da sie
deren Qualität beeinträchtigen können, oder wenn die Leistungen der Telemedizin
auch das Tätigwerden eines Arztes im Versicherungsmitgliedstaat des Patienten
implizieren35, bin ich der Ansicht, dass diese Leistungen der Telemedizin nicht
von den körperlichen Leistungen getrennt werden können. Ich weise nämlich
darauf hin, dass nach Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24 der
Behandlungsmitgliedstaat der Mitgliedstaat ist, in dessen Hoheitsgebiet
Gesundheitsdienstleistungen „tatsächlich erbracht“ werden. Werden daher
einzelne Gesundheitsdienstleistungen mit Unterstützung von Technologien als
integraler Bestandteil dieser Gesundheitsversorgung erbracht, würden diese
rechtlich dasselbe Schicksal wie die übrige körperliche Gesundheitsversorgung
haben. In einem solchen Fall würde es sich nämlich nicht um einen Fall der
„Telemedizin“ im Sinne von Art. 3 Buchst, d Satz 2 dieser Richtlinie handeln, die
Gesundheitsversorgung würde im Wohnsitzmitgliedstaat des Patienten
„tatsächlich erbracht“ und diese Gesundheitsversorgung würde folglich keine
„grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung“ im Sinne von Art. 3 Buchst, e der
Richtlinie darstellen.
66. Nach alledem schlage ich vor, auf die Vorlagefragen 2.1 bis 2.3 zu
antworten, dass der Begriff „Gesundheitsversorgung im Fall der Telemedizin“ im
Sinne von Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24 dahin auszulegen ist, dass er nur
medizinische Leistungen umfasst, die ausschließlich mittels IKT erbracht werden,
und dass die bei gleichzeitiger Anwesenheit des Arztes und des Patienten
körperlich erbrachten Leistungen nicht unter den Begriff der „Telemedizin“ im
Sinne dieser Bestimmung fallen, auch wenn sie im Rahmen eines einheitlichen
BehandlungsVertrags erbracht werden, der sowohl Leistungen der Telemedizin als
auch körperliche Leistungen in Präsenz umfasst, unabhängig vom Grad des
Überwiegens jeder dieser Leistungen.
2. Zur rechtlichen Regelung für Leistungen der „Telemedizinu nach der
Richtlinie 2011/24 (Fragen 1.1 und 1.2)
67. Mit seinen Fragen 1.1 und 1.2 möchte das vorlegende Gericht im
Wesentlichen zum einen wissen, ob Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24 einen
auf die Kostenerstattung für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung im
Sinne von Art. 7 dieser Richtlinie beschränkten Anwendungsbereich hat, und zum
anderen, ob diese Richtlinie eine allgemeine Regel aufstellt, nach der die
Leistungen der Telemedizin nach den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats
erbracht werden müssen, in dem der Gesundheitsdienstleister ansässig ist.
Vgl. entsprechend Urteil vom 1. Oktober 2020, A (Werbung und Online-Verkauf von
Arzneimitteln) (C-649/18, EU:C:2020:764, Rn. 55).
35 Ich weise daraufhin, dass gewisse Anwendungen der Telemedizin auch das Tätigwerden eines
zweiten Arztes im Mitgliedstaat, in dem die Behandlung für den Patienten tatsächlich erbracht
wird, erfordern können, z. B. in den Bereichen der Teleradiologie oder Telechirurgie.
26
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
68. Wie bereits ausgeführt, zielen diese Fragen in erster Linie darauf ab, den
Ort, an dem die Leistungen der Telemedizin „erbracht“ werden, zu bestimmen
und insbesondere, ob Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24, wonach im Fall der
Telemedizin die Gesundheitsversorgung als in dem Mitgliedstaat erbracht gilt, in
dem der Gesundheitsdienstleister ansässig ist, nur für Zwecke des Kostenersatzes
für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung anwendbar sein soll oder im
Gegenteil ein allgemeines Herkunftslandprinzip für telemedizinische Leistungen
anordnet. In Anbetracht der Antwort, die ich auf die Fragen 2.1 bis 2.3 vorschlage,
möchte ich darauf hinweisen, dass diese Frage in Wirklichkeit nur insoweit
relevant ist, als das vorlegende Gericht der Ansicht sein sollte, dass die von DZK
erbrachten digitalen Leistungen von den von UJ erbrachten körperlichen
Leistungen getrennt werden können.
69. Was die Frage des Anwendungsbereichs der Richtlinie 2011/24 betrifft,
und ob dieser auf die Kostenerstattung für grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung beschränkt ist, bin ich aus den Gründen, die ich in den
folgenden Nummern der vorliegenden Schlussanträge darlegen werde, der
Ansicht, dass diese Frage zu verneinen ist; sowohl die Erwägungsgründe 8 und 10
als auch die Struktur dieser Richtlinie sowie der Inhalt der anderen Kapitel dieser
Richtlinie mit Ausnahme ihres Kapitels III, das einzige, das der Erstattung von
Kosten für die Gesundheitsversorgung gewidmet ist, sprechen nämlich für die
Anerkennung eines weiter gefassten Anwendungsbereichs.
70. Insoweit sei darauf hingewiesen, dass die Ermittlung eines
„Behandlungsmitgliedstaats“ im Sinne von Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24
nicht nur für die Bestimmungen des Kapitels III („Erstattung von Kosten für
grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung“) dieser Richtlinie von Bedeutung
ist. Abgesehen von den Fragen im Zusammenhang mit der Kostenerstattung
ermöglicht es die Ermittlung des „Behandlungsmitgliedstaats“ nämlich einem
Patienten, der grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen (oder Leistungen
der Telemedizin) in Anspruch nimmt, im Voraus zu wissen, welche Regeln für ihn
gelten. Wie sich u. a. aus dem 19. Erwägungsgrund der Richtlinie 2011/24 ergibt,
„[sollte, d]a gemäß Artikel 168 Absatz 7 AEUV die Organisation und
Bereitstellung von Gesundheitsdienstleistungen und die medizinische Versorgung
in der Verantwortung der Mitgliedstaaten liegen, ... die grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung den Rechtsvorschriften des Behandlungsmitgliedstaats
unterliegen“. Im Rahmen von Kapitel II („Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten in
Bezug auf die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung“) dieser Richtlinie
bestimmt ihr Art. 4 („Zuständigkeiten des Behandlungsmitgliedstaats“) in Abs. 1
zum einen, dass Leistungen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung
u. a. im Einklang mit den Rechtsvorschriften des Behandlungsmitgliedstaats und
den von diesem Mitgliedstaat festgelegten Standards und Leitlinien für Qualität
und Sicherheit erbracht werden, und sieht zum anderen eine Reihe von
Verpflichtungen36 und Zuständigkeiten37 vor.
36 Vgl. Art. 4 Abs. 2 bis 4 und Art. 6 der Richtlinie 2011/24.
27
SCHLUSSANTRÄGE von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
71. Daraus folgt, dass Art. 4 Abs. 1 Buchst, a und b der Richtlinie 2011/24 in
Verbindung mit Art. 3 Buchst, d dieser Richtlinie eine allgemeine Regel aufstellt,
nach der die Leistungen der Telemedizin nach den Rechtsvorschriften des
Mitgliedstaats erbracht werden müssen, in dem der Gesundheitsdienstleister
ansässig ist.
72. Insoweit erinnere ich daran, dass Art. 1 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie
2011/24 bestimmt, dass diese das allgemeine Ziel verfolgt, Bestimmungen zur
Erleichterung des Zugangs zu einer sicheren und hochwertigen
grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung vorzusehen und die
Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten im Bereich der
Gesundheitsversorgung zu fördern, wobei die nationalen Zuständigkeiten bei der
Organisation und Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen uneingeschränkt
geachtet werden38. Somit wird dieses allgemeine Ziel, das darin besteht, den
Zugang zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung unter Wahrung der
Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten im Gesundheitsbereich zu erleichtern, nicht
nur mit den Vorschriften über die Kostenerstattung in Kapitel III dieser Richtlinie,
sondern auch mit den Vorschriften über die jeweiligen Zuständigkeiten des
Behandlungsmitgliedstaats und des Versicherungsmitgliedstaats in Kapitel II
dieser Richtlinie verfolgt. Dieses Kapitel II ist nicht nur insofern wichtig, als es
den Ärzten, Patienten und öffentlichen Stellen Rechtssicherheit in Bezug auf die
anwendbaren Vorschriften (und die sich daraus ergebenden Informationspflichten)
bietet, sondern in erster Linie eine grundlegende Funktion innerhalb dieser
Richtlinie im Hinblick auf die den Patienten angebotene Mobilität erfüllt, indem
sie es ermöglicht, eindeutig zu bestimmen, welcher Mitgliedstaat für die Regelung
einer bestimmten Situation zuständig ist. Die Art. 4 und 5 der Richtlinie 2011/24
stellen nämlich sicher, dass gemäß Art. 168 Abs. 7 AEUV die Zuständigkeit der
einzelnen Mitgliedstaaten im Bereich der Gesundheitspolitik gewahrt wird39.
73. Diese grundlegende Funktion für die Patientenmobilität soll auch für die
Telemedizin gelten, da nach Art. 3 Buchst, d in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1
dieser Richtlinie die Leistungen der Telemedizin in Bezug auf die Erbringung von
Dienstleistungen selbst von dem Mitgliedstaat geregelt werden, in dem der
Gesundheitsdienstleister ansässig ist. Konkret bedeutet dies, dass ebenso wie ein
Arzt, der Patienten aus einem anderen Mitgliedstaat in seiner Praxis behandelt, ein
Arzt, der Patienten aus anderen Mitgliedstaaten mittels eines Videoanrufs berät,
daher nur eine Zulassung in seinem eigenen Mitgliedstaat erhalten und die in
diesem Mitgliedstaat geltenden Normen einhalten muss. Eine nationale Regelung
des Versicherungsmitgliedstaats, in dem der Patient wohnt, die die Leistungen der
37 Vgl. Art. 5 der Richtlinie 2011/24.
Vgl. insoweit auch Erwägungsgründe 2, 4, 10 und 26 der Richtlinie 2011/24.
D. h. die Zuständigkeit des Behandlungsmitgliedstaats betrifft die Vorschriften für die
Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen in seinem Hoheitsgebiet, und die Zuständigkeit
des Versicherungsmitgliedstaats betrifft die Vorschriften über die Kostenerstattung für
Gesundheitsdienstleistungen für die Personen, die in seinem Gesundheitssystem versichert sind.
28
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Telemedizin, die von Gesundheitsdienstleistern aus anderen Mitgliedstaaten
erbracht werden, seiner nationalen Regelung unterwirft, steht daher ebenso wenig
im Einklang mit Art. 4 Abs. 1 dieser Richtlinie wie eine nationale Regelung, die
dasselbe für körperlich grenzüberschreitende Patienten macht.
74. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass Art. 3 Buchst, d und Art. 4 der
Richtlinie 2011/24, wonach die Leistungen der Telemedizin von dem
Mitgliedstaat geregelt werden, in dem der Gesundheitsdienstleister ansässig ist,
keinen Regelungsgehalt außerhalb des Anwendungsbereichs dieser Richtlinie
haben. Insoweit sind auch die anderen einschlägigen Vorschriften des
Unionsrechts, insbesondere die Richtlinie 2000/31, anzuwenden.
75. Nach alledem schlage ich vor, auf die Vorlagefragen 1.1 und 1.2 zu
antworten, dass sich der Regelungsgehalt der Richtlinie 2011/24 nicht auf die in
ihrem Kapitel III enthaltenen Bestimmungen über die Erstattung von Kosten für
grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung beschränkt, sondern auch
Vorschriften über die jeweiligen Zuständigkeiten des Behandlungsmitgliedstaats
und des Versicherungsmitgliedstaats für die grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung umfasst, die in Kapitel II vorgesehen sind, so dass
betreffend die „Gesundheitsversorgung“, die zur „Telemedizin“ im Sinne von
Art. 3 Buchst, d dieser Richtlinie gehört, der Einstufung als
„Behandlungsmitgliedstaat“ in Bezug auf diese Art von
Gesundheitsdienstleistungen eine Bedeutung nicht nur für die Erstattung der
Kosten der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung u. a. nach Art. 7 Abs. 7
dieser Richtlinie zukommt, sondern auch für die Rechtsvorschriften, Standards
und Leitlinien für Qualität und Sicherheit, die für diese Art von
Gesundheitsdienstleistungen gemäß Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie gelten.
3. Zur rechtlichen Regelung för Leistungen der „Telemedizin“ nach der
Richtlinie 2000/31 (Frage 1.3)
76. Mit seiner Frage 1.3 möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen
wissen, ob die Richtlinie 2000/31 ebenso wie die Richtlinie 2011/24 eine Regel
aufstellt, nach der die Leistungen der Telemedizin nach den Rechtsvorschriften
des Mitgliedstaats erbracht werden müssen, in dem der Gesundheitsdienstleister
ansässig ist.
77. Erstens weise ich daraufhin, dass die Richtlinie 2000/31, auch wenn sie
älter als die Richtlinie 2011/24 ist, mit dieser Richtlinie kumulativ angewandt
werden kann. Die letztere Richtlinie sieht nämlich in ihrem Art. 2 Buchst, e vor,
dass sie die Richtlinie 2000/31 unberührt lässt40.
78. Zweitens ist zu prüfen, ob die Leistungen der „Telemedizin“ in den
Anwendungsbereich der Richtlinie 2000/31 fallen können. Meines Erachtens
40 Vgl. auch Kapitel 3 Buchst, d der Begründung zum Vorschlag, aus dem die Richtlinie 2011/24
hervorgegangen ist [KOM(2008) 414 endg., S. 6].
29
SCHLUSSANTRÄGE von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
scheint dies tatsächlich der Fall zu sein. Art. 2 Buchst, a dieser Richtlinie definiert
nämlich unter Bezugnahme auf andere Gesetzgebungsakte41 den „Dienst der
Informationsgesellschaft" als „jede in der Regel gegen Entgelt elektronisch im
Fernabsatz und auf individuellen Abruf eines Empfängers erbrachte
Dienstleistung“, wobei es in dieser Definition heißt, dass „[i]m Sinne dieser
Definition der Ausdruck ,im Fernabsatz erbrachte Dienstleistung' eine
Dienstleistung [bezeichnet], die ohne gleichzeitige physische Anwesenheit der
Vertragsparteien erbracht wird“42. Außerdem weist der 18. Erwägungsgrund
dieser Richtlinie darauf hin, dass „Tätigkeiten, die ihrer Art nach nicht aus der
Ferne und auf elektronischem Wege ausgeübt werden können, wie ... ärztlicher
Rat mit einer erforderlichen körperlichen Untersuchung eines Patienten, ... keine
Dienste der Informationsgesellschaft [sind]“43. Daraus folgt, dass die Leistungen
der Telemedizin, sofern sie gegen Entgelt elektronisch im Fernabsatz und auf
individuellen Abruf eines Patienten erbracht werden, unter die „Dienste der
Informationsgesellschaft“ fallen können. Wie die Definition des Begriffs
„Telemedizin“ in der Richtlinie 2011/24 fällt jedoch jede Leistung, die mit einer
körperlichen Untersuchung des Patienten verbunden ist, ihrer Art nach nicht unter
solche Leistungen. Der Gerichtshof hat nämlich, indem er sich auf diesen
18. Erwägungsgrund gestützt hat, entschieden, dass Tätigkeiten, die ihrer Art nach
nicht aus der Ferne und auf elektronischem Wege ausgeübt werden können, wie
ärztlicher Rat mit einer erforderlichen körperlichen Untersuchung eines Patienten,
keine Dienste der Informationsgesellschaft sind und somit nicht unter diese
Richtlinie fallen, und dass unter diesen Umständen für den Fall, dass ärztlicher
Rat mit einer erforderlichen körperlichen Untersuchung untrennbarer Bestandteil
des Verkaufs von Kontaktlinsen wäre, der grundsätzlich in den
Anwendungsbereich der Richtlinie 2000/31 fallen würde, das Erfordernis einer
solchen Beratung zur Folge hätte, dass dieser Verkauf im Ergebnis nicht in den
Anwendungsbereich dieser Richtlinie fiele44. Darüber hinaus wird die
Feststellung, dass die im Fernabsatz im Wege der Telemedizin erbrachten
Versorgungsleistungen Dienste der Informationsgesellschaft darstellen, umso
mehr dadurch bestätigt, dass die Telemedizin nicht zu den im Anhang dieser
Richtlinie genannten Bereichen gehört, auf die nach Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie
das Herkunftslandprinzip keine Anwendung findet45.
Vgl. Art. 1 Nr. 2 der Richtlinie 98/34 in der Fassung der Richtlinie 98/48.
Hervorhebung nur hier.
Hervorhebung nur hier.
Vgl. Urteil vom 2. Dezember 2010, Ker-Optika (C-108/09, EU:C:2010:725, Rn. 33 und 34).
Diese Auslegung wird auch durch den 57. Erwägungsgrund der Richtlinie 2011/24 bestätigt,
wonach die Interoperabilität elektronischer Gesundheitsversorgung (e-Health) unter Beachtung
einzelstaatlicher Regelungen über die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen zu erfolgen
hat, die zum Schutz von Patienten angenommen wurden, soweit sie mit der Richtlinie 2000/31
vereinbar sind.
30
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
79. Drittens stellt sich nach Bestätigung der Anwendbarkeit der Richtlinie
2000/31 auf die Leistungen der Telemedizin nunmehr die Frage, ob diese
Richtlinie eine allgemeine Regel aufstellt, nach der solche Leistungen nach den
Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats erbracht werden müssen, in dem der
Gesundheitsdienstleister ansässig ist, im vorliegenden Fall Deutschland.
80. Zunächst weise ich darauf hin, dass die Richtlinie 2000/31 nach ihrem
Art. 1 Abs. 1 „einen Beitrag zum einwandfreien Funktionieren des Binnenmarktes
leisten [soll], indem sie den freien Verkehr von Diensten der
Informationsgesellschaft zwischen den Mitgliedstaaten sicherstellt". Zu diesem
Zweck trägt nach Art. 3 Abs. 1 dieser Richtlinie jeder Mitgliedstaat dafür Sorge,
dass die Dienste der Informationsgesellschaft, die von einem in seinem
Hoheitsgebiet niedergelassenen Diensteanbieter erbracht werden, den in diesem
Mitgliedstaat geltenden innerstaatlichen Vorschriften entsprechen, die in den
„koordinierten Bereich“ fallen. In Art. 2 Buchst, h der Richtlinie wird dieser
Bereich definiert als die für die Anbieter von Diensten der
Informationsgesellschaft und die Dienste der Informationsgesellschaft in den
Rechtssystemen der Mitgliedstaaten festgelegten Anforderungen, ungeachtet der
Frage, ob sie allgemeiner Art oder speziell für sie bestimmt sind46. Daraus folgt,
dass im vorliegenden Fall die von DZK erbrachten digitalen Dienstleistungen dem
deutschen Recht unterliegen, da Deutschland der Mitgliedstaat ist, der in den
„koordinierten Bereich“ fällt. Es steht nämlich fest, dass DZK über eine
Zulassung und die sonstigen notwendigen Genehmigungen für den Betrieb eines
zahnmedizinischen Versorgungszentrums in Deutschland verfügt.
81. Viertens und letztens weise ich, auch wenn dies in Frage 1.3 nicht
ausdrücklich erwähnt wird, darauf hin, dass nach Art. 3 Abs. 2 der Richtlinie
2000/31 „[d]ie Mitgliedstaaten ... den freien Verkehr von Diensten der
Informationsgesellschaft aus einem anderen Mitgliedstaat nicht aus Gründen
einschränken [dürfen], die in den koordinierten Bereich fallen“. Die Richtlinie
2000/31 beruht nämlich auf der Anwendung der Grundsätze der Aufsicht im
Herkunftsmitgliedstaat und der gegenseitigen Anerkennung, so dass im Rahmen
des koordinierten Bereichs, der in Art. 2 Buchst, h dieser Richtlinie definiert ist,
die Dienste der Informationsgesellschaft nur durch Vorschriften des Mitgliedstaats
geregelt werden, in dessen Hoheitsgebiet die Anbieter dieser Dienste
niedergelassen sind47. Folglich obliegt es zum einen jedem Mitgliedstaat als
Herkunftsmitgliedstaat von Diensten der Informationsgesellschaft, diese Dienste
durch Vorschriften zu regeln und damit die in Art. 3 Abs. 4 Buchst, a Ziff. i der
46 Dieser Bereich betrifft Anforderungen, die der Diensteanbieter einzuhalten hat und die sich auf
die Aufnahme der Tätigkeit eines Dienstes der Informationsgesellschaft - wie etwa die
Anforderungen hinsichtlich Qualifikation, Genehmigung oder Anmeldung - und deren
Ausübung beziehen, wie etwa die das Verhalten des Diensteanbieters, die Qualität oder den
Inhalt des Dienstes betreffenden Anforderungen. Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 30. Mai 2024,
Google Ireland und Eg Vacation Rentals Ireland (C-664/22 und C-666/22, im Folgenden: Urteil
Google Ireland, EU:C:2024:434, Rn. 57 und die dort angeführte Rechtsprechung).
47 Vgl. in diesem Sinne Urteil Google Ireland (Rn. 58 und die dort angeführte Rechtsprechung).
31
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
Richtlinie 2000/31 genannten Ziele des Allgemeininteresses zu schützen. Zum
anderen ist es nach dem Grundsatz der gegenseitigen Anerkennung Sache jedes
Mitgliedstaats als Bestimmungsmitgliedstaat von Diensten der
Informationsgesellschaft, den freien Verkehr dieser Dienste nicht dadurch
einzuschränken, dass er die Einhaltung zusätzlicher, in den koordinierten Bereich
fallender Verpflichtungen vorschreibt, die er erlassen haben mag.
82. Demnach verbietet es Art. 3 der Richtlinie 2000/31 - vorbehaltlich der
Abweichungen, die unter den in seinem Abs. 4 vorgesehenen Bedingungen
gestattet sind -, dass einem Anbieter eines Dienstes der Informationsgesellschaft,
der diesen Dienst in einem anderen Mitgliedstaat als demjenigen erbringen
möchte, in dessen Hoheitsgebiet er niedergelassen ist, von diesem anderen
Mitgliedstaat in den koordinierten Bereich fallende Anforderungen auferlegt
werden.
83. Im vorliegenden Fall steht fest, dass die im Ausgangsverfahren in Rede
stehenden österreichischen Maßnahmen DZK nicht erlauben, rechtmäßig in
Österreich tätig zu werden, da sie unter Androhung einer Sanktion die Einhaltung
der in Nr. 20 der vorliegenden Schlussanträge genannten Verpflichtungen
verlangen.
84. Somit ist zu prüfen, ob nationale Maßnahmen wie die in Nr. 20 der
vorliegenden Schlussanträge angeführten die in Art. 3 Abs. 4 der Richtlinie
2000/31 vorgesehenen Voraussetzungen erfüllen.
85. Insoweit muss zum einen die betreffende einschränkende Maßnahme in
Anwendung von Art. 3 Abs. 4 Buchst, a der Richtlinie 2000/31 erforderlich sein,
um den Schutz der öffentlichen Ordnung, der öffentlichen Gesundheit oder der
Verbraucher zu gewährleisten, einen bestimmten Dienst der
Informationsgesellschaft betreffen, der diese Schutzziele tatsächlich beeinträchtigt
oder eine ernsthafte und schwerwiegende Gefahr der Beeinträchtigung dieser
Ziele darstellt, und schließlich in einem angemessenen Verhältnis zu diesen
Schutzzielen stehen. Daher können nur Maßnahmen ,,betreffen[d] einen
bestimmten Dienst der Informationsgesellschaft“ unter diese Bestimmung fallen.
Hierzu hat der Gerichtshof für Recht erkannt, dass diese Bestimmung dahin
auszulegen ist, dass generell-abstrakte Maßnahmen, die sich auf eine allgemein
umschriebene Kategorie bestimmter Dienste der Informationsgesellschaft
beziehen und unterschiedslos für alle Anbieter dieser Kategorie von Diensten
gelten, nicht unter den Begriff der „Maßnahmen ... betreffend] einen bestimmten
Dienst der Informationsgesellschaft“ im Sinne dieser Bestimmung fallen48.
Außerdem weise ich darauf hin, dass Art. 3 Abs. 4 Buchst, a dieser Richtlinie als
Ausnahme vom Grundsatz der Aufsicht im Herkunftsmitgliedstaat eng auszulegen
ist. Daher kann diese Ausnahme nicht für Maßnahmen gelten, die allenfalls in
Vgl. in diesem Sinne Urteil Google Ireland (Rn. 73 und die dort angeführte Rechtsprechung).
32
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
einem lediglich indirekten Zusammenhang mit einem der in dieser Bestimmung
genannten Ziele stehen können49.
86. Im vorliegenden Fall ist es Sache des vorlegenden Gerichts, zu beurteilen,
ob die Voraussetzung, wonach der Anbieter zahnärztlicher Dienstleistungen die
von ihm erbrachten Tätigkeiten unmittelbar und persönlich erbringen muss, den
deutschen Dienstleistungserbringer DZK betrifft, und ob diese Voraussetzung
gerechtfertigt sein muss. Im vorliegenden Fall haben die im Ausgangsverfahren in
Rede stehenden österreichischen Maßnahmen meines Erachtens eine allgemeine
und abstrakte Geltung, so dass sie nicht als „Maßnahmen ... betreffend] einen
bestimmten Dienst der Informationsgesellschaft“ im Sinne von Art. 3 Abs. 4
Buchst, a dieser Richtlinie eingestuft werden können.
87. Zum anderen muss der betreffende Mitgliedstaat nach Art. 3 Abs. 4
Buchst, b zweiter Gedankenstrich der Richtlinie 2000/31 zuvor die Kommission
und den Mitgliedstaat, in dessen Hoheitsgebiet der betreffende Diensteanbieter
niedergelassen ist, über seine Absicht, solche restriktiven Maßnahmen zu
ergreifen, unterrichten. Es ist Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob eine
solche Unterrichtung stattgefunden hat.
88. Nach alledem schlage ich vor, auf die Vorlagefrage 1.3 zu antworten, dass
Leistungen der Telemedizin unter den Begriff „Dienste der
Informationsgesellschaft“ und daher in den Anwendungsbereich der Richtlinie
2000/31 fallen können, was u. a. nach Art. 3 Abs. 1 und 2 dieser Richtlinie
bedeutet, dass es zum einen jedem Mitgliedstaat als Herkunftsmitgliedstaat von
Diensten der Informationsgesellschaft obliegt, diese Dienste durch Vorschriften
zu regeln und damit die in Art. 3 Abs. 4 Buchst, a Ziff. i der Richtlinie 2000/31
genannten Ziele des Allgemeininteresses zu schützen, und zum anderen, dass es
nach dem Grundsatz der gegenseitigen Anerkennung Sache jedes Mitgliedstaats
als Bestimmungsmitgliedstaat von Diensten der Informationsgesellschaft ist, den
freien Verkehr dieser Dienste nicht dadurch einzuschränken, dass er die
Einhaltung zusätzlicher, in den koordinierten Bereich fallender Verpflichtungen
vorschreibt, die er erlassen haben mag.
4. Zur Anwendbarkeit der Richtlinie 2005/36 auf Leistungen der
„Telemedizin“ (Fragen 3.1 und3.2)
89. Mit seinen Fragen 3.1 und 3.2 möchte das vorlegende Gericht im
Wesentlichen zum einen wissen, ob Art. 2 Buchst, n, Art. 3 Buchst, d und Art. 4
Abs. 1 Buchst, a der Richtlinie 2011/24 in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 der
Richtlinie 2005/36 einen in einem Mitgliedstaat niedergelassenen
Gesundheitsdienstleister verpflichten, in Fällen von „Gesundheitsversorgung
durch Telemedizin“ in einem anderen Mitgliedstaat, die im zweiten Mitgliedstaat
geltenden berufsständischen, gesetzlichen oder verwaltungsrechtlichen
49 Vgl. Urteil Google Ireland (Rn. 86 und die dort angeführte Rechtsprechung).
33
SCHLUSSANTRÄGE von HERRN Rantos - Rechtssache C-115/24
Berufsregeln einzuhalten, und zum anderen, ob sich ein solcher
Gesundheitsdienstleister im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36 in
einen anderen Mitgliedstaat „begibt“, wenn er rein IKT-unterstützte medizinische
Leistungen erbringt oder wenn dieser Dienstleister durch Erfüllungsgehilfen im
Wohnsitzmitgliedstaat des Patienten körperliche Untersuchungen oder
Behandlungen durchfuhren lässt.
90. Mit diesen beiden Fragen, deren gemeinsame Behandlung ich vorschlage,
möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob Art. 5 Abs. 3 der
Richtlinie 2005/36 auf Leistungen der „Telemedizin“ anwendbar ist, die von
einem Gesundheitsdienstleister erbracht werden, der im Sinne der Richtlinie
2011/24 in einem anderen Mitgliedstaat niedergelassen ist.
91. Obwohl die letztgenannte Richtlinie nach ihrem Art. 2 Buchst, n die
Bestimmungen der Richtlinie 2005/36 unberührt lässt, bin ich der Ansicht, dass
diese Frage zu verneinen ist.
92. Erstens weise ich daraufhin, dass nach Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36
ein Dienstleistungserbringer, der sich aus seinem Niederlassungsmitgliedstaat -
nämlich dem Mitgliedstaat, in dem er rechtmäßig zur Ausübung eines Berufs
niedergelassen ist -, in einen anderen Mitgliedstaat - nämlich den
Aufnahmemitgliedstaat - begibt50, im Aufnahmemitgliedstaat den
berufsständischen, gesetzlichen oder verwaltungsrechtlichen Berufsregeln
unterliegt, die dort in unmittelbarem Zusammenhang mit den
Berufsqualifikationen für Personen gelten, die denselben Beruf wie er ausüben,
und den dort geltenden Disziplinarbestimmungen51. Nach Art. 5 Abs. 2 dieser
Richtlinie gilt die erstgenannte Bestimmung jedoch nur für den Fall, dass sich der
Dienstleister zur vorübergehenden und gelegentlichen Ausübung des Berufs in
den Aufnahmemitgliedstaat begibt.
93. Wie sich jedoch aus der in den vorangegangenen Nummern der
vorliegenden Schlussanträge vorgenommenen Analyse ergibt, begibt sich der
Diensteanbieter im Rahmen einer grenzüberschreitenden Leistung der
Telemedizin nicht in einen anderen Mitgliedstaat, sondern erbringt die
Nach Art. 1 der Richtlinie 2005/36 ist der „Aufnahmemitgliedstaat“ der Mitgliedstaat, der den
Zugang zu einem reglementierten Beruf oder dessen Ausübung in seinem Hoheitsgebiet an den
Besitz bestimmter Berufsqualifikationen knüpft und in dem eine Person, die in einem anderen
Mitgliedstaat die erforderlichen Berufsqualifikationen erworben hat, diesen reglementierten
Beruf ausüben möchte.
51 Vgl. Urteil vom 12. September 2013, Konstantinides (C-475/11, EU:C:2013:542, Rn. 39 und
40). Der Gerichtshof hat entschieden, „dass von ... Art. 5 Abs. 3 [der Richtlinie 2005/36] nur
solche berufsständischen Regeln erfasst werden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der
Ausübung der ärztlichen Heilkunst selbst stehen und deren Nichtbeachtung den Schutz des
Patienten beeinträchtigt. ... [W]eder die Vorgaben für die Honorarbemessung noch das Verbot
berufswidriger Werbung durch Ärzte, ... sind berufsständische Regeln, die ... in unmittelbarem
und speziellem Zusammenhang mit den Berufsqualifikationen für den Zugang zu dem
betreffenden reglementierten Beruf stehen.“
34
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Dienstleistung von seinem eigenen Mitgliedstaat aus. Für das Vorliegen eines
„Sich-Begebens“ im Sinne dieser Bestimmungen hat der Gerichtshof festgestellt,
dass ein physischer Grenzübertritt unerlässlich ist52. Im Urteil
X-Steuerberatungsgesellschaft hat der Gerichtshof nämlich entschieden, dass eine
Dienstleistung, die im Rahmen der Ausübung eines reglementierten Berufs im
Aufnahmemitgliedstaat, aber ohne physischen Grenzübertritt der für die
Gesellschaft handelnden Personen erbracht wird, nicht unter Art. 5 der Richtlinie
2005/36 fällt. In diesem Urteil hat der Gerichtshof festgestellt, dass die Leistungen
von X, einer Gesellschaft, die geschäftsmäßig Hilfe in Steuersachen für Kunden in
Deutschland von den Niederlanden aus leistete, ohne dass sich die für die
Gesellschaft handelnden Personen in das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland
begeben, die in Art. 5 Abs. 2 dieser Richtlinie vorgesehene Voraussetzung eines
„Sich-Begebens“ nicht erfüllten, da die Dienstleistung ohne „physischen
Grenzübertritt“ des Dienstleistenden oder der für ihn handelnden Personen in das
Hoheitsgebiet des Aufnahmemitgliedstaats, d. h. Deutschland, erfolgte53.
94. Daher bin ich der Ansicht, dass die Leistungen der „Telemedizin“ nicht
unter Art. 5 der Richtlinie 2005/36 fallen können. Im vorliegenden Fall bedeutet
diese Schlussfolgerung konkret, dass die einschlägigen Bestimmungen des ZAG54
einer in Deutschland ansässigen Zahnklinik, die grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung in Österreich mit Mitteln der Telemedizin erbringt, nicht
entgegengehalten werden können. Wie sich aus der vorstehenden Analyse ergibt,
bestimmt sich das auf die Erbringung von Dienstleistungen anwendbare Recht
allein nach Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24 in Verbindung mit Art. 4
Abs. 1 dieser Richtlinie, also nach dem Recht des Mitgliedstaats, in dem der
Dienstleistungserbringer ansässig ist.
95. Zweitens kann diese Schlussfolgerung meines Erachtens nicht durch das
Vorbringen der ÖZ, der Republik Österreich und der Niederlande entkräftet
werden, wonach im Wesentlichen davon auszugehen sei, dass auch elektronisch
erbrachte Dienstleistungen die Voraussetzung eines „Sich-Begebens“ erfüllten,
u. a. weil der Schutz der Patienten einen flexibleren Ansatz begünstigen müsse.
Als Erstes ist nämlich darauf hinzuweisen, dass eine solche teleologische
Auslegung im Widerspruch zur Bedeutung des Begriffs „Sich-Begeben“ stünde,
der einen „physischen“ (und nicht „virtuellen“) Ortswechsel des
„Dienstleistungserbringers“ (und nicht der „Dienstleistung“) impliziert. Denn
diese klare und eindeutige Bedeutung ergibt sich aus den verschiedenen
Sprachfassungen von Art. 5 Abs. 2 und 3 sowie des fünften Erwägungsgrundes
der Richtlinie 2005/3655. Als Zweites reichen allgemeine Erwägungen zum Schutz
52 Vgl. Schlussanträge des Generalanwalts Szpunar in der Rechtssache Airbnb Ireland (C-390/18,
EU:C:2019:336, Rn. 102 und 103 sowie die dort angeführte Rechtsprechung).
53 Vgl. Urteil X-Steuerberatungsgesellschaft (Rn. 24, 34, 35 und 55).
54 Vgl. §§24, 26 und 31 ZÄG.
55 Für diese beiden Bestimmungen z. B. die deutsche („sich begeben“), die griechische
(„ustaxivnon"), die spanische („desplazamiento“), die italienische („spostamento“), die
35
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C- i 15/24
der Patienten und der Verbraucher meines Erachtens nicht aus, um eine so weite
Auslegung zu rechtfertigen, die fast contra legem wäre. Zur Erinnerung: In der
Rechtssache X-Steuerberatungsgesellschaft hatte das vorlegende Gericht auf die
Risiken hingewiesen, denen die Steuerpflichtigen ausgesetzt sein könnten, wenn
sie steuerlich von Personen beraten würden, die nicht die hierfür erforderliche
berufliche oder persönliche Qualifikation besäßen56. Den Gerichtshof hat dies
jedoch nicht davon abgehalten, Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36 nach seinem
Wortlaut auszulegen und für seine Anwendung einen physischen Grenzübertritt zu
verlangen. Als Drittes stelle ich auch in diesem Zusammenhang fest, dass sich
zum einen die medizinischen Normen und Praktiken in den Mitgliedstaaten
deutlich weniger unterscheiden als die Vorschriften des nationalen Steuerrechts,
die oftmals komplex sind und ständigen Änderungen unterliegen. Zum anderen ist
festzustellen, dass der Beruf des Zahnarztes im Unterschied zum Beruf des
Steuerberaters weitgehend harmonisiert ist, da die Art. 34 ff. der Richtlinie
2005/36 Mindestanforderungen sowohl für die zahnärztliche Grundausbildung als
auch für die Ausbildung zum Fachzahnarzt festlegen. Diese Artikel verbieten es,
dass eine Person, die keinen Nachweis über eine zahnärztliche Grundausbildung
besitzt, den Beruf des Zahnarztes ausübt57. Hieraus folgt, dass in anderen
Mitgliedstaaten niedergelassene Ärzte und Zahnärzte für die Zwecke des freien
Dienstleistungsverkehrs als ebenso qualifiziert anerkannt werden müssen wie im
Inland niedergelassene58.
96. Drittens und letztens kann meines Erachtens die Schlussfolgerung, die ich
in Nr. 94 der vorliegenden Schlussanträge vorschlage, auch dann nicht in Frage
gestellt werden, wenn das vorlegende Gericht feststellen sollte, dass DZK auch
der Erbringer körperlicher Gesundheitsdienstleistungen war. Es erscheint mir
etwas gekünstelt, davon auszugehen, dass eine Gesundheitsversorgung, die von
einem ersten Angehörigen der Gesundheitsberufe in dem Mitgliedstaat, in dem er
niedergelassen ist, körperlich erbracht wird, im vorliegenden Fall UJ, in
Wirklichkeit von einem zweiten Berufsangehörigen mit Sitz in einem anderen
Mitgliedstaat, im vorliegenden Fall DZK, erbracht wird, allein aufgrund der
vertraglichen Beziehungen, die diese beiden Angehörigen der Gesundheitsberufe
unterhalten, und daraus dann den Schluss zu ziehen, dass sich der zweite
Angehörige der Gesundheitsberufe in einen anderen Staat begeben hat, um diese
Behandlung körperlich zu erbringen. Würde nämlich die Anwendbarkeit der
Berufsregeln des Aufnahmemitgliedstaats von der Qualifikation der Person, die
dort Gesundheitsdienstleistungen als „Erfüllungsgehilfe“ erbringt, abhängig
gemacht, so würde dies meines Erachtens nicht dazu beitragen, das u. a. im
niederländische („begeeft"), die portugiesische („desloca^äo“), die rumänische („deplaseazä“)
und die englische („move“) Sprachfassung.
56 Vgl. Urteil X-Steuerberatungsgesellschaft (Rn. 30).
Vgl. Urteil vom 19. September 2013, Conseil national de l’ordre des medecins (C-492/12,
EU:C:2013:576, Rn. 41).
58 Vgl. Urteil Kohll (Rn. 48).
36
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
vierten Erwägungsgrund der Richtlinie 2005/36 genannte Ziel zu verfolgen,
nämlich „[die] Erleichterung des freien Dienstleistungsverkehrs“. Insoweit kann
im Licht des Urteils X-Steuerberatungsgesellschaft, auch wenn UJ im Namen
von DZK handelt, nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich zu diesem
Zweck in einen anderen Mitgliedstaat als den, in dem sie ansässig ist, begeben hat.
Anders verhielte es sich vielleicht, wenn DZK einen Zahnarzt aus Deutschland
zum ärztlichen Beratungstermin geschickt hätte, was nicht der Fall ist.
97. Nach alledem schlage ich vor, auf die Vorlagefragen 3.1 und 3.2 zu
antworten, dass Art. 2 Buchst, n in Verbindung mit Art. 3 Buchst, d und Art. 4
Buchst, a der Richtlinie 2011/24 und in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 der
Richtlinie 2005/36 der Anwendung nationaler Berufsregeln auf den Erbringer von
Gesundheitsdienstleistungen durch Telemedizin, der in einem anderen
Mitgliedstaat ansässig ist, entgegenstehen. Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36 ist
dahin auszulegen, dass sich ein Gesundheitsdienstleister nicht in einen anderen
Mitgliedstaat begibt, wenn er rein IKT-unterstützte medizinische Leistungen
erbringt, unabhängig davon, ob zusätzliche Gesundheitsdienstleistungen im
Versicherungsmitgliedstaat durch Dritte unmittelbar erbracht werden.
5. Zur Vereinbarkeit der österreichischen Rechtsvorschriften mit den vom
AEU-Vertraggarantierten Verkehrsfreiheiten (Frage 4)
98. Mit seiner vierten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen
wissen, ob die vom Primärrecht der Union garantierten Verkehrsfreiheiten den
Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats entgegenstehen, die primär eine
unmittelbare und persönliche Ausübung des zahnärztlichen Berufs vorsehen und
für EWR-Staatsangehörige nur die Möglichkeit vorsehen, diesen Beruf in diesem
Mitgliedstaat vorübergehend auszuüben.
99. Vorab weise ich darauf hin, dass sich die Frage einer etwaigen
Unvereinbarkeit der Bestimmungen des betreffenden österreichischen Gesetzes
über die Zahnärzte mit der Dienstleistungsfreiheit im vorliegenden Fall nur bei
Vorliegen eines grenzüberschreitenden Bezugs stellt. Insoweit ist jedoch zwischen
zwei Fallgestaltungen zu unterscheiden.
100. Zum einen ist nämlich in Bezug auf die von DZK in Österreich von
Deutschland aus erbrachten Leistungen der „Telemedizin“59 tatsächlich von einem
grenzüberschreitenden Bezug auszugehen. Die Bestimmungen des ZAG sind
jedoch nicht einschlägig, da, wie sich aus den Antworten ergibt, die ich auf die
vorangegangenen Fragen vorschlage, auf diese Leistungen, sowohl nach der
Richtlinie 2011/24 als auch nach der Richtlinie 2000/31, nur das deutsche Recht
anwendbar ist. Folglich ist das österreichische Recht nicht anwendbar, und die
Frage seiner Vereinbarkeit mit Art. 56 AEUV stellt sich nicht, da DZK die
Anforderungen des ZÄG nicht entgegengehalten werden können.
59 Siehe Nr. 26 der vorliegenden Schlussanträge.
37
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
101. Was zum anderen die von UJ erbrachten körperlichen Leistungen betrifft,
ist das Vorliegen eines grenzüberschreitenden Bezugs ungewisser, da ein
österreichischer Zahnarzt in Österreich einen a priori österreichischen Patienten
untersucht. Auf den ersten Blick würde dieser Fall also einen rein innerstaatlichen
Sachverhalt betreffen, ohne einen grenzüberschreitenden Bezug aufzuweisen, so
dass die Grundfreiheiten und insbesondere die in Art. 56 AEUV vorgesehene
Dienstleistungsfreiheit nicht einschlägig wären. Gleichwohl scheint das
vorlegende Gericht die gesamte Tätigkeit des österreichischen Arztes DZK
zuzurechnen, da es davon ausgeht, dass UJ „als Erfüllungsgehilfin“ im Namen
von DZK handelt, so dass die körperliche Untersuchung in Österreich als
von DZK durchgeführt anzusehen ist. Der Wortlaut der Frage dieses Gerichts
scheint nämlich eine juristische Person, DZK, einem „ausländischen Zahnarzt“
gleichzustellen, eine juristische Fiktion, die einige Fragen aufwirft. Die folgende
Analyse beruht auf dieser Prämisse des vorlegenden Gerichts, das, wie bereits
ausgeführt, allein für die Würdigung des Sachverhalts der Rechtssache zuständig
ist60, wonach UJ nur als „longa manus^ von DZK handelt und in einem solchen
Fall die Bestimmungen des ZÄG über die Zahnärzte auf DZK anwendbar wären.
102. In diesem Kontext ginge es logischerweise nur um die Bestimmungen des
ZAG, die sich auf die körperlichen Leistungen auswirken könnten, die DZK durch
Einschaltung vonUJ erbringt. Zum einen ist jedoch festzustellen, dass § 31 ZÄG,
der den „freien Dienstleistungsverkehr“ regelt und sich nur auf natürliche
Personen bezieht, die zur Ausübung des Zahnarztberufs berechtigt sind61, nicht -
auch nicht mittelbar - auf eine juristische Person wie DZK anwendbar ist, da diese
nicht geltend gemacht hat, dass für körperliche Leistungen in Österreich
Mitarbeiter in Anspruch genommen werden könnten, die diesen Beruf in anderen
Mitgliedstaaten als der Republik Österreich rechtmäßig ausübten. Zum anderen
scheinen mir auch die Anforderungen von § 24 dieses Gesetzes, wonach der
Zahnarzt seinen Beruf persönlich und unmittelbar auszuüben hat, nur natürliche
Personen zu betreffen. Im Übrigen wäre diese Voraussetzung in Wirklichkeit
erfüllt, da unstreitig ist, dass UJ die körperlichen Leistungen „persönlich und
unmittelbar“, wenn auch im Namen von DZK, erbringt. Daher könnte die einzige
Bestimmung des ZÄG, die sich auf die Erbringung der körperlichen
Dienstleistungen von UJ im Namen von DZK in Österreich auswirken kann, § 26
Abs. 3 Ziff. 1 ZÄG sein, der die Zusammensetzung der „Gruppenpraxen“ und
insbesondere das Erfordernis betrifft, dass alle Gesellschafter solcher
Gruppenpraxen zur selbständigen Berufsausübung berechtigte Angehörige des
zahnärztlichen Berufs sind. Die Gesellschafter von DZK sind zwar berechtigt,
eine Zahnklinik in Deutschland rechtmäßig zu betreiben, doch sind sie keine
Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 8. September 2010, Stoß u. a. (C-316/07, C-358/07 bis
C-360/07, C-409/07 und C-410/07, EU:C:2010:504, Rn. 62 bis 64 und die dort angeführte
Rechtsprechung).
Siehe die Nrn. 21 und 22 der vorliegenden Schlussanträge.
38
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Zahnärzte. Die letztgenannte Regel ist daher im Hinblick auf die Bestimmungen
über den freien Verkehr zu prüfen62.
103. Insoweit bin ich erstens der Ansicht, dass es Sache des vorlegenden
Gerichts ist, zu prüfen, ob die Tätigkeit von DZK im Rahmen ihrer
Zusammenarbeit mit UJ dazu führt, dass DZK als in Österreich „ansässig“
anzusehen ist, was eine Prüfung im Licht von Art. 49 AEUV impliziert63. Ist DZK
hingegen nicht in Österreich ansässig, wäre sie als ein grenzüberschreitender
Dienstleister anzusehen, der unter den Grundsatz des freien
Dienstleistungsverkehrs fällt, und in diesem Fall könnten die Bestimmungen des
ZÄG aus den in Nr. 100 der vorliegenden Schlussanträge genannten Gründen
DZK nicht entgegengehalten werden.
104. Zweitens ist für den Fall, dass das vorlegende Gericht nach Prüfung aller
relevanten Umstände der Auffassung sein sollte, dass DZK sich UJ bedient, um
sich in stabiler und kontinuierlicher Weise in das österreichische Wirtschaftsleben
einzugliedern, und daher als in Österreich ansässig anzusehen ist, zu prüfen, ob
die in Art. 49 AEUV verankerte Niederlassungsfreiheit Regelungen wie denen des
ZÄG entgegensteht, die verlangen, dass die Gesellschafter der „Gruppenpraxen“
zur selbständigen Berufsausübung berechtigte Angehörige des zahnärztlichen
Berufs sind.
105. Nach alledem schlage ich vor, die Vorlagefrage wie folgt umzuformulieren:
Steht die Niederlassungsfreiheit nach Art. 49 AEUV dann, wenn eine Zahnklinik
in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem sie zur Erbringung ihrer
Leistungen berechtigt ist, dauerhaft körperliche Leistungen erbringt, indem sie als
Erfüllungsgehilfen auf einen zur Berufsausübung in diesem Mitgliedstaat
berechtigten Angehörigen des zahnärztlichen Berufs zurückgreift, einer Regelung
dieses Mitgliedstaats entgegen, die u. a. verlangt, dass die „Gruppenpraxen“, in
deren Rahmen die Zahnärzte ihren Beruf ausüben können, in Form einer
62 Vgl. Urteil vom 21. September 2017, Malta Dental Technologists Association und Reynaud
(C-125/16, im Folgenden: Urteil Malta Dental, EU:C:2017:707, Rn. 54 und die dort angeführte
Rechtsprechung).
63 Vgl. dazu Urteil vom 2. September 2021, Institut des Experts en Automobiles (C-502/20,
EU:C:2021:678, Rn. 32 bis 34 und die dort angeführte Rechtsprechung). Gegen eine
Niederlassung, im Sinne einer kontinuierlichen und stabilen Eingliederung von DZK in das
Wirtschaftsleben, in Österreich sprechen im vorliegenden Fall folgende Gesichtspunkte: der
Umstand, dass UJ sowohl in rechtlicher als auch in tatsächlicher Hinsicht in den Beziehungen
zu ihren Patienten weitgehend eigenständig bleibt; der Umstand, dass UJ, wie in der mündlichen
Verhandlung bestätigt worden ist, DZK nur ein beschränktes Zeitkontingent zur Verfügung
stellt, und schließlich der Umstand, dass die Leistung, die sie im Rahmen ihrer Zusammenarbeit
mit DZK erbringt, Gegenstand eines gesonderten Entgelts ist. Ebenso scheint es mir besonders
wichtig, darauf hinzuweisen, dass UJ keine Weisungen im Rahmen der konkreten
zahnärztlichen Tätigkeit erhält und dass sie diese auf der Grundlage ihres eigenen Know-hows
durchführt. Dies gilt sowohl für die Untersuchungen als auch für die Empfehlung betreffend ein
Kieferregulierungsverfahren mittels Zahnschienen. Insoweit ist die Regelung des Entgelts
von UJ im Fall einer negativen Empfehlung betreffend ein solches Kieferregulierungsverfahren
zu prüfen.
39
Schlussanträge von Herrn Rantos - Rechtssache C-115/24
Gesellschaft mit beschränkter Haftung tätig sein müssen und dass alle
Gesellschafter zur selbständigen Berufsausübung berechtigte Angehörige des
zahnärztlichen Berufs sind?
106. Insoweit geht u. a. aus § 26 Abs. 3 Ziff. 1 ZÄG hervor, dass DZK in
Österreich nicht tätig sein darf, auch nicht durch Einschaltung von UJ als
„Erfüllungsgehilfin", da das ZÄG die Erbringung von zahnärztlichen Leistungen
durch ein Unternehmen, dessen Gesellschafter nicht alle Zahnärzte sind,
auszuschließen scheint, selbst wenn die Dienstleistung vor Ort von einem
„lokalen“ Bevollmächtigten erbracht wird.
107. Insoweit weise ich darauf hin, dass nach Art. 49 AEUV die
Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit aufzuheben sind. Ihrem Wortlaut nach
sollen die Bestimmungen des AEU-Vertrags über die Niederlassungsfreiheit die
Inländerbehandlung im Aufnahmemitgliedstaat sichern. Nach ständiger
Rechtsprechung des Gerichtshofs steht Art. 49 AEUV außerdem jeder nationalen
Regelung entgegen, die zwar ohne Diskriminierung aus Gründen der
Staatsangehörigkeit anwendbar ist, die aber geeignet ist, die Ausübung der vom
Vertrag garantierten Niederlassungsfreiheit durch die Unionsangehörigen zu
behindern oder weniger attraktiv zu machen64. Eine solche Beschränkung liegt
insbesondere in einer Regelung, die die Niederlassung eines
Wirtschaftsteilnehmers eines anderen Mitgliedstaats im Aufnahmemitgliedstaat
von der vorherigen Erteilung einer Erlaubnis abhängig macht und die Ausübung
einer selbständigen Tätigkeit bestimmten Wirtschaftsteilnehmern vorbehält65. Dies
scheint nämlich bei den Anforderungen an die Zusammensetzung der
„Gruppenpraxen“ im Sinne des ZÄG der Fall zu sein. Eine nationale Regelung
wie die im Ausgangsverfahren in Rede stehende kann folglich eine Beschränkung
der Niederlassungsfreiheit im Sinne von Art. 49 AEUV darstellen.
108. Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit, die ohne Diskriminierung aus
Gründen der Staatsangehörigkeit anwendbar sind, können jedoch durch
zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt sein, sofern sie geeignet
sind, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels zu gewährleisten, und nicht
über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist66. Da die
Vorlageentscheidung insoweit keine hinreichend substantiierten Angaben enthält,
wird es Sache des vorlegenden Gerichts sein, gegebenenfalls im Licht der
64 Vgl. Urteil vom 21. Juni 2012, Susisalo u. a. (C-84/11, EU:C:2012:374, Rn. 31 und die dort
angeführte Rechtsprechung).
65 Vgl. Urteil vom 19. Mai 2009, Apothekerkammer des Saarlandes u. a. (C-171/07 und C-172/07,
EU:C:2009:316, Rn. 22 bis 24 und die dort angeführte Rechtsprechung). Vgl. auch unter dem
Blickwinkel des freien Dienstleistungsverkehrs Urteil Kohll (Rn. 35 und die dort angeführte
Rechtsprechung).
Vgl. Urteile Malta Dental (Rn. 56 und die dort angeführte Rechtsprechung) und vom 19. Mai
2009, Apothekerkammer des Saarlandes u. a. (C-171/07 und C-172/07, EU:C:2009:316, Rn. 25
und die dort angeführte Rechtsprechung). Vgl. insoweit auch Urteil vom l.März 2018,
CMVRO (C-297/16, EU:C:2018:141, Rn. 86).
40
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
Erläuterungen der Republik Österreich hierzu eine eingehende Beurteilung
vorzunehmen.
109. Es ist jedoch denkbar, dass das durch das ZÄG aufgestellte Erfordernis den
Zweck hat, die Sicherheit der Empfänger ärztlicher Dienstleistungen zu
gewährleisten. Insoweit weise ich darauf hin, dass der Gerichtshof entschieden
hat, dass die verbindliche Teilnahme eines Zahnarztes67 an der Behandlung eines
Patienten, dem ein Zahntechniker eine Dienstleistung erbringt, auf den Schutz der
öffentlichen Gesundheit abzielt, der einen zwingenden Grund des
Allgemeininteresses darstellt und geeignet ist, eine Beschränkung der
Niederlassungsfreiheit zu rechtfertigen68. Zur Verhältnismäßigkeit einer solchen
Verpflichtung hat der Gerichtshof festgestellt, dass das Erfordernis der
verbindlichen Zwischenschaltung eines Zahnarztes zur Erreichung des Ziels, die
öffentliche Gesundheit zu schützen, geeignet ist und nicht über das hierfür
erforderliche Maß hinausgeht69.
110. Nach alledem schlage ich vor, auf die vierte Vorlagefrage in ihrer
umformulierten Fassung zu antworten, dass Art. 49 AEUV jeder nationalen
Maßnahme, die geeignet ist, die Ausübung der durch den Vertrag garantierten
Niederlassungsfreiheit zu behindern oder weniger attraktiv zu machen, und
insbesondere einer Regelung entgegensteht, die die Niederlassung eines
Wirtschaftsteilnehmers eines anderen Mitgliedstaats im Aufnahmemitgliedstaat
von der vorherigen Erteilung einer Erlaubnis abhängig macht und die Ausübung
einer selbständigen Tätigkeit bestimmten Wirtschaftsteilnehmern vorbehält, es sei
denn, diese Regelung ist durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses
gerechtfertigt.
C. Ergebnis
111. Nach alledem schlage ich dem Gerichtshof vor, die Vorlagefragen des
Obersten Gerichtshofs (Österreich) wie folgt zu beantworten:
Insbesondere handelt es sich um eine Person, die die in Art. 34 der Richtlinie 2005/36
aufgeführte zahnärztliche Ausbildung absolviert hat und den Nachweis über die zahnärztliche
Grundausbildung besitzt.
Vgl. Urteil Malta Dental (Rn. 57 und 58).
Vgl. Urteil Malta Dental (Rn. 60 bis 62 und die dort angeführte Rechtsprechung). Der
Gerichtshof hat festgestellt, dass zur Beurteilung der Beachtung des Grundsatzes der
Verhältnismäßigkeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit durch einen Mitgliedstaat zu
berücksichtigen ist, dass unter den vom AEU-Vertrag geschützten Gütern und Interessen die
Gesundheit und das Leben von Menschen den höchsten Rang einnehmen und dass es Sache der
Mitgliedstaaten ist, zu bestimmen, auf welchem Niveau sie den Schutz der Gesundheit der
Bevölkerung gewährleisten wollen und wie dieses Niveau erreicht werden soll. Da sich dieses
Niveau von einem Mitgliedstaat zum anderen unterscheiden kann, ist den Mitgliedstaaten in
diesem Bereich ein Wertungsspielraum zuzuerkennen.
41
SCHLUSSANTRÄGE VON HERRN RANTOS - RECHTSSACHE C-1 15/24
1. Art. 3 Buchst, d der Richtlinie 2011/24/EU des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 9. März über die Ausübung der Patientenrechte in der
grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung
ist dahin auszulegen, dass
der Begriff „Gesundheitsversorgung im Fall der Telemedizin“ nur
medizinische Leistungen umfasst, die ausschließlich mittels Informations-
und Kommunikationstechnologie erbracht werden, und dass die bei
gleichzeitiger Anwesenheit des Arztes und des Patienten körperlich
erbrachten Leistungen nicht unter den Begriff der Telemedizin im Sinne
dieser Bestimmung fallen, auch wenn sie im Rahmen eines einheitlichen
Behandlungsvertrags erbracht werden, der sowohl Leistungen der
Telemedizin als auch körperliche Leistungen in Präsenz umfasst,
unabhängig vom Grad des Überwiegens jeder dieser Leistungen.
2. Die Richtlinie 2011/24
ist dahin auszulegen, dass
sich ihr Regelungsgehalt nicht auf die Bestimmungen über die Erstattung
von Kosten für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung beschränkt, die
in ihrem Kapitel III enthalten sind, sondern auch Vorschriften über die
jeweiligen Zuständigkeiten des Behandlungsmitgliedstaats und des
Versicherungsmitgliedstaats für die grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung umfasst, die in Kapitel II vorgesehen sind, so dass
betreffend die „Gesundheitsversorgung“, die zur „Telemedizin“ im Sinne
von Art. 3 Buchst, d dieser Richtlinie gehört, der Einstufung als
„Behandlungsmitgliedstaat“ in Bezug auf diese Art von
Gesundheitsversorgung eine Bedeutung nicht nur für die Erstattung der
Kosten der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung u. a. nach Art. 7
Abs. 7 dieser Richtlinie zukommt, sondern auch für die Rechtsvorschriften,
Standards und Leitlinien für Qualität und Sicherheit, die für diese Art von
Gesundheitsdienstleistungen gemäß Art. 4 Abs. 1 dieser Richtlinie gelten.
3. Art. 3 der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der
Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen
Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt in Verbindung mit Art. 2 Buchst, a und
h dieser Richtlinie
ist dahin auszulegen, dass
Leistungen der Telemedizin unter den Begriff „Dienste der
Informationsgesellschaft“ und daher in den Anwendungsbereich der
Richtlinie 2000/31 fallen können, was u. a. nach Art. 3 Abs. 1 und 2 dieser
Richtlinie bedeutet, dass es zum einen jedem Mitgliedstaat als
Herkunftsmitgliedstaat von Diensten der Informationsgesellschaft obliegt,
42
ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER
diese Dienste durch Vorschriften zu regeln und damit die in Art. 3 Abs. 4
Buchst, a Ziff. i der Richtlinie 2000/31 genannten Ziele des
Allgemeininteresses zu schützen, und zum anderen, dass es nach dem
Grundsatz der gegenseitigen Anerkennung Sache jedes Mitgliedstaats als
Bestimmungsmitgliedstaat von Diensten der Informationsgesellschaft ist,
den freien Verkehr dieser Dienste nicht dadurch einzuschränken, dass er die
Einhaltung zusätzlicher, in den koordinierten Bereich fallender
Verpflichtungen vorschreibt, die er erlassen haben mag.
4. Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von
Berufsqualifikationen
ist dahin auszulegen, dass
sich ein Gesundheitsdienstleister nicht in einen anderen Mitgliedstaat begibt,
wenn er rein IKT-unterstützte medizinische Leistungen erbringt, unabhängig
davon, ob zusätzliche Gesundheitsdienstleistungen im
Versicherungsmitgliedstaat durch Dritte unmittelbar erbracht werden.
5. Art. 49 AEUV
ist dahin auszulegen, dass
er jeder nationalen Maßnahme, die geeignet ist, die Ausübung der durch den
Vertrag garantierten Niederlassungsfreiheit zu behindern oder weniger
attraktiv zu machen, und insbesondere einer Regelung entgegensteht, die die
Niederlassung eines Wirtschaftsteilnehmers eines anderen Mitgliedstaats im
Aufnahmemitgliedstaat von der vorherigen Erteilung einer Erlaubnis
abhängig macht und die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit bestimmten
Wirtschaftsteilnehmern vorbehält, es sei denn, diese Regelung ist durch
zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt.
43
Vastuvõtmise kuupäev : 09/05/2025
Ch/l HA EBPOIIEMCKWS CBI03 EIROPAS SAVIENIBAS TIESA
TRIBUNAL DE JUSTICIA DE LA UNION EUROPEA EUROPOS SAJUNGOS TE1SINGUMO TEISMAS
SOUDNI DVÛR EVROPSKÉ UNIE AZ EURÔPA1 UNIÔ BIRÔSÀGA
DEN EUROP/ISKE UNIONS DOMSTOL IL-QORTI TAL-CUSTIZZJA TAL-UNJONI EWROPEA
GERICHTSHOF DER EUROPÂ1SCHEN UNION HOF VAN JUSTITIE VAN DE EUROPESE UNIE
EUROOPA LI1DU KOHUS TRYBUNAL SPRAWIEDLIWOSCI UNII EUROPEJSKIEJ
AIKAZTHPIO THE EYPOIAIKHE ENQXHE TRIBUNAL DE JUSTIÇA DA UNIÀO EUROPEIA
COURT OF JUSTICE OF THE EUROPEAN UNION CVRIA CURTEA DE JUSTITIE A UN1UNI1 EUROPENE
COUR DE JUSTICE DE L’UNION EUROPÉENNE SÛDNY DVOR EUROPSKEJ ÙNIE
CÙIRT BHREITHIÛNAIS AN AONTAIS EORPAIOH SODISCE EVROPSKE UNIE
SUDEUROPSKEUNUE LUXEMBOURG EUROOPAN UNIONIN TUOMIOISTUIN
CORTE D1 GIUSTIZIA DELL'UNIONE EUROPEA EUROPEISKA UNIONENS DOMSTOL
CONCLUSIONS DE L’AVOCAT GÉNÉRAL
M. ATHANASIOS RANTOS
présentées le 8 mai 2025 1
- A30%4)>
Affaire C-115/24
UJ
contre
Osterreichische Zahnârztekammer
en présence de :
Urban Technology GmbH,
DZK Deutsche Zahnklinik GmbH
[demande de décision préjudicielle formée par TOberster Gerichtshof (Cour
suprême, Autriche)]
« Renvoi préjudiciel - Santé publique - Notion de “prestations de soins de
santé” - Notion de “prestations de soins de santé par télémédecine” - Notion de
“prestations de soins de santé physiques” - Traitement complexe prévoyant la
prestation de soins de santé par télémédecine et physiques - Caractère
transfrontalier de ces soins - Notion de “prestataire des soins” - Droit applicable -
Directive 2011/24/UE - État membre de traitement - Directive 2000/31/CE -
Services de la société de l’information - Directive 2005/36/CE - Qualifications
professionnelles - Article 56 TFUE - Liberté de prestation de services -
Article 49 TFUE - Liberté d’établissement »
Langue originale : le français.
FR
ÔSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
I. Introduction
1. La présente demande de décision préjudicielle porte sur l’interprétation,
d’une part, de l’article 56 TFUE et, d’autre part, de l’article 2, sous n), de
l’article 3, sous d) et e), de l’article 4, paragraphe 1, sous a), et de l’article 7 de la
directive 2011/24/UE relative à l’application des droits des patients en matière de
soins de santé transfrontaliers2, de la directive 2000/31/CE relative à certains
aspects juridiques des services de la société de l’information, et notamment du
commerce électronique, dans le marché intérieur3, ainsi que de l’article 5,
paragraphe 3, de la directive 2005/36/CE relative à la reconnaissance des
qualifications professionnelles 4.
2. Cette demande a été présentée dans le cadre d’un litige opposant
l’Osterreichische Zahnârztekammer (chambre autrichienne des médecins-
dentistes, Autriche, ci-après l’« ÔZ ») à UJ, une médecin-dentiste établie en
Autriche, soutenue par Urban Technology GmbH et DZK Deutsche Zahnklinik
GmbH (ci-après « DZK »), deux sociétés allemandes, ayant pour objet un pourvoi
formé par U J contre l’ordonnance rendue en appel par l’Oberlandesgericht Graz
(tribunal régional supérieur de Graz, Autriche), réformant partiellement
l’ordonnance rendue par le Landesgericht Klagenfurt (tribunal régional de
Klagenfurt, Autriche), lequel a rejeté la demande en référé introduite par l’OZ
visant à ce qu’il soit provisoirement enjoint à UJ de cesser de participer
directement ou indirectement à des activités de médecine dentaire exercées en
Autriche par des sociétés étrangères qui ne disposent pas des autorisations
requises par la législation autrichienne.
3. Dans ce contexte, la Cour est appelée à se prononcer sur l’interprétation de
plusieurs actes de droit dérivé de l’Union ainsi que de l’article 56 TFUE, consacré
à la libre prestation des services, dans un domaine particulier, encore peu traité
dans la jurisprudence de la Cour alors qu’il est en développement croissant, à
savoir la télémédecine.
IL Le cadre juridique
A. Le droit de l’Union
7. La directive 2000/31
4. Le considérant 18 de la directive 2000/31 énonce :
Directive du Parlement européen et du Conseil du 9 mars 2011 (JO 2011, L 88, p. 45).
Directive du Parlement européen et du Conseil du 8 juin 2000 (JO 2000, L 178, p. 1).
4 Directive du Parlement européen et du Conseil du 7 septembre 2005 (JO 2005, L 255, p. 22).
1
CONCLUSIONS DE M. RANTOS - AFFAIRE C-115/24
«(18) Les services de la société de l’information englobent un large éventail
d’activités économiques qui ont lieu en ligne. [...] Les activités qui, par leur
nature, ne peuvent pas être réalisées à distance ou par voie électronique,
telles que le contrôle légal des comptes d’une société ou la consultation
médicale requérant un examen physique du patient, ne sont pas des services
de la société de l’information. »
5. L’article 1er, intitulé « Objectif et champs d’application », de cette directive
prévoit, à son paragraphe 4 :
« 4. La présente directive n’établit pas de règles additionnelles de droit
international privé et ne traite pas de la compétence des juridictions ».
6. L’article 2, intitulé « Définitions », de ladite directive prévoit :
« Aux fins de la présente directive, on entend par :
a) “services de la société de l’information” : les services au sens de l’article 1er,
paragraphe 2, de la directive 98/34/CE [du Parlement européen et du
Conseil, du 22 juin 1998, prévoyant une procédure d’information dans le
domaine des normes et réglementations techniques (JO 1998, L 204, p. 37)],
telle que modifiée par la directive 98/48/CE [du Parlement européen et du
Conseil, du 20 juillet 1998 (JO 1998, L 217, p. 18)] ;[5]
b) “prestataire” : toute personne physique ou morale qui fournit un service de la
société de l’information ;
[•••]
h) “domaine coordonné” : les exigences prévues par les systèmes juridiques des
Etats membres et applicables aux prestataires des services de la société de
l’information ou aux services de la société de l’information, qu’elles
revêtent un caractère général ou qu’elles aient été spécifiquement conçues
pour eux.
5 L’article premier de la directive 98/48 précise que l’on entend par « services de la société
d’information » « tout service presté normalement contre rémunération, à distance par voie
électronique et à la demande individuelle d’un destinataire de services. Aux fins de la présente
définition, on entend par : - les termes ‘à distance’: un service fourni sans que les parties soient
simultanément présentes, - ‘par voie électronique’: un service envoyé à l’origine et reçu à
destination au moyen d’équipements électroniques de traitement (y compris la compression
numérique) et de stockage de données, et qui est entièrement transmis, acheminé et reçu par fils,
par radio, par moyens optiques ou par d’autres moyens électromagnétiques, - 'à la demande
individuelle d’un destinataire de services’: un service fourni par transmission de données sur
demande individuelle. [...] ». Cette définition a été reprise à l’identique à l’article premier de la
directive (UE) 2015/1535 du Parlement européen et du Conseil, du 9 septembre 2015, prévoyant
une procédure d’information dans le domaine des réglementations techniques et des règles
relatives aux services de la société de l’information (JO 2015, L 241, p. 1), qui a abrogée les
directives 98/34 et 98/48.
2
ÜSTERREICHISCHE ZAHN’RZTEKAMMER
[•••] »
7. L'article 3, intitulé «Marché intérieur», de la même directive dispose, à
ses paragraphes 1 à 4 :
« 1. Chaque État membre veille à ce que les services de la société de
l’information fournis par un prestataire établi sur son territoire respectent les
dispositions nationales applicables dans cet État membre relevant du domaine
coordonné.
2. Les États membres ne peuvent, pour des raisons relevant du domaine
coordonné, restreindre la libre circulation des services de la société de
l’information en provenance d’un autre État membre.
3. Les paragraphes 1 et 2 ne sont pas applicables aux domaines visés à
l’annexe.
4. Les États membres peuvent prendre, à l’égard d’un service donné de la
société de l’information, des mesures qui dérogent au paragraphe 2 si les
conditions suivantes sont remplies :
a) les mesures doivent être :
i) nécessaires pour une des raisons suivantes :
l’ordre public, en particulier la prévention, les investigations, la
détection et les poursuites en matière pénale, notamment la
protection des mineurs et la lutte contre l’incitation à la haine
pour des raisons de race, de sexe, de religion ou de nationalité et
contre les atteintes à la dignité de la personne humaine,
- la protection de la santé publique,
la sécurité publique, y compris la protection de la sécurité et de la
défense nationales,
- la protection des consommateurs, y compris des investisseurs ;
ii) prises à l’encontre d’un service de la société de l’information qui porte
atteinte aux objectifs visés au point i) ou qui constitue un risque
sérieux et grave d’atteinte à ces objectifs ;
iii) proportionnelles à ces objectifs ;
b) l'État membre a préalablement et sans préjudice de la procédure judiciaire, y
compris la procédure préliminaire et les actes accomplis dans le cadre d’une
enquête pénale :
3
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
demandé à l’État membre visé au paragraphe 1 de prendre des mesures
et ce dernier n’en a pas pris ou elles n’ont pas été suffisantes,
notifié à la Commission et à l’État membre visé au paragraphe 1 son
intention de prendre de telles mesures.
[•••] »
2. La directive 2005/36
8. Les considérants 4, 6 et 8 de la directive 2005/36 énoncent :
« (4) Afin de faciliter la libre prestation de services, il convient de prévoir des
règles spécifiques en vue d’étendre la possibilité d’exercer des activités
professionnelles sous le titre professionnel d’origine. Pour les services de la
société de l’information fournis à distance, les dispositions de la
directive [2000/31] devraient également être applicables.
[•••]
(6) La promotion de la prestation de services doit s’accompagner d’un respect
strict de la santé et de la sécurité publiques ainsi que de la protection des
consommateurs. C’est pourquoi des dispositions spécifiques devraient être
envisagées pour les professions réglementées ayant des implications en
matière de santé ou de sécurité publiques, qui consistent à fournir des
prestations transfrontalières de manière temporaire ou occasionnelle.
[...]
(8) Le prestataire de services devrait être soumis à l’application des règles
disciplinaires de l’État membre d’accueil qui ont un lien direct et spécifique
avec les qualifications professionnelles telles que la définition des
professions, la portée des activités couvertes par une profession ou qui lui
sont réservées, l’usage des titres et les fautes professionnelles graves qui ont
un lien direct et spécifique avec la protection et la sécurité des
consommateurs. »
9. L’article 5, intitulé « Principe de la libre prestation de services », de cette
directive prévoit :
« 1. Sans préjudice de dispositions spécifiques du droit communautaire ni des
articles 6 et 7 de la présente directive, les États membres ne peuvent restreindre,
pour des raisons relatives aux qualifications professionnelles, la libre prestation de
services dans un autre État membre :
a) si le prestataire est légalement établi dans un État membre pour y exercer la
même profession (ci-après dénommé “État membre d’établissement”), et
4
ÔSTERREICHISCHE ZAHNÀRZTEKAMMER
b) en cas de déplacement du prestataire, s’il a exercé cette profession dans
l’État membre d’établissement pendant au moins deux années au cours des
dix années qui précèdent la prestation lorsque la profession n’y est pas
réglementée. La condition exigeant l’exercice de la profession pendant deux
ans n’est pas d’application si soit la profession soit la formation conduisant à
la profession est réglementée.
2. Les dispositions du présent titre s’appliquent uniquement dans le cas où le
prestataire se déplace vers le territoire de l’État membre d’accueil pour exercer, de
façon temporaire et occasionnelle, la profession visée au paragraphe 1.
Le caractère temporaire et occasionnel de la prestation est apprécié au cas par cas,
notamment en fonction de la durée de la prestation, de sa fréquence, de sa
périodicité et de sa continuité.
3. S’il se déplace, un prestataire est soumis aux règles de conduite de caractère
professionnel, réglementaire ou administratif en rapport direct avec les
qualifications professionnelles telles que la définition de la profession, l’usage des
titres et les fautes professionnelles graves qui ont un lien direct et spécifique avec
la protection et la sécurité des consommateurs, ainsi qu’aux dispositions
disciplinaires applicables dans l’État membre d’accueil aux professionnels qui y
exercent la même profession. »
3. La directive 2011/24
10. Les considérants 2, 4, 8, 10, 11, 19 et 26 de la directive 2011/24 énoncent :
« (2) La base juridique appropriée est l’article 114 [TFUE], puisque la majeure
partie des dispositions de la présente directive vise à améliorer le
fonctionnement du marché intérieur et la libre circulation des marchandises,
des personnes et des services. Étant donné que les conditions d’un recours à
l’article 114 [TFUE] en tant que base juridique sont remplies, la législation
de l’Union doit se fonder sur ladite base juridique même lorsque la
protection de la santé publique est un facteur déterminant dans les choix
opérés. À cet égard, l’article 114, paragraphe 3, [TFUE] exige de façon
expresse que, lors de l’accomplissement de l’harmonisation, un niveau élevé
de protection de la santé humaine soit garanti, compte tenu notamment de
toute nouvelle évolution basée sur des faits scientifiques.
[...]
(4) Nonobstant la possibilité offerte aux patients de bénéficier de soins de santé
transfrontaliers au titre de la présente directive, les États membres
demeurent responsables de la prestation de soins de santé sûrs, de qualité
élevée, efficaces et quantitativement suffisants aux citoyens résidant sur leur
territoire. En outre, la transposition de la présente directive dans les
législations nationales et son application ne doivent pas avoir pour effet
5
CONCLUSIONS de M. Rantos - Affaire C-115/24
d'encourager les patients à se faire soigner en dehors de leur État membre
d’affiliation.
[•••]
(8) Certains aspects liés aux soins de santé transfrontaliers, en particulier le
remboursement des soins dispensés dans un État membre autre que celui où
réside le bénéficiaire, ont déjà été examinés par la Cour de justice. La
présente directive vise à parvenir à une application plus générale et aussi
plus efficace des principes établis au cas par cas par la Cour de justice.
[•••]
(10) La présente directive a pour but d’établir des règles visant à faciliter l’accès
à des soins de santé transfrontaliers sûrs et de qualité élevée dans l’Union, et
à garantir la mobilité des patients conformément aux principes établis par la
Cour de justice et à promouvoir la coopération en matière de soins de santé
entre les États membres, dans le plein respect des responsabilités des États
membres en matière de définition des prestations de sécurité sociale liées à
la santé et en matière d’organisation et de prestation de soins de santé, de
soins médicaux et de prestations de sécurité sociale, en particulier pour la
maladie.
(11) La présente directive devrait s’appliquer aux patients à titre individuel qui
décident de se faire soigner dans un État membre autre que leur État membre
d’affiliation. Comme l’a confirmé la Cour de justice, ni leur caractère
particulier, ni leur mode d’organisation ou de financement ne saurait faire
échapper les soins de santé au principe fondamental de la libre prestation de
services. Néanmoins, l’État membre d’affiliation peut choisir de limiter le
remboursement des soins de santé transfrontaliers pour des raisons liées à la
qualité et la sécurité des soins de santé dispensés, si des raisons impérieuses
d’intérêt général liées à la santé publique le justifient. L’État membre
d’affiliation peut également prendre d’autres mesures pour d’autres motifs
lorsque cela peut être justifié par des raisons impérieuses d’intérêt général.
En effet, la Cour de justice a jugé que la protection de la santé publique fait
partie des raisons impérieuses d’intérêt général qui peuvent justifier des
restrictions à la libre circulation prévue par les traités.
[•••]
(19) Il est essentiel, pour un patient bénéficiant de soins de santé transfrontaliers,
de savoir à l’avance quelle réglementation lui sera applicable. La
réglementation applicable aux soins de santé transfrontaliers devrait être
celle figurant dans la législation de l’État membre de traitement, étant donné
que, conformément à l’article 168, paragraphe 7, [TFUE], l’organisation et
la prestation de services de santé et de soins médicaux relèvent de la
responsabilité des États membres. Cette disposition devrait aider le patient à
prendre une décision en connaissance de cause, et devrait permettre d’éviter
6
ÜSTERREICHISCHE Zahnârztekammer
les interprétations erronées et les malentendus. Elle devrait permettre
également d’instaurer une relation de confiance d’un niveau élevé entre le
patient et le prestataire de soins de santé.
[-]
(26) Dans plusieurs arrêts, la Cour de justice a reconnu le droit des patients, en
tant que personnes assurées, au remboursement, par le système de sécurité
sociale obligatoire, des coûts des soins de santé dispensés dans un autre État
membre. La Cour de justice a jugé que les dispositions du traité relatives à la
libre prestation des services incluent la liberté pour les bénéficiaires de soins
de santé, notamment les personnes qui ont besoin de recevoir un traitement
médical, de se rendre dans un autre État membre pour y bénéficier de ces
soins. Il devrait en être de même pour les bénéficiaires de soins de santé
désireux de bénéficier de soins de santé dispensés dans un autre État
membre par d’autres moyens, par exemple par des services de santé en
ligne. »
11. Cette directive se compose de cinq chapitres, à savoir le chapitre I, intitulé
«Dispositions générales», qui contient les articles 1er à 3, le chapitre II, intitulé
« Responsabilités des États membres en matière de soins de santé
transfrontaliers », qui contient les articles 4 à 6, le chapitre III, intitulé
« Remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers », qui contient les
articles 7 à 9, le chapitre IV, intitulé « Coopération en matière de santé », qui
contient les articles 10 à 15, et, enfin, le titre V, intitulé « Dispositions finales et
de mise en œuvre », qui contient les articles 16 à 23.
12. L’article 1er, intitulé « Objet et champ d’application », de ladite directive
prévoit, à ses paragraphes 1 et 2 :
« 1. La présente directive prévoit des règles visant à faciliter l’accès à des soins
de santé transfrontaliers sûrs et de qualité élevée et encourage la coopération en
matière de soins de santé entre les États membres, dans le plein respect des
compétences nationales en matière d’organisation et de prestation des soins de
santé. La présente directive vise également à clarifier ses liens avec le cadre
existant relatif à la coordination des systèmes de sécurité sociale, le
[règlement (CE) n° 883/2004 du Parlement européen et du Conseil, du 29 avril
2004, sur la coordination des systèmes de sécurité sociale (JO 2004, L 166, p. 1)],
en vue de l’application des droits des patients.
2. La présente directive s’applique à la prestation de soins de santé aux
patients, indépendamment de leur mode d'organisation, de prestation ou de
financement. »
13. L’article2, intitulé «Lien avec d’autres dispositions de l’Union», de la
même directive dispose :
« La présente directive s’applique sans préjudice des dispositions suivantes :
7
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
[•••]
e) la directive [2000/31] ;
[...]
n) la directive [2005/36] ;
[•••] »
14. L’article 3, intitulé «Définitions», de la directive 2011/24, est rédigé
comme suit :
« Aux fins de la présente directive, on entend par :
a) “soins de santé”, des services de santé fournis par des professionnels de la
santé aux patients pour évaluer, maintenir ou rétablir leur état de santé, y
compris la prescription, la délivrance et la fourniture de médicaments et de
dispositifs médicaux ;
[•••]
d) “Etat membre de traitement”, l’Etat membre sur le territoire duquel les soins
de santé sont effectivement dispensés au patient. Dans le cas de la
télémédecine, les soins de santé sont considérés comme dispensés dans
l’État membre où le prestataire de soins de santé est établi ;
e) “soins de santé transfrontaliers”, des soins de santé dispensés ou prescrits
dans un État membre autre que l’État membre d’affiliation ;
f) “professionnel de la santé”, un médecin, un infirmier responsable des soins
généraux, un praticien de l’art dentaire, une sage-femme ou un pharmacien
au sens de la directive [2005/36], ou un autre professionnel exerçant des
activités dans le secteur des soins de santé qui sont limitées à une profession
réglementée telle que définie à l’article3, paragraphe 1, pointa), de la
directive [2005/36], ou une personne considérée comme un professionnel de
la santé conformément à la législation de l’État membre de traitement ;
g) “prestataire de soins de santé”, toute personne physique ou morale ou toute
autre entité qui dispense légalement des soins de santé sur le territoire d’un
État membre ;
[-] »
15. L’article 4, intitulé « Responsabilité de l’État membre de traitement », de
cette directive prévoit, à son paragraphe 1 :
8
OSTERRElCHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
« Compte tenu des principes d'universalité, d'accès à des soins de bonne qualité,
d’équité et de solidarité, les soins de santé transfrontaliers sont dispensés
conformément :
a) à la législation de l’État membre de traitement ;
b) aux normes et orientations en matière de qualité et de sécurité établies par
l’État membre de traitement ; et
c) à la législation de l’Union relative aux normes de sécurité. »
16. L’article 7, intitulé « Principes généraux applicables au remboursement des
coûts », de ladite directive dispose, à son paragraphe 7 :
« L’État membre d’affiliation peut imposer à une personne assurée désireuse de
bénéficier du remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers, y
compris des soins de santé reçus par les moyens de la télémédecine, les mêmes
conditions, critères d’admissibilité et formalités réglementaires et
administratives - que celles-ci soient fixées à un niveau local, régional ou
national - que ceux qu’il imposerait si ces soins de santé étaient dispensés sur son
territoire. Cela peut inclure une évaluation par un professionnel de la santé ou un
administrateur de la santé fournissant des services pour le système de sécurité
sociale obligatoire ou le système de santé national de l’État membre d’affiliation,
tel que le médecin généraliste ou le prestataire de soins de santé primaires auprès
duquel le patient est inscrit, si cela s’avère nécessaire pour déterminer le droit
d’un patient aux soins de santé, à titre individuel. Cependant aucun(e) des
conditions, critères d’admissibilité et formalités réglementaires et administratives
imposés en vertu du présent paragraphe ne peut être discriminatoire ou constituer
une entrave à la libre circulation des patients, des services ou des marchandises,
sauf s’il (elle) est objectivement justifié(e) par des impératifs de planification liés
à l’objectif de garantir sur le territoire de l’État membre concerné un accès
suffisant et permanent à une gamme équilibrée de soins de qualité élevée ou à la
volonté d’assurer une maîtrise des coûts et d’éviter autant que possible tout
gaspillage de ressources financières, techniques et humaines. »
B. Le droit autrichien
17. En vertu de l’article 3, paragraphe!, de la Zahnârztegesetz (loi
autrichienne relative aux médecins-dentistes, ci-après la « ZÀG »)6, la profession
de médecin-dentiste ne peut être exercée que selon les modalités prévues par cette
loi.
18. Selon l’article 4, paragraphe 2, de ladite loi, la profession de médecin-
dentiste comprend toute activité fondée sur des connaissances scientifiques en
6 BGB1 I 126/2005, telle que modifiée en 2023 (BGB1 1 191/2023).
9
Conclusions de M. RANTOS - Affaire C-1 15/24
matière de médecine dentaire, y compris les procédés thérapeutiques relevant de la
médecine complémentaire et alternative, qui est exercée directement sur l’être
humain ou indirectement pour celui-ci.
19. Conformément à l’article 4, paragraphe 3, de cette même loi, le domaine
d’activité réservé aux membres de la profession de médecin-dentiste comprend,
entre autres, l’examen de la présence ou de l’absence de maladies et d’anomalies
des dents, leur traitement, y compris les interventions cosmétiques et esthétiques
sur les dents, dans la mesure où elles nécessitent un examen et un diagnostic de
médecine dentaire, ainsi que la prescription de médicaments, de remèdes et
d’aides au diagnostic en médecine dentaire.
20. En vertu des articles 24, 25 et 26 de la ZÀG, les membres de la profession
de médecin-dentiste doivent exercer leur profession personnellement et
directement, le cas échéant en collaboration avec d’autres membres de cette
profession ou avec des membres d’autres professions de santé, notamment sous la
forme de groupements de cabinets et de groupements de matériel (article 25 de
cette loi) ou de cabinets de groupe (article 26 de ladite loi). En outre, ils peuvent,
dans le cadre de l’exercice de leur profession, faire appel à des auxiliaires, à
condition que ceux-ci agissent selon leurs instructions précises et sous leur
surveillance permanente (article 24, paragraphe 2, de la même loi). Si, en vertu de
l’article 26, paragraphe 1, sous 2), de la ZÀG, un cabinet de groupe peut être
exploité sous la forme juridique d’une société à responsabilité limitée, cela est
toutefois subordonné à la condition, notamment, que tous les associés soient des
membres de la profession de médecin-dentiste habilités à exercer cette profession
de manière indépendante [article 26, paragraphe 3, sous 1), de cette loi].
21. L’article 31 de ladite loi régit la « libre prestation des services » et est ainsi
libellé :
«(l)Les ressortissants d’un Etat partie à l’accord sur l’Espace économique
européen (EEE) et ceux de la Confédération helvétique qui exercent
légalement la profession de médecin-dentiste dans l’un des autres Etats
parties à cet accord ou en Suisse peuvent, dans le cadre de la libre prestation
des services, exercer temporairement, à partir de leur domicile professionnel
ou de leur lieu de travail à l’étranger, une activité de médecine dentaire en
Autriche sans être inscrits sur la liste des médecins-dentistes.
(2) Avant de fournir en Autriche pour la première fois une prestation de
médecine dentaire qui requiert un séjour temporaire sur le territoire fédéral,
le prestataire de services doit en informer par écrit la chambre autrichienne
des médecins-dentistes, par l’intermédiaire de la chambre des
médecins-dentistes du Land dans lequel la prestation doit être fournie, en
joignant les documents suivants : [...] »
22. Les juridictions autrichiennes ont déjà jugé, dans des affaires relatives au
droit de la concurrence, que cette disposition vise uniquement les personnes
10
ÔSTERREICHISCHH ZAHNÂRZTEKAMMER
physiques autorisées à exercer la profession, et non les sociétés à responsabilité
limitée, et ce a fortiori lorsque la structure de leurs parts sociales n’est pas
conforme à l’article 26 de la ZÀG.
III. Le litige au principal, les questions préjudicielles et la procédure devant
la Cour
23. L’ÔZ est un organisme de droit public établi à Vienne (Autriche) qui est
légalement habilité à défendre les intérêts des médecins-dentistes et des dentistes
autrichiens.
24. UJ est une médecin-dentiste établie en Autriche, qui est habilitée, sur le
territoire de cet Etat membre, à examiner ainsi qu’à traiter des patients dans le
cadre des contrats de soins qu’elle conclut avec eux.
25. Urban Technology et DZK font partie d’une entreprise dentaire opérant
dans le monde entier. Urban Technology est établie en Allemagne et a pour objet
social « la fourniture de services dans le domaine des produits lifestyle pour les
clients finaux ». Elle fait la promotion d’un procédé, relevant de la médecine
dentaire, d’alignement dentaire au moyen de gouttières buccales transparentes,
commercialisé sous la marque « DrSmile ». Par l’intermédiaire de son site
Internet, les clients potentiels peuvent demander un rendez-vous auprès du
« médecin-dentiste partenaire », tel que UJ, exerçant au lieu qu’ils ont choisi,
notamment en Autriche. Dès lors qu’un tel rendez-vous est convenu, ce médecin-
dentiste partenaire procède dans son propre cabinet à une anamnèse, à un entretien
d’information et à un scanner 3D de la mâchoire, ainsi qu’aux traitements
préliminaires éventuellement nécessaires à la thérapie par gouttières dentaires.
Ensuite, ledit médecin-dentiste partenaire transmet à DZK le matériel d’imagerie
et une recommandation concernant la procédure d’alignement dentaire. DZK est
elle aussi établie en Allemagne 7. Après un examen du dossier, DZK transmet au
client un plan de traitement comportant des informations complètes sur le prix.
26. Après la validation de ce plan de traitement, seule DZK conclut avec le
patient un contrat de soins qui comprend toutes les prestations relatives à un
alignement dentaire « DrSmile ». Elle se procure les gouttières dentaires auprès de
Urban Technology, qui les commande à son tour à des tiers. Le client reçoit les
gouttières dentaires par voie postale. Le suivi ultérieur est assuré au moyen d’une
application appartenant à DZK, par l’intermédiaire de laquelle les patients lui
transmettent régulièrement des images de leurs dents. En outre, DZK entretient
une relation contractuelle avec le médecin-dentiste partenaire, en l’occurrence UJ,
Les associés de Urban Technology et de DZK ne sont pas des médecins-dentistes. DZK dispose
toutefois d’un agrément et des autres autorisations nécessaires prévus par le droit allemand pour
exploiter en Allemagne un centre de soins en médecine dentaire (« clinique dentaire »).
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CONCLUSIONS de M. RANTOS - Affaire C-115/24
et le rémunère des prestations qu’il fournit aux patients concernés dans le cadre du
traitement « DrSmile ».
27. L’OZ a introduit, devant le Landesgericht Klagenfurt (tribunal régional de
Klagenfurt), une action en cessation, au titre du Bundesgesetz gegen den
unlauteren Wettbewerb (loi fédérale contre la concurrence déloyale) 8, assortie
d’une demande en référé visant à faire interdire à UJ, par voie d’injonction
provisoire et jusqu’à ce que l’arrêt statuant sur faction en cessation soit passé en
force de chose jugée, de participer directement ou indirectement à des activités de
médecine dentaire exercées en Autriche par des sociétés étrangères qui ne
disposent ni d’une habilitation à exercer en Autriche la profession de médecin-
dentiste au titre de la ZÀG, ni d’une autorisation d’exploitation d’établissement de
soins en vertu de la législation autrichienne.
28. UJ, quant à elle, fait valoir que DZK, avec laquelle elle collabore, est un
établissement de soins privé agréé de droit allemand, dont les activités sont licites
en Autriche pour ce qui est de la télémédecine, tout comme est licite la
collaboration avec cette même entreprise consistant à accomplir certaines tâches
dans le cadre du traitement orthodontique. En outre, UJ affirme exercer ses
activités directement, personnellement et indépendamment de toute instruction.
29. Le Landesgericht Klagenfurt (tribunal régional de Klagenfurt) a rejeté la
demande en référé introduite par l’OZ, estimant que UJ ne participait pas à des
activités de médecine dentaire exercées par Urban Technology et DZK ; qu’il
existait deux contrats de soins qui devaient être considérés séparément, et, dès
lors, que UJ ne devait pas être qualifiée d’« auxiliaire d’exécution » ni être
considérée comme participant, sur le territoire autrichien, à des activités de
médecine dentaire étrangères.
30. Saisi d’un recours contre la décision de cette juridiction,
l’Oberlandesgericht Graz (tribunal régional supérieur de Graz) a, pour l’essentiel,
accueilli la demande en référé. Il a notamment considéré que UJ agissait en tant
qu’« auxiliaire d’exécution » de DZK dans le cadre des contrats de soins conclus
entre cette dernière et les patients ; que DZK n’était pas autorisée à fournir des
prestations de médecine dentaire en Autriche ; que les prestations de soins
fournies par DZK en Autriche par l’intermédiaire de UJ, agissant en tant
qu’auxiliaire d’exécution, étaient fournies directement et sans avoir recours à une
technologie de l’information et de la communication ; que UJ participait donc à
des activités de médecine dentaire qui étaient exercées sur le territoire national par
une société étrangère sans être habilitée à exercer la profession de médecin-
dentiste au titre de la ZÀG et sans disposer d’une autorisation d’exploitation au
titre de la législation autrichienne applicable aux établissements de soins ; que UJ
avait ainsi, d’une part, enfreint les règles en matière de coopération prévues à
l’article 24 de la ZÀG, et, d’autre part, participé, en tant qu’auxiliaire d’exécution,
8 BGB1. 448/1984.
12
Ôsl ERRER HIS( HE ZAHNÂRZTEKAMMER
à une atteinte commise, par une société étrangère, au domaine réservé aux
membres de la profession en vertu de l’article 3 et de l’article 4, paragraphe 3, de
la ZÀG.
31. L'Oberster Gerichtshof (Cour suprême, Autriche), la juridiction de renvoi,
est saisi d’un pourvoi formé par UJ, par lequel celle-ci demande, en substance, le
rejet de la demande en référé introduite par l’OZ.
32. En premier lieu, cette juridiction se demande si UJ participe réellement à
des activités de médecine dentaire exercées en Autriche par des sociétés
étrangères. En effet, elle relève qu’il existe un contrat de soins unique liant le
patient et DZK, de sorte que ce n’est que cette dernière qui, juridiquement, fournit
la prestation au patient. UJ, de son côté, n’aurait de liens contractuels qu’avec
DZK, en tant qu’auxiliaire d’exécution de celle-ci. Se poserait ainsi la question de
la détermination du lieu dans lequel les prestations de médecine dentaire sont
« fournies ». En particulier, il conviendrait de déterminer si le principe du pays
d’origine s’applique en l'occurrence et si le lieu de prestation serait donc
l’Allemagne, où DZK exploite de manière légale une clinique dentaire. Ladite
juridiction cherche dès lors à savoir si l’article 3, sous d), de la directive 2011/24,
aux termes duquel, dans le cas de la télémédecine, les soins de santé sont
considérés comme dispensés dans l’Etat membre où le prestataire de soins de
santé est établi, a vocation à s’appliquer uniquement aux fins du remboursement
des coûts au sens de l’article 7 de cette directive, ou s’il établit, pour les
prestations de télémédecine, un principe général du pays d’origine, ou encore si ce
principe peut être déduit de la directive 2000/31.
33. En deuxième lieu, afin de déterminer si la directive 2011/24 s’applique en
l’espèce, la juridiction de renvoi s’interroge sur la question de savoir si les termes
« soins de santé » « dispensés » « dans le cas de la télémédecine », au sens de
l’article 3, sous d), de cette directive, se rapportent exclusivement à des
prestations médicales individuelles effectuées (de manière transfrontalière) à
l’aide des technologies de l’information et de la communication (ci-après « TIC »)
ou s’ils se rapportent à un contrat de soins complet qui peut également
comprendre des examens physiques effectués dans l’Etat membre de résidence du
patient, et si les prestations effectuées à l’aide de ces technologies doivent être
prépondérantes pour que des « soins de santé » soient « dispensés » « dans le cas
de la télémédecine ». En outre, la juridiction de renvoi se demande si, en cas de
lien entre ces deux types de prestations, comme en l’occurrence, il peut être
considéré qu’il s’agit dans l’ensemble de « soins de santé transfrontaliers » au
sens de l’article 3, sous d) et e), de la directive 2011/24.
34. En troisième lieu, cette juridiction s’interroge sur le droit applicable à la
« télémédecine ». Serait pertinente à cet égard l’interaction entre, d’une part,
l’article 2, sous n), l’article 3, sous d), et l’article 4, sous a), de la
directive 2011/24, et, d’autre part, l’article 5, paragraphe 3, de la
directive 2005/36, en vertu duquel un prestataire de services qui « se déplace »
dans un autre État membre est soumis aux règles de conduite de caractère
13
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
professionnel, réglementaire ou administratif applicables dans l’État membre
d’accueil. Serait également pertinente l’articulation entre la directive 2000/31,
notamment son article 2, sous h), ii), et son considérant 18, la directive 2005/36,
notamment son articles et son considérant 4, et la directive2011/24, notamment
son article 2, sous n), son article 3, sous d), et son article 4, sous a). La Cour aurait
en effet déjà jugé, dans un autre contexte, que l’assistance commerciale en matière
fiscale qui est fournie de manière transfrontalière sans que les personnes agissant
dans ce cadre se déplacent dans l’autre État membre ne relève pas de l’article 5 de
la directive 2005/36, cet article s’appliquant uniquement en cas de déplacement du
prestataire vers le territoire de l’État membre d’accueil 9. Selon ladite juridiction,
s’agissant des soins de santé, et afin de protéger les patients, les règles
professionnelles de l’État membre de résidence du patient doivent être respectées
même dans le cas de simples services de correspondance transfrontaliers et
nonobstant le principe du pays d’origine.
35. En quatrième et dernier lieu, la juridiction de renvoi se demande comment
il conviendrait d’interpréter l’article 56 TFUE dans le cas où il serait considéré
que les prestations de médecine dentaire effectuées par UJ sont juridiquement
« fournies » en Autriche. Plus précisément, d’une part, en ce qui concerne UJ, la
question se poserait alors de savoir si, en agissant non pas sur la base d’un contrat
de soins propre, mais uniquement en tant qu’auxiliaire d’exécution de DZK, UJ a
enfreint la ZÀG qui encadre la profession de médecin-dentiste en portant atteinte
au domaine réservé aux membres de cette profession. En effet, la juridiction de
renvoi rappelle que, même si DZK est agréée en Allemagne en tant que clinique
privée, elle ne dispose, en Autriche, ni d’une autorisation d’exploitation au titre du
droit applicable aux établissements de soins ni d’une habilitation au titre de la
ZAG. En outre, la structure de ses parts sociales serait contraire aux dispositions
de cette loi. La juridiction de renvoi s’interroge ainsi sur la question de savoir si
les dispositions de la ZÀG, prévoyant principalement un exercice direct et
personnel de la profession et une libre prestation des services uniquement « à titre
temporaire » pour les « ressortissants de l’EEE », sont conformes à la libre
prestation des services prévue aux articles 56 et suivants TFUE, lorsque, comme
en l’occurrence, le médecin-dentiste étranger fournit, de manière permanente, ses
prestations dans le cadre d’un contrat de soins unique, en partie depuis l’étranger
(à l’aide des TIC) et en partie sur le territoire national en faisant appel, en tant
qu’auxiliaire d’exécution, à un médecin-dentiste habilité à exercer sur ce territoire.
D’autre part, en ce qui concerne DZK, cette juridiction se demande si une
application (par analogie) des dispositions relatives aux cabinets de groupe
figurant à l’article 26 de la ZÀG, selon lesquelles les associés ne peuvent être que
des médecins-dentistes, est, elle aussi, contraire à la libre prestation des services,
compte tenu, notamment, de la jurisprudence selon laquelle il est permis aux États
membres de restreindre la libre prestation des services médicaux et hospitaliers,
Voir arrêt du 17 décembre 2015, X-Steuerberatungsgesellschaft (C-342/14, ci-après l’« arrêt X-
Steuerberatungsgesellschaft », EU:C:2015:827, points 34 et 35).
14
ÔSTERREICH1SCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
dans la mesure où le maintien d’une capacité de soins ou d’une compétence
médicale sur le territoire national est essentiel pour la santé publique, voire pour la
survie de sa population, d’autant plus que les personnes physiques ne garantissent
pas forcément un niveau plus élevé de soins que les personnes morales l0.
36. Dans ces conditions, l’Oberster Gerichtshof (Cour suprême) a décidé de
surseoir à statuer et de poser à la Cour les questions préjudicielles suivantes :
« 1.1) L'article 3, sous d), de la directive [2011/24], aux termes duquel, dans le
cas de la télémédecine, les soins de santé sont considérés comme dispensés
dans l’État membre où le prestataire de soins de santé est établi, a-t-il
vocation à s’appliquer uniquement aux fins du remboursement des coûts au
sens de l’article 7 de cette directive ?
1.2) En cas de réponse négative à la question 1.1, l’article 3, sous d), de la
directive 2011/24 établit-il, pour les prestations de télémédecine, un principe
général du pays d’origine ?
1.3) La directive [2000/31] établit-elle, pour les prestations de télémédecine, un
principe du pays d’origine ?
2.1) Les “soins de santé” “dispensés” “dans le cas de la télémédecine”, au sens
de l’article 3, sous d), de la directive 2011/24, se rapportent-ils
exclusivement à des prestations médicales distinctes effectuées (de manière
transfrontalière) à l’aide des [TIC], ou se rapportent-ils à un contrat de soins
complet qui peut également comprendre des examens physiques effectués
dans l’État de résidence du patient ?
2.2) Si les “soins de santé” “dispensés” “dans le cas de la télémédecine” peuvent
comprendre des examens physiques, les prestations effectuées à l’aide des
[TIC] doivent-elles être prépondérantes pour que des “soins de santé” soient
“dispensés” “dans le cas de la télémédecine”, et, si cette question appelle
une réponse affirmative, selon quels critères convient-il d’apprécier cette
prépondérance ?
2.3) Un traitement médical doit-il être considéré dans son ensemble comme
relevant de “soins de santé transfrontaliers”, au sens de l’article 3, sous d) et
e), de la directive 2011/24, lorsque le prestataire de soins de santé (en
l’espèce, une clinique dentaire) qui est établi, du point de vue du patient,
dans l’autre État membre et avec lequel le patient a conclu un contrat de
soins dispense une partie du traitement d’ensemble à l’aide des [TIC], tandis
que l’autre partie de la prestation d’ensemble est fournie par un prestataire
Voir arrêts du 28 avril 1998, Kohll (C-158/96, ci-après T « arrêt Kohll », EU:C: 1998:171,
point 51), et du 13 mai 2003, Müller-Fauré et van Riet (C-385/99, EU:C:2003:270, point 67).
15
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
de soins de santé (exerçant la profession de médecin-dentiste) établi dans le
même Etat membre que le patient ?
3. 1) Les dispositions combinées de l’article 2, sous n), de l’article 3, sous d), et
de l’article 4, sous a), de la directive 2011/24, lues conjointement avec
l’article 5, paragraphe 3, de la directive [2005/36], doivent-elles être
interprétées en ce sens qu’une clinique dentaire établie en Allemagne est
tenue, lorsqu’elle "dispense" des “soins de santé” par “télémédecine” en
Autriche, de respecter les règles de conduite de caractère professionnel,
réglementaire ou administratif en vigueur dans ce pays [notamment les
articles 24, 26 et 31 de la ZÀG] ?
3. 2) L’article 5, paragraphe 3, de la directive 2005/36 doit-il être interprété en ce
sens qu’un prestataire de soins de santé se déplace dans un autre État
membre lorsqu’il se limite à fournir des prestations médicales à l’aide des
[TIC] ? Si cette question appelle une réponse négative, existe-t-il un
déplacement dans un autre État membre lorsque ce prestataire fait effectuer
par des auxiliaires d’exécution des examens physiques ou des traitements
dans l’État de résidence du patient ?
4) Dans des cas de figure tels que celui de l’espèce, dans lequel un
médecin-dentiste étranger fournit, en principe de manière permanente, des
prestations dans le cadre d’un contrat de soins unique, en partie depuis
l’étranger à l’aide des [TIC] (au sens d’un service de correspondance
transfrontalier) et en partie sur le territoire national en faisant appel, en tant
qu’auxiliaire d’exécution, à un médecin-dentiste autrichien habilité à
exercer, la libre prestation des services prévue aux articles 56 et suivants
TFUE s’oppose-t-elle aux dispositions de la [ZÀG], dont les articles 24 et
suivants prévoient principalement un exercice direct et personnel de la
profession, en n’envisageant une libre prestation des services que dans le
cadre de l’article 31 de cette loi, “à titre temporaire” pour les “ressortissants
de l’EEE” ?»
37. Des observations écrites ont été déposées par UJ, TÔZ, Urban Technology,
DZK, les gouvernements autrichien, néerlandais et polonais ainsi que par la
Commission européenne. Ces mêmes parties, à l’exception des gouvernements
autrichien et polonais, ont également formulé des observations orales lors de
l’audience de plaidoiries qui s’est tenue le 13 février 2025.
IV. Analyse
A. Sur la recevabilité de certaines questions préjudicielles
38. L’OZ et la République d’Autriche, dans leurs observations écrites, ont
excipé de l'irrecevabilité de certaines des questions préjudicielles posées par la
juridiction de renvoi. Sont en particulier visées, premièrement, les questions 1.1 à
16
OSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
1.3, 2.1, 2.2, 3.1 et 3.2, qui seraient hypothétiques 11 ou n’auraient aucun rapport
avec la réalité ou avec l’objet du litige au principal 12, au motif qu’elles porteraient
sur des dispositions des directives 2011/24, 2000/31 et 2005/36 relatives à des
prestations de « télémédecine », alors que le traitement dentaire en cause au
principal consisterait en des « actes physiques » ; deuxièmement, les questions 3.1
et 3.2, qui seraient, selon la République d’Autriche, doublement hypothétiques
dans la mesure où le champ d’application ratione personae de la directive 2005/36
n’inclurait pas les personnes morales telles que Urban Technology et DZK, et,
enfin, troisièmement, la question 4, qui, d’après TOZ, ne satisferait pas aux
exigences prévues par l’article 94 du règlement de procédure de la Cour quant au
contenu de la demande de décision préjudicielle, dans la mesure où elle ne serait
pas rédigée de manière « claire et précise ».
39. À cet égard, je rappelle que, selon une jurisprudence constante de la Cour,
une question préjudicielle portant sur le droit de l’Union bénéficie d’une
présomption de pertinence. Le refus de la Cour de statuer sur une telle question
n’est possible que s’il apparaît de manière manifeste que l’interprétation sollicitée
du droit de l’Union n’a aucun rapport avec la réalité ou l’objet du litige au
principal, lorsque le problème est de nature hypothétique ou encore lorsque la
Cour ne dispose pas des éléments de fait et de droit nécessaires pour répondre de
façon utile aux questions qui lui sont posées 13.
40. Or, en l'occurrence, je constate que la décision de renvoi décrit de manière
suffisamment détaillée le cadre juridique et factuel dans lequel l’affaire au
principal s’inscrit. En outre, les indications fournies par la juridiction de renvoi
permettent de déterminer la portée des questions posées et de conclure que celles-
ci ne sont ni hypothétiques, ni dénuées de rapport avec l’objet du litige dont elle
est saisie, ni rédigées de manière insuffisamment « claire et précise ». En effet,
premièrement, s’agissant des questions préjudicielles 1.1 à 1.3, 2.1, 2.2, 3.1 et 3.2,
et de la prétendue inapplicabilité des directives 2011/24, 2000/31 et 2005/36 au
motif que les soins de santé dispensés par DZK seraient seulement de nature
physique et ne relèveraient dès lors pas de la notion de « prestations de
télémédecine », je relève que ces questions portent précisément, sous différents
aspects, sur la qualification et le traitement juridique de ces soins de santé et ne
sauraient, dès lors, être considérées comme étant hypothétiques ou dénuées de
rapport avec l’objet du litige. Deuxièmement, quant au caractère hypothétique des
questions 3.1 et 3.2 qui résulte, selon la République d’Autriche, de ce que la
directive 2005/36 ne saurait s’appliquer aux personnes morales telles que DZK, je
précise que, si cette directive garantit la reconnaissance des qualifications
11 Plus précisément, la République d’Autriche vise les questions 1.1 à 1.3, 2.1,2.2, 3.1 et 3.2.
12 Plus précisément, l’ÔZ vise les questions 1.2, 1.3, 3.1 et 3.2.
13 Voir, notamment, arrêt du 20 mars 2025, Arce (C-365/23, EU:C:2025:192, point 38 et
jurisprudence citée).
17
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
professionnelles acquises par les ressortissants des États membres dans un ou
plusieurs États membres, c’est-à-dire des personnes physiques, aux fins de l’accès
aux professions réglementées qu’elle vise et leur exercice dans un autre État
membre, ces deux questions sont formulées dans le cadre de la configuration
particulière où une personne physique, en l'occurrence UJ, qui exerce sa
profession de médecin-dentiste, agit comme « auxiliaire d’exécution » d’une
personne morale, en l'espèce DZK, l’applicabilité de ladite directive revêtant dès
lors les caractéristiques d’une question relative au fond 14. Troisièmement,
s’agissant de la question 4, j’estime que cette question satisfait aux exigences
prévues à l'article 94 du règlement de procédure, de sorte que la Cour dispose des
éléments de fait et de droit nécessaires pour y répondre de façon utile 15.
41. Dans ces conditions, j’estime que l’ensemble des questions préjudicielles
posées par la juridiction de renvoi sont recevables.
B. Sur le fond
42. La juridiction de renvoi, estimant que le contexte factuel dans lequel
s’insère l’affaire au principal soulève un ensemble de questions liées à
l’interprétation et à l’application des directives 2011/24, 2000/31 et 2005/36 ainsi
que de l’article 56 TFUE, a décidé de poser une série de questions qui portent sur
différents aspects liés à la qualification, et aux conséquences que cette
qualification emporte, des soins de santé à caractère hybride, à savoir des soins
impliquant tant la fourniture de prestations dispensées physiquement par un
médecin-dentiste que la fourniture de prestations fournies à distance au moyen de
TIC.
43. Plus précisément, les doutes exprimés par la juridiction de renvoi
concernent une situation dans laquelle des personnes établies en Autriche ont eu
recours à des examens et des traitements nécessaires à une thérapie d’alignement
dentaire menés par une médecin-dentiste habilitée à pratiquer en Autriche, et par
la suite ont continué le traitement au moyen d’une application numérique sur la
base d’un contrat de soins d’alignement conclu avec une clinique-dentaire de droit
allemand non habilitée à opérer en Autriche.
44. À cet égard, je relève d’emblée que, en l’occurrence, malgré le fait que
l’action en cessation en cause au principal soit dirigée contre la médecin-dentiste,
UJ, les réserves soulevées par cette juridiction semblent avoir pour objet
14 Voir article 2, paragraphe 1, de la directive 2005/36. Par ailleurs, la Cour a déjà, par le passé,
accepté d’analyser sur le fond l’applicabilité de la directive 2005/36 à l’égard de personnes
morales [voir, notamment, arrêt X-Steuerberatungsgesellschaft (points 34 et 35), ainsi que,
s’agissant de la recevabilité, conclusions de l’avocat général Cruz Villalôn dans cette même
affaire (C-342/14, EU:C:2015:646, points 42 à 46 et jurisprudence citée)].
15 Voir, en ce sens, arrêt du 13 novembre 2018, Levola Hengelo (C-310/17, EU:C:2018:899,
point 30).
18
ÔSTERRE1CHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
principalement la situation juridique dans laquelle se trouve DZK. En effet, il
n’est pas contesté que UJ remplit toutes les conditions requises par la législation
autrichienne pour pouvoir exercer l’activité de médecin-dentiste en Autriche.
45. Ces réserves ont, en réalité, plutôt trait à la qualification des faits au
principal, laquelle semble constituer la prémisse du raisonnement juridique de la
juridiction de renvoi, à savoir que UJ exerce en Autriche en tant qu’« auxiliaire
d'exécution » de DZK, avec la conséquence que cette dernière est en l’occurrence
le seul prestataire du traitement dentaire, traitement qui constitue un soin unique,
bien que composé de plusieurs prestations de nature différente. Les parties au
principal ne souscrivent toutefois pas à cette qualification juridique, ce qui a une
incidence sur l’interprétation proposée par celles-ci des dispositions régissant,
notamment, le champ d’application des directives mentionnées au point 42 des
présentes conclusions.
46. Dans un tel contexte, et sous réserve de vérification par la juridiction de
renvoi du bien-fondé de cette prémisse, je propose d’analyser ces divers aspects
dans l’ordre suivant : tout d’abord, il conviendra d’évaluer si, et sous quelles
conditions, une activité telle que celle en cause au principal peut être considérée
comme faisant partie d’une prestation de « télémédecine » au sens de la
directive 2011/24 {questions 2.1 à 2.3); ensuite, il y aura lieu d’examiner les
conséquences juridiques qu’une telle qualification emporte tant sous l’angle de la
directive 2011/24 {questions 1.1 et 1.2) que sous celui de la directive 2000/31
{question 1.3) ; en outre, il importera d’analyser la pertinence de la
directive 2005/36 {questions 3.1 et 3.2), et, enfin, celle des libertés de circulation
et, en particulier, de la libre prestation de services (article 56 TFUE) et de la
liberté d’établissement (article 49 TFUE) {question 4).
1. Sur la qualification de prestation de « télémédecine » au sens de la
directive 2011/24 (questions 2.1 à 2.3)
41. Par ses questions 2.1 à 2.3, la juridiction de renvoi s’interroge en substance,
d’une part, sur la question de savoir si la notion de « soins de santé » « dispensés »
«dans le cas de la télémédecine», visée à l’article 3, sous d), de la
directive 2011/24, comprend seulement une prestation médicale effectuée
exclusivement au moyen des TIC ou également un contrat de soins complet,
incluant des examens physiques et, dans ce second cas, si la portion des
prestations physiques doit être prépondérante et, le cas échéant, comment il
convient d’apprécier cette prépondérance. D’autre part, cette juridiction cherche à
savoir si un traitement médical doit être considéré dans son ensemble comme
relevant de la notion de « soins de santé transfrontaliers », au sens de l’article 3,
sous d) et e), de la directive 2011/24, lorsque le prestataire d’une partie du
traitement est établi dans un Etat membre autre que celui du patient et qu’une
partie de ce traitement est fournie par un autre prestataire établi dans le même Etat
membre que le patient.
19
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
48. Ces questions, posées aux fins de déterminer si la directive 2011/24
s'applique en l'espèce 16, visent à savoir si des soins de santé, tels que ceux au
principal, peuvent être considérés comme de la « télémédecine » lorsqu’un
traitement comprend à la fois un examen physique effectué dans l’Etat membre de
résidence du patient et des prestations fournies par l’intermédiaire des TIC.
49. À cet égard, je rappelle à titre liminaire que l’article 3, sous d), de la
directive 2011/24 définit l‘« État membre de traitement» comme l’État membre
sur le territoire duquel les soins de santé sont effectivement dispensés au patient,
et précise, dans sa seconde phrase, que « [d]ans le cas de la télémédecine, les soins
de santé sont considérés comme dispensés dans l’Etat membre où le prestataire de
soins de santé est établi » 17. Il résulte de cette disposition que la notion de
« télémédecine », qui est un type de « soins de santé » relevant de cette directive,
au sens de l’article 3, sous a), de celle-ci 18, revêt des conséquences juridiques
claires, à savoir la détermination du lieu de la prestation de services et, partant, du
droit applicable à cette prestation l9.
50. Toutefois, cette notion n’est pas définie ou spécifiée par ladite directive.
51. Conformément à une jurisprudence constante de la Cour, les termes d’une
disposition du droit de l’Union qui ne comporte aucun renvoi exprès au droit des
États membres pour déterminer son sens et sa portée doivent normalement
trouver, dans toute l’Union, une interprétation autonome et uniforme qui doit être
recherchée en tenant compte non seulement des termes de celle-ci, mais également
de son contexte et de l’objectif poursuivi par la réglementation dont ils font
partie 20. La genèse d’une disposition du droit de l’Union peut également révéler
des éléments pertinents pour son interprétation 21.
52. En premier lieu, s’agissant du libellé et de la genèse, selon une
jurisprudence constante de la Cour, la détermination de la signification et de la
portée des termes pour lesquels le droit de l’Union ne fournit aucune définition
16 Voir point 33 des présentes conclusions.
17 Mise en italique par mes soins.
18 Cette notion devant donc être soumise aux mêmes exigences en termes professionnels, de
qualité et de sécurité, que tout autre soin de santé [voir, en ce sens, position (UE) n° 14/2010 du
Conseil en première lecture en vue de l’adoption d’une directive du Parlement européen et du
Conseil relative à l’application des droits des patients en matière de soins de santé
transfrontaliers, adoptée par le Conseil le 13 septembre 2010 (JO 2010, C 275E, p. 1), p. 23].
19 Ces conséquences seront analysées aux points 69 et 70 des présentes conclusions.
20 Voir arrêt du 29 juillet 2024, LivaNova (C-713/22, EU:C:2024:642, point 61 et jurisprudence
citée).
21 Voir arrêt du 10 décembre 2018, Wightman e.a. (C-621/18, EU:C:2018:999, point 47 et
jurisprudence citée).
20
ÔSTERREICHISCHE ZAHNARZTEKAMMER
doit être établie conformément au sens habituel en langage courant de ceux-ci 22.
En ce qui concerne les termes techniques et nouveaux, tels que la
« télémédecine », c’est notamment le contexte réglementaire plus large qui est
pertinent.
53. À cet égard, il paraît opportun de prendre en compte, d’une part, la
communication de la Commission du 4 novembre 2008 concernant la
télémédecine 23, qui, bien que juridiquement non contraignante, est, dès lors
qu’elle a été publiée avant l’adoption de la directive 2011/24, particulièrement
pertinente pour apprécier la signification du tenue « télémédecine », que la
Commission a notamment employé dans la proposition de directive 24. Ainsi, dans
la section « Définition et exemples », la « télémédecine » est définie comme la
« fourniture à distance de services de soins de santé par l ‘intermédiaire des [TIC]
dans des situations où le professionnel de la santé et le patient (ou deux
professionnels de la santé) ne se trouvent pas physiquement au même endroit. Elle
nécessite la transmission en toute sécurité de données et d’informations médicales
par le texte, le son, l’image ou d’autres moyens rendus nécessaires pour assurer la
prévention et le diagnostic ainsi que le traitement et le suivi des patients » 25.
54. D’autre part, la proposition de directive prévoyait que l’un des modes de
prestation de « soins de santé transfrontaliers » était « la prestation transfrontalière
de soins de santé (autrement dit, la fourniture d’un service depuis le territoire
d’un Etat membre vers le territoire d’un autre Etat membre), tels que les services
de télémédecine, de diagnostic et de prescription à distance, ou les services de
laboratoire », et que ce mode de prestation se distinguait des trois autres modes de
prestation de soins de santé transfrontaliers 26. Cette conception de la notion de
Voir, en ce sens, arrêt du 22 décembre 2008, Wallentin-Hermann (C-549/07, EU:C:2008:771,
point 17 et jurisprudence citée).
Communication de la Commission au Parlement européen, au Conseil, au Comité économique
et social européen et au Comité des régions concernant la télémédecine au service des patients,
des systèmes de soins de santé et de la société [COM(2008) 689 final].
Voir considérant 10 de la proposition de directive du Parlement européen et du Conseil relative
à l’application des droits des patients en matière de soins de santé transfrontaliers du 2 juillet
2008 [COM(2008) 414 final] (ci-après la « proposition de directive »).
Mise en italique par mes soins. Cette communication explique que « [l]a télémédecine englobe
une grande variété de services. Les applications les plus fréquemment mentionnées dans les
évaluations par les pairs sont la téléradiologie, la télépathologie, la télédermatologie, les
téléconsultations, la télésurveillance, la téléchirurgie et la téléophtalmologie. Parmi les autres
services éventuels, on peut citer les centres d’appels et les centres d’information en ligne des
patients, les consultations à distance ou visites en ligne et les vidéoconférences entre
professionnels de la santé ».
Voir considérant 10 de la proposition de directive. Les trois autres modes de prestation étant :
i) les soins de santé reçus à l’étranger (le patient va se faire traiter chez un prestataire de soins
installé dans un autre État membre), ii) la présence permanente d’un prestataire de soins de
santé (l’établissement d’un prestataire dans un autre État membre), et iii) la présence temporaire
21
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
« télémédecine » n’a pas fait l’objet de contestations tout au long du processus
législatif27.
55. Il s’ensuit que l’élément déterminant de la notion de « télémédecine », dans
le sens voulu par le législateur de l’Union, réside dans le fait que la prestation de
service est réalisée à distance au moyen des TIC, sans la présence physique
simultanée des acteurs concernés, à savoir du patient et du prestataire des soins de
santé. Ce constat est également confirmé par d’autres sources de droit souple (soft
law) postérieures, telles que le document de travail des services de la Commission
sur l'applicabilité du cadre juridique existant de l’Union aux services de
télémédecine du 6 décembre 2012 28 ou encore les lignes directrices des
organisations européennes et internationales pertinentes 29.
56. En deuxième lieu, cette interprétation est corroborée par le contexte dans
lequel s’inscrit la directive 2011/24, En effet, pour rappel, conformément à
l'article 7, paragraphe 1, de cette directive, l’un des principes généraux
applicables au remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers est que
les frais engagés par une personne assurée qui reçoit de tels soins doivent être
remboursés dans l’État membre d’affiliation, si ces soins font partie des
prestations auxquelles la personne assurée a droit dans l’État membre d’affiliation.
Toutefois, l’article 7, paragraphe 7, de ladite directive permet à l’État membre
d’affiliation d’« imposer à une personne assurée désireuse de bénéficier du
de personnes (la mobilité des professionnels de la santé, lorsqu’ils se rendent temporairement
dans l’État membre du patient pour fournir leurs services).
Voir, notamment, 2980e session du Conseil Emploi, politique sociale, santé et consommateurs
Bruxelles, 30 novembre 2009 et 1er décembre 2009 [16611/1/09 REV 1 (Presse 348)], lequel a
précisé que « [l]a santé en ligne inclut différents services : [...] la télémédecine (lorsque le
professionnel de la santé et le patient ne sont pas dans le même lieu ; cela inclut par exemple la
téléradiologie et la télépathologie) » (mise en italique par mes soins).
Commission Staff Working Document on the applicability of the existing EU legal framework
to telemedicine services [SWD(2012) 414 final, p. 3], disponible uniquement en langue
anglaise. Dans ce document, il est précisé que les prescriptions électroniques sont expressément
exclues du champ d’application de la télémédecine, étant donné qu’il s’agit d’«un acte
accessoire et indépendant qui peut également être délivré lors d’une rencontre en présentiel
avec un médecin » (traduction libre et mise en italique par mes soins).
Voir CPME Policy on Telemedicine (CPME 2021/012 FINAL, p. 1), Comité Permanent des
Médecins Européens, du 20 mars 2021, disponible notamment en langue française : « La
télémédecine est l’exercice de prestations médicales à distance, dans le cadre duquel les
interventions, les diagnostics, les décisions thérapeutiques et les conseils qui en découlent en
matière de traitement sont fondés sur les données des patients, les documents et les autres
informations transmises par l’intermédiaire de systèmes de télécommunications ». Voir, en ce
sens, également, OMS, Consolidated Telemedicine implémentation guide, p. 2, du 9 novembre
2022, disponible uniquement en langue anglaise, qui définit la « télémédecine » comme « la
fourniture de soins de santé où la distance est un facteur essentiel, par tous les professionnels de
la santé qui utilisent les [TIC] pour échanger des informations valides pour diagnostiquer, traiter
et prévenir des maladies et des blessures, afin d’améliorer la santé des individus et des
communautés auxquelles ils appartiennent » (traduction libre).
22
OSTERREICHISCHE Zahnàrztekammer
remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers, y compris des soins
de santé reçus par les moyens de la télémédecine, les mêmes conditions, critères
d’admissibilité et formalités réglementaires et administratives [...] que ceux qu’il
imposerait si ces soins de santé étaient dispensés sur son territoire » 30. En effet,
l’utilisation des termes « y compris » implique que les soins de santé reçus au
moyen de la télémédecine relèvent des « soins de santé transfrontaliers », définis à
l’article 3, sous e), de la même directive comme « des soins de santé dispensés ou
prescrits dans un État membre autre que l’État membre d’affiliation ». Partant,
dans le cadre de l’application de la directive2011/24, la «télémédecine»
implique de dispenser des soins de santé dans un État membre autre que celui
d’affiliation, où le patient se trouve physiquement, sans pour autant que ce patient
ait besoin de se rendre physiquement dans le pays de traitement pour y recevoir
ces soins, grâce, précisément, à l’utilisation des TIC.
57. En troisième lieu, ladite interprétation paraît également conforme à
l’objectif poursuivi par la directive 2011/24, qui consiste, notamment, à faciliter
l’accès à des soins de santé transfrontaliers sûrs et de qualité élevée et à
encourager la coopération en matière de soins de santé entre les États membres,
dans le plein respect des compétences nationales en matière d’organisation et de
prestation des soins de santé31. Cet objectif s’inscrit dans le cadre des objectifs
plus généraux visés à l’article 168 TFUE, qui sert, notamment, de base juridique à
cette directive et qui, d’une part, à son paragraphe 1, fixe l’objectif plus général
d’assurer un « niveau élevé de protection de la santé humaine dans la définition et
la mise en œuvre de toutes les politiques et actions de l’Union » et, d’autre part, à
son paragraphe 7, rappelle que « l’action de l’Union est menée dans le respect des
responsabilités des États membres en ce qui concerne la définition de leur
politique de santé, ainsi que l’organisation et la fourniture de services de santé et
de soins médicaux ».
58. À cet égard, lorsqu’un médecin effectue un traitement médical dans un État
membre, le droit applicable doit garantir que les normes de sécurité et d’hygiène
sont respectées, que des mécanismes de responsabilité appropriés sont mis en
place et que le médecin sait également dans quel cadre juridique il exerce. Or,
appliquer à l’activité professionnelle d’un médecin exerçant dans son propre État
membre des règles de sécurité, d’hygiène et de responsabilité d’un autre État
membre au seul motif que le traitement dans son ensemble prévoit également des
prestations de télémédecine fournies par d’autres prestataires de soins dans
d’autres États membres porterait atteinte à la compétence de l’État membre de
traitement pour organiser ses soins de santé et exposerait les médecins ainsi que
leurs patients à une insécurité juridique injustifiée. En effet, dans un tel cas de
figure, un État membre ne pourrait plus exiger de ses propres médecins qui
dispensent des soins de santé sur son territoire qu’ils respectent les normes de
30 Mise en italique par mes soins.
31 Voir article 1er, paragraphe 1, première phrase, de la directive 2011/24.
23
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
sécurité et d’hygiène en vigueur dans cet État membre. Au lieu de cela, l’État
membre de traitement devrait imposer à ses propres médecins les règles de
sécurité, d’hygiène et de responsabilité d’un autre État membre.
59. En outre, dans les cas où seul l’élément de télémédecine s’effectue dans un
cadre transfrontalier, une « appréciation globale » conduirait à requalifier
artificiellement une prestation purement interne en prestation transfrontalière. En
effet, si l’on considère qu’un examen physique ou un traitement fait partie
intégrante d’une prestation de télémédecine au seul motif qu’il a fait l’objet d’un
contrat de soins unique qui porte également sur des prestations fournies de facto
par la voie de la télémédecine, cela conduirait dans les faits à un contournement
de la règle énoncée à l’article 3, sous d), première phrase, de la directive 2011/24,
selon laquelle on entend par « État membre de traitement » l’État membre sur le
territoire duquel les soins de santé sont « effectivement » dispensés au patient.
60. Enfin, une interprétation différente pourrait favoriser les abus dans le cadre
de l’application des règles relatives au remboursement des coûts des soins de santé
transfrontaliers. Dans le cas de prestations de santé de nature complexe, cela
pourrait aboutir à la conclusion de contrats avec des entités établies dans un État
membre autre que l’État membre d’affiliation du patient, qui n’effectueraient, par
exemple, que des examens préliminaires par télémédecine et, alors que la partie
essentielle des services médicaux faisant l’objet du contrat serait réalisée dans
l’État membre d’affiliation du patient, l’ensemble des services faisant l’objet du
contrat n’en pourrait pas moins être traité comme une prestation transfrontalière
de soins de santé donnant lieu au remboursement des coûts prévu à l’article 7,
paragraphe 1, de la directive 2011/24.
61. Partant, dans la mesure où la «télémédecine» concerne uniquement des
prestations réalisées à distance au moyen des TIC, sans la présence physique
simultanée des acteurs, les prestations fournies physiquement, en la présence
simultanée du médecin et du patient, ne relèveraient pas de la notion de
« télémédecine », même si elles sont fournies dans le cadre d’un traitement plus
global, incluant aussi bien des prestations de télémédecine que des prestations en
présentiel.
62. En l’occurrence, il s’ensuivrait que les prestations fournies en présentiel par
UJ dans son propre cabinet, à savoir l’anamnèse, l’entretien d'information, le
scanner 3D de la mâchoire et les traitements préliminaires nécessaires à la thérapie
par gouttières dentaires, ne sauraient être considérées comme relevant des
prestations de « télémédecine » au sens de l’article 3, sous d), de la
directive 2011/24, et ce indépendamment, d’une part, des rapports
qu’entretiennent les parties et notamment du fait que les patients n’aient de liens
contractuels qu’avec le prestataire de services de télémédecine ou que UJ agisse
en tant qu’« auxiliaire d’exécution » de DZK, ou, d’autre part, du fait qu’elles
fassent partie d’un « soin de santé unique ». En revanche, les prestations fournies
24
OSTERREICHISCHE ZAHNÀRZTEKAMMER
à distance par DZK- à savoir, l'ensemble des prestations qui sont effectuées par
DZK après la validation du plan de traitement32 - sont quant à elles susceptibles
d’être couvertes par la notion de « télémédecine », au sens de la directive 2011/24,
pourvu qu’elles soient, d’un point de vue pratique, dissociables et ne nécessitent
pas l’intervention ultérieure du médecin-dentiste.
63. S’il appartient à la seule juridiction de renvoi d’effectuer l’appréciation du
caractère « dissociable » des prestations effectuées par DZK, j’estime que les
éléments suivants pourraient lui être utiles à cet égard.
64. D’une part, je rappelle que l’article 3, sous a), de la directive 2011/24
définit la notion de « soins de santé » comme des « services de santé fournis par
des professionnels de la santé aux patients pour évaluer, maintenir ou rétablir leur
état de santé, y compris la prescription, la délivrance et la fourniture de
médicaments et de dispositifs médicaux » 33. La simple fourniture de dispositifs
médicaux par voie numérique - comme, en l’espèce, des gouttières dentaires-
ainsi que le suivi du traitement au moyen d’une application numérique pourraient
dès lors constituer de tels «soins de santé». À cet égard, j’observe que,
conformément au considérant 26 de la directive 2011/24, la libre prestation des
services inclut la liberté pour les bénéficiaires des soins de santé, notamment les
personnes qui ont besoin de recevoir un traitement médical, non seulement de se
rendre dans un autre Etat membre pour bénéficier de ces soins, mais également
« de bénéficier de soins de santé dispensés dans un autre État membre par d’autres
moyens, par exemple par des services de santé en ligne ».
65. D’autre part, lorsque les prestations de télémédecine apparaissent comme
accessoires et indissociables de la prestation physique 34, dans la mesure où elles
sont susceptibles d’affecter la qualité de celle-ci, ou lorsque les services de
télémédecine impliquent également l’intervention d’un médecin dans l’État
membre d’affiliation du patient35, je considère que ces prestations de
télémédecine ne sauraient être dissociées des prestations physiques. En effet, je
note que, aux termes de l’article 3, sous d), de la directive 2011/24, l’État membre
de traitement est l’État membre sur le territoire duquel les soins de santé sont
« effectivement dispensés ». Ainsi, lorsque certaines prestations de soins de santé
sont fournies à l’aide de technologies qui font partie intégrante de ces soins de
santé, elles subiraient le même sort juridique que les autres soins de santé
physiques. En effet, dans un tel cas, il ne s’agirait pas d’un cas de
32 Voir point 26 des présentes conclusions.
33 Mise en italique par mes soins.
34 Voir, par analogie, arrêt du 1er octobre 2020, A (Publicité et vente de médicaments en ligne)
(C-649/18, EU:C:2020:764, point 55).
35 Je tiens à souligner que certaines applications de la télémédecine pourraient également exiger
l’intervention d’un second médecin dans l’État membre où le traitement est effectivement
dispensé au patient, par exemple dans les domaines de la téléradiologie ou de la téléchirurgie.
25
CONCLUSIONS de M. Raxtos - Affaire C-115/24
« télémédecine », au sens de l’article 3, sous d), deuxième phrase, de cette
directive, les soins de santé seraient « effectivement dispensés » dans l’Etat
membre de résidence du patient et, par conséquent, ces soins ne constitueraient
pas des « soins de santé transfrontaliers », au sens de l’article 3, sous e), de ladite
directive.
66. Eu égard à ce qui précède, je propose de répondre aux questions
préjudicielles 2.1 à 2.3 que la notion de « soins de santé [...] dispensés [...] dans le
cas de la télémédecine », visée à l’article 3, sous d), de la directive 2011/24, doit
être interprétée en ce sens qu’elle ne couvre que les prestations médicales qui sont
exclusivement effectuées au moyen des TIC, et que les prestations fournies
physiquement, en la présence simultanée du médecin et du patient, ne relèvent pas
de la notion de « télémédecine », au sens de cette disposition, même si elles sont
fournies dans le cadre d’un contrat de soins unique incluant aussi bien des
prestations de télémédecine que des prestations physiques en présentiel,
indépendamment du degré de prépondérance de chacune de ces prestations.
2. Sur le régime juridique applicable aux prestations de « télémédecine » au
titre de la directive 2011/24 (questions 1.1 et 1.2)
67. Par ses questions 1.1 et 1.2, la juridiction de renvoi s’interroge, en
substance, sur les points de savoir, d’une part, si l’article 3, sous d), de la
directive 2011/24 revêt un champ d’application limité au remboursement des
coûts des soins de santé transfrontaliers, au sens de l’article? de celle-ci, et,
d’autre part, si cette directive établit une règle générale selon laquelle les
prestations de télémédecine doivent être dispensées conformément à la législation
de l’Etat membre dans lequel le prestataire des soins de santé est établi.
68. Pour rappel, ces questions visent principalement à déterminer le lieu où les
prestations de télémédecine sont « fournies » et, notamment, si l’article 3, sous d),
de la directive 2011/24, aux termes duquel, dans le cas de la télémédecine, les
soins de santé sont considérés comme dispensés dans l’Etat membre où le
prestataire de soins de santé est établi, a vocation à s’appliquer uniquement aux
fins du remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers ou s’il établit,
au contraire, pour les prestations de télémédecine, un principe général du pays
d’origine. Compte tenu de la réponse que je suggère d’apporter aux questions 2.1
à 2.3, je tiens à faire observer que cette question n’est, en réalité, pertinente que
dans la mesure où la juridiction de renvoi estimerait que les prestations
numériques fournies par DZK sont dissociables des prestations physiques
réalisées par UJ.
69. S’agissant de la question du champ d’application de la directive 2011/24 et
de savoir si celui-ci est limité au remboursement des coûts des soins de santé
transfrontaliers, je considère, pour les raisons que j’exposerai dans les points
suivants des présentes conclusions, qu’il convient d’y répondre par la négative ;
en effet, tant les considérants 8 et 10 que la structure de cette directive, ainsi que
le contenu des autres chapitres de celle-ci à l'exclusion de son chapitre III, le seul
26
ÔSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
consacré au remboursement des coûts des soins de santé, militent en faveur de la
reconnaissance d’un champ d’application conçu plus largement.
70. À cet égard, je remarque que ce n’est pas uniquement pour les dispositions
du chapitre III de la directive 2011/24, intitulé «Remboursement des coûts des
soins de santé transfrontaliers », que la détermination d’un « État membre de
traitement », au sens de l’article 3, sous d), de cette directive, revêt une
importance. En effet, au-delà des questions liées au remboursement, la
détermination de l’« État membre de traitement » permet au patient bénéficiant de
soins de santé transfrontaliers (ou de télémédecine) de connaître à l’avance la
réglementation qui lui sera appliquée. Ainsi qu’il ressort notamment du
considérant 19 de la directive 2011/24, « la réglementation applicable aux soins de
santé transfrontaliers devrait être celle figurant dans la législation de l’État
membre de traitement, étant donné que, conformément à l’article 168,
paragraphe 7, TFUE, l’organisation et la prestation de services de santé et de soins
médicaux relèvent de la responsabilité des États membres ». Dans le cadre du
chapitre II de cette directive, intitulé « Responsabilité des États membres en
matière de soins de santé transfrontaliers », son article 4, intitulé quant à lui
«Responsabilité de l’État membre de traitement», indique, à son paragraphe 1,
d’une part, que les soins de santé transfrontaliers sont dispensés conformément
notamment à la législation de l’État membre de traitement et aux normes et
orientations en matière de qualité et de sécurité établies par cet État membre et
impose, d’autre part, une série d’obligations 36 et de responsabilités 37.
71. Il s’ensuit que l’article 4, paragraphe 1, sous a) et b), de la
directive 2011/24, lu conjointement avec l’article 3, sous d), de celle-ci, établit
une règle générale selon laquelle les prestations de télémédecine doivent être
dispensées conformément à la législation de l’État membre dans lequel le
prestataire des soins de santé est établi.
72. À cet égard, je rappelle que l’article 1er, paragraphe 1, première phrase, de
la directive 2011/24 énonce que celle-ci poursuit l’objectif général de prévoir des
règles visant à faciliter l’accès à des soins de santé transfrontaliers sûrs et de
qualité élevée et à encourager la coopération en matière de soins de santé entre les
États membres, dans le plein respect des compétences nationales en matière
d’organisation et de prestation des soins de santé 38. Ainsi, cet objectif général, qui
consiste à faciliter l’accès aux soins de santé transfrontaliers tout en préservant les
compétences des États membres dans le domaine de la santé, est poursuivi non
seulement par les règles de remboursement des coûts du chapitre III de cette
directive, mais également par les règles relatives aux responsabilités respectives
36 Voir article 4, paragraphes 2 à 4, et article 6 de la directive 2011/24.
37 Voir article 5 de la directive 2011/24.
38 Voir, à cet égard, également, considérants 2, 4, 10 et 26 de la directive 2011/24.
27
CONCLUSIONS DE M. RANTOS - AFFAIRE C-115/24
de l’État membre de traitement et de l'État membre d’affiliation, qui figurent dans
le chapitre II de ladite directive. Ce chapitre II est non seulement important en ce
qu’il apporte aux médecins, aux patients et aux organismes publics une sécurité
juridique quant aux règles applicables (et aux obligations d’information qui en
découlent), mais il remplit avant tout une fonction fondamentale au sein de la
même directive, du point de vue de la mobilité offerte aux patients, en permettant
de déterminer clairement quel État membre est compétent pour réglementer une
situation donnée. En effet, les articles 4 et 5 de la directive 2011/24 veillent à ce
que, comme l’exige l’article 168, paragraphe?, TFUE, la compétence de chaque
État membre en matière de politique de santé soit respectée 39.
73. Cette fonction fondamentale pour la mobilité des patients a également
vocation à s’appliquer à la télémédecine, dans la mesure où, à la lecture combinée
de l’article 3, sous d), et de l’article 4, paragraphe!, de cette directive, les
prestations de télémédecine sont réglementées par l’État membre dans lequel le
prestataire des soins de santé est établi en ce qui concerne la prestation des
services elle-même. Concrètement, cela signifie que, à l’instar d’un médecin
traitant des patients provenant d’un autre État membre au sein de son cabinet, un
médecin qui conseille des patients d’autres États membres par l’intermédiaire d’un
appel vidéo doit donc uniquement obtenir un agrément dans son propre État
membre et respecter les normes prévues dans cet État membre. Une
réglementation nationale de l’État membre d’affiliation, où réside le patient, qui
soumettrait les prestations de services de télémédecine fournies par des
prestataires de soins de santé d’autres États membres à sa législation nationale est
donc tout aussi non conforme à l’article 4, paragraphe 1, de ladite directive qu’une
réglementation nationale qui ferait de même pour les patients physiquement
transfrontaliers.
74. Toutefois, je tiens à préciser que l’article 3, sous d), et l’article 4 de la
directive 2011/24, selon lesquels les prestations de télémédecine sont
réglementées par l’État membre où le prestataire des soins de santé est établi,
n’ont pas de contenu normatif en dehors du champ d’application de cette
directive. À cet égard, il convient également d’appliquer les autres règles
pertinentes du droit de l’Union, en ce compris notamment la directive 2000/31.
75. Eu égard à ce qui précède, je propose de répondre aux questions
préjudicielles 1.1 et 1.2 que le contenu normatif de la directive 2011/24 ne se
limite pas aux dispositions relatives au remboursement des coûts des soins de
santé transfrontaliers, figurant dans le chapitre III de celle-ci, mais comprend
également des règles relatives aux responsabilités respectives de l’État membre de
traitement et de l’État membre d’affiliation en matière de soins de santé
transfrontaliers, qui sont prévues dans le chapitre II de cette directive, de sorte
A savoir, la compétence de l’État membre de traitement concerne les règles de prestation des
soins sur son territoire et celle de l’État membre d’affiliation concerne les règles de
remboursement des coûts des soins de santé pour les personnes affiliées à son système de santé.
28
ÜSTERREICHISCHE Zahnârztekammer
que, en ce qui concerne les « soins de santé » relevant de la « télémédecine », au
sens de l’article 3, sous d), de ladite directive, la qualification d’« Etat membre de
traitement » concernant ce type de soins de santé revêt une importance non
seulement pour le remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers, au
titre notamment de l’article 7, paragraphe 7, de la même directive, mais également
pour la législation, les normes et les orientations en matière de qualité et de
sécurité applicables à ce type de soins de santé, en vertu de l'article 4,
paragraphe 1, de la directive 2011/24.
3. Sur le régime juridique applicable aux prestations de « télémédecine » au
titre de la directive 2000/31 (question 1.3)
76. Par sa question 1.3, la juridiction de renvoi cherche, en substance, à savoir
si la directive 2000/31 établit, comme la directive 2011/24, une règle selon
laquelle les prestations de télémédecine doivent être dispensées conformément à la
législation de l’État membre au sein duquel le prestataire des soins de santé est
établi.
77. En premier lieu, je relève que la directive 2000/31, bien qu’elle soit
antérieure à la directive 2011/24, peut être appliquée de manière cumulative avec
celle-ci. En effet, cette dernière directive prévoit à son article 2, sous e), qu’elle
s’applique sans préjudice des dispositions de la directive 2000/31 40.
78. En deuxième lieu, il importe de vérifier si les prestations de
« télémédecine » peuvent relever du champ d’application de la directive 2000/31.
De mon point de vue, tel semble être effectivement le cas. En effet, l’article 2,
sous a), de cette directive, en se référant à d’autres actes législatifs41, définit le
« service de la société de l’information » comme étant « tout service presté
normalement contre rémunération, à distance, par voie électronique et à la
demande individuelle d’un destinataire de services », cette même définition
précisant que, « aux fins de la présente définition, on entend par : “à distance”,
un service fourni sans que les parties soient simultanément présentes » 42. En
outre, le considérant 18 de ladite directive indique que « les activités qui, par leur
nature, ne peuvent pas être réalisées à distance ou par voie électronique, telles que
[...] la consultation médicale requérant un examen physique du patient, ne sont
pas des services de la société de l’information » 43. Il s’ensuit que, pourvu que les
prestations de télémédecine soient fournies contre rémunération, à distance, par
voie électronique et à la demande individuelle d’un patient, elles peuvent relever
40 Voir, également, chapitre 3, sous d), de l’exposé des motifs accompagnant la proposition dont
est issue la directive 2011/24 [COM(2008) 414 final, p. 6].
41 Voir article 1er, paragraphe 2, de la directive 98/34, telle que modifiée par la directive 98/48.
42 Mise en italique par mes soins.
43 Mise en italique par mes soins.
29
Conclusions de M. Rantos - Affaire C-115/24
des « services de la société de l’information ». Toutefois, à l’instar de la définition
de la notion de «télémédecine» issue de la directive 2011/24, toute prestation
impliquant un examen physique du patient ne relève pas, par sa nature même, de
tels services. En effet, la Cour, en se fondant sur ce considérant 18, a jugé que les
activités qui, par leur nature, ne peuvent être réalisées à distance ou par voie
électronique, telles que la consultation médicale requérant un examen physique du
patient, ne sont pas des services de la société de l’information et, partant, ne
relèvent pas de cette directive et que, dans l’hypothèse où la consultation médicale
requérant un examen physique du client ferait indissociablement partie de la vente
des lentilles de contact, qui elle relèverait en principe du champ d’application de
la directive 2000/31, l’exigence d’une telle consultation aurait pour conséquence
que cette vente n’entrerait pas, en définitive, dans le champ d’application de cette
directive44. De surcroît, le fait que la télémédecine ne figure pas parmi les
domaines visés à l’annexe de ladite directive, auxquels, conformément à
l’article 3, paragraphe 3, de celle-ci, le principe du pays d’origine ne s’applique
pas, vient conforter encore le constat que les soins dispensés à distance par la voie
de la télémédecine constituent des services de la société de l’information 45.
79. En troisième lieu, l’applicabilité de la directive 2000/31 aux prestations de
télémédecine étant confirmée, se pose désormais la question de savoir si cette
directive établit une règle générale en vertu de laquelle de telles prestations
doivent être dispensées conformément à la législation de l’Etat membre au sein
duquel le prestataire des soins de santé est établi, en l’occurrence l’Allemagne.
80. D’emblée, je note que, conformément à son article 1er, paragraphe 1, la
directive2000/31 «a pour objectif de contribuer au bon fonctionnement du
marché intérieur en assurant la libre circulation des services de la société de
l’information entre les Etats membres ». À cette fin, selon l’article 3,
paragraphe 1, de cette directive, chaque Etat membre veille à ce que les services
de la société de l’information fournis par un prestataire établi sur son territoire
respectent les dispositions nationales applicables dans cet Etat membre relevant du
« domaine coordonné ». L’article 2, sous h), de ladite directive définit ce domaine
comme couvrant les exigences prévues par les systèmes juridiques des Etats
membres et applicables aux prestataires des services de la société de l’information
ou aux services de la société de l’information, qu’elles revêtent un caractère
général ou qu’elles aient été spécifiquement conçues pour eux 46. Il en résulte que,
44 Voir arrêt du 2 décembre 2010, Ker-Optika (C-108/09, EU:C:2010:725, points 33 et 34).
45 Cela serait confirmé par le considérant 57 de la directive 2011/24, selon lequel l’interopérabilité
des services de santé en ligne (e-Health) doit être réalisée tout en respectant les réglementations
nationales relatives à la prestation de services de soins de santé adoptées aux fins de protéger le
patient, dans la mesure où elles sont compatibles avec la directive 2000/31.
46 Ce domaine a trait aux exigences que le prestataire doit satisfaire et qui concernent l’accès à
l’activité d’un service de la société de l’information, telles que les exigences en matière de
qualification, d’autorisation ou de notification, ainsi que l’exercice de l’activité d’un service de
la société de l’information, telles que les exigences portant sur le comportement du prestataire,
30
ÔsterreichischeZahnârztekammer
en l’espèce, les services numériques fournis par DZK sont donc régis par la
législation allemande, l'Allemagne étant l’État membre relevant du « domaine
coordonné ». En effet, il est constant que DZK dispose d'un agrément et des
autres autorisations nécessaires pour exploiter un centre de soins en médecine
dentaire en Allemagne.
81. En quatrième et dernier lieu, bien que cela ne soit pas expressément visé
par la question 1.3, j’observe que, conformément à l’article 3, paragraphe 2, de la
directive 2000/31, « les États membres ne peuvent, pour des raisons relevant du
domaine coordonné, restreindre la libre circulation des services de la société de
l’information en provenance d’un autre État membre ». En effet, cette directive
repose sur l’application des principes du contrôle dans l’État membre d’origine et
de la reconnaissance mutuelle, de telle sorte que, dans le cadre du domaine
coordonné défini à l’article 2, sous h), de ladite directive, les services de la société
de l’information sont réglementés dans le seul État membre sur le territoire duquel
les prestataires de ces services sont établis 47. Par conséquent, il incombe, d’une
part, à chaque État membre en tant qu’État membre d’origine des services de la
société de l’information de réglementer lesdits services et, à ce titre, de protéger
les objectifs d’intérêt général mentionnés à l’article 3, paragraphe 4, sous a), i), de
la même directive. D’autre part, en vertu du principe de la reconnaissance
mutuelle, il appartient à chaque État membre, en tant qu’État membre de
destination des services de la société de l’information, de ne pas restreindre la
libre circulation de ces services en exigeant le respect d’obligations
supplémentaires, relevant du domaine coordonné, qu’il aurait adoptées.
82. Partant, l’article 3 de la directive 2000/31 s’oppose, sous réserve des
dérogations autorisées selon les conditions prévues au paragraphe 4 de cet article,
à ce que le prestataire d’un service de la société de l’information souhaitant
prester ce service dans un État membre autre que celui sur le territoire duquel il
est établi soit soumis à des exigences relevant du domaine coordonné imposées
par cet autre État membre.
83. En l’occurrence, il est constant que les mesures autrichiennes en cause au
principal ne permettent pas à DZK d’opérer légalement en Autriche, en ce qu’elles
exigent, sous peine de sanction, le respect des obligations visées au point 20 des
présentes conclusions.
84. Il y a lieu, dès lors, de vérifier si des mesures nationales telles que celles
mentionnées au point 20 des présentes conclusions remplissent les conditions
prévues à l’article 3, paragraphe 4, de la directive 2000/31.
la qualité ou le contenu du service. Voir, en ce sens, arrêt du 30 mai 2024, Google Ireland et Eg
Vacation Rentals Ireland (C-664/22 et C-666/22, ci-après l‘« arrêt Google Ireland»,
EU:C:2024:434, point 57 et jurisprudence citée).
47 Voir, en ce sens, arrêt Google Ireland (point 58 et jurisprudence citée).
31
CONCLUSIONS de M. Rantos - Affaire C-115/24
85. À cet égard, d’une part, en application de l’article 3, paragraphe 4, sous a),
de cette directive, la mesure concernée doit être nécessaire afin de garantir l’ordre
public, la protection de la santé publique, la sécurité publique ou la protection des
consommateurs, être prise à l’encontre d’un service de la société de l’information
qui porte effectivement atteinte à ces objectifs ou qui constitue un risque sérieux
et grave d’atteinte à ces derniers, et, enfin, être proportionnée auxdits objectifs.
Partant, seules les mesures « prises à l’encontre d’un service donné de la société
de l'information » peuvent relever de cette disposition. À cet égard, la Cour a dit
pour droit que ladite disposition doit être interprétée en ce sens que des mesures
générales et abstraites visant une catégorie de services donnés de la société de
l’information décrite en des termes généraux et s’appliquant indistinctement à tout
prestataire de cette catégorie de services ne relèvent pas de la notion de « mesures
prises à l’encontre d’un service donné de la société de l’information », au sens de
la même disposition 48. En outre, je relève que l’article 3, paragraphe 4, sous a), de
ladite directive, en tant qu’exception au principe du contrôle dans l’État membre
d’origine, doit faire l’objet d’une interprétation stricte. Cette exception ne saurait
donc être appliquée à des mesures qui sont susceptibles, tout au plus, de présenter
un lien seulement indirect avec l’un des objectifs visés à cette disposition 49.
86. En l’occurrence, il incombe à la juridiction de renvoi d’apprécier si la
condition exigeant du prestataire de services de médecine dentaire qu’il fournisse
ces services directement et personnellement affecte le prestataire allemand DZK et
si cette condition doit être justifiée. Il me semble, en l’espèce, que les mesures
autrichiennes en cause au principal revêtent une portée générale et abstraite, de
sorte qu’elles ne sauraient être qualifiées de « mesures prises à l’encontre d’un
service donné de la société de l’information », au sens de l’article 3, paragraphe 4,
sous a), de la même directive.
87. D’autre part, en vertu de l’article 3, paragraphe 4, sous b), second tiret, de
la directive 2000/31, l’État membre concerné doit préalablement notifier à la
Commission et à l’État membre sur le territoire duquel le prestataire de services
visé est établi son intention de prendre de telles mesures restrictives. Il appartient
à la juridiction de renvoi de vérifier qu’une telle notification a bien eu lieu.
88. Eu égard à ce qui précède, je propose de répondre à la question
préjudicielle 1.3 que des prestations de télémédecine peuvent relever de la notion
de « services de la société de l’information » et dès lors entrer dans le champ
d’application de la directive 2000/31, ce qui implique notamment, conformément
à l’article 3, paragraphes 1 et 2, de celle-ci, d’une part, qu’il incombe à chaque
État membre en tant qu’État membre d’origine des services de la société de
l’information de réglementer ces services et, à ce titre, de protéger les objectifs
d’intérêt général mentionnés à l’article 3, paragraphe 4, sous a), i), de cette
48 Voir, en ce sens, arrêt Google Ireland (point 73 et jurisprudence citée).
49 Voir arrêt Google Ireland (point 86 et jurisprudence citée).
32
ÔSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
directive, et, d’autre part, conformément au principe de la reconnaissance
mutuelle, qu’il appartient à chaque Etat membre, en tant qu'État membre de
destination des services de la société de l’information, de ne pas restreindre la
libre circulation de ces services en exigeant le respect d’obligations
supplémentaires, relevant du domaine coordonné, que ce dernier aurait adopté.
4. Sur rapplicabilité de la directive 2005/36 aux prestations de
« télémédecine » (questions 3.1 et 3.2)
89. Par ses questions 3.1 et 3.2, la juridiction de renvoi se demande, en
substance, d’une part, si l’article 2, sous n), l’article 3, sous d), et l’article 4,
paragraphe 1, sous a), de la directive 2011/24, lus conjointement avec l’article 5,
paragraphe 3, de la directive 2005/36, obligent un prestataire de soins de santé
établi dans un Etat membre, lorsqu’il « dispense » des « soins de santé » par
« télémédecine » dans un autre Etat membre, à respecter les règles de conduite de
caractère professionnel, réglementaire ou administratif en vigueur dans ce second
Etat membre, et, d’autre part, si un tel prestataire de soins de santé se « déplace »
dans un autre Etat membre, au sens de cet article 5, paragraphe 3, de la
directive 2005/36, lorsqu’il se limite à fournir des prestations médicales à l’aide
des TIC ou lorsque ce prestataire fait effectuer par des auxiliaires d’exécution des
examens physiques ou des traitements dans l’Etat membre de résidence du patient.
90. Par ces deux questions, que je propose de traiter ensemble, cette juridiction
cherche, pour l’essentiel, à savoir si l’article 5, paragraphe 3, de la
directive 2005/36 s’applique aux prestations de « télémédecine » dispensées par
un prestataire de soins de santé établi dans un autre Etat membre, au sens de la
directive 2011/24.
91. Bien que, en vertu de son article 2, sous n), cette dernière directive
s’applique sans préjudice des dispositions de la directive 2005/36, j’estime que
cette question appelle une réponse négative.
92. En effet, en premier lieu, je rappelle que, en vertu de l’article 5,
paragraphe 3, de la directive 2005/36, un prestataire de services qui se déplace
depuis son Etat membre d’établissement - à savoir l’État membre dans lequel il
est légalement établi pour y exercer une profession - dans un autre État membre -
à savoir l’État membre d’accueil50 - est soumis, dans ce dernier, aux règles de
conduite de caractère professionnel, réglementaire ou administratif en rapport
direct avec les qualifications professionnelles, ainsi qu’aux dispositions
disciplinaires applicables dans l’État membre d’accueil aux professionnels qui y
50 Selon l'article 1er de la directive 2005/36, l’« Etat membre d’accueil » est l’État membre qui
subordonne l’accès à une profession réglementée ou son exercice, sur son territoire, à la
possession de qualifications professionnelles déterminées et dans lequel une personne ayant
acquis dans un autre État membre les qualifications professionnelles requises souhaite exercer
cette profession réglementée.
33
CONCLUSIONS de M. Rantos - Affaire C-115/24
exercent la même profession 51. Aux termes de l’article 5, paragraphe 2, de cette
directive, cette première disposition s’applique uniquement dans le cas où le
prestataire se déplace vers le territoire de l’État membre d’accueil pour exercer, de
façon temporaire et occasionnelle, sa profession.
93. Toutefois, dans le cadre d’une prestation de télémédecine transfrontalière,
ainsi qu’il ressort de l’analyse effectuée aux points précédents des présentes
conclusions, le prestataire de services ne se déplace pas vers un autre État
membre, mais fournit le service à partir de son propre État membre. Or, la Cour a
constaté que, pour qu’il y ait un « déplacement » au sens de ces dispositions, un
passage physique de frontière est indispensable52. En effet, dans l’arrêt X-
Steuerberatungsgesellschaft, la Cour a établi qu’une prestation de service qui
s’inscrit dans le cadre de l’exercice d’une profession réglementée dans TÉtat
membre d’accueil et qui est effectuée sans franchissement physique de frontière
par les personnes agissant pour le compte de la société considérée ne relève pas de
l’article 5 de la directive 2005/36. Dans cet arrêt, la Cour a estimé que les
prestations de X, une société qui fournissait une assistance professionnelle en
matière fiscale à des clients situés en Allemagne à partir des Pays-Bas et sans que
les personnes agissant au nom de cette société se déplacent vers le territoire
allemand ne remplissaient pas la condition de « déplacement » prévue à l’article 5,
paragraphe 2, de cette directive dans la mesure où la prestation de service
n’impliquait pas de « franchissement physique » de frontière par le prestataire de
services ou des personnes agissant en son nom vers le territoire de TÉtat membre
d’accueil, à savoir l’Allemagne 53.
94. Partant, je considère que les prestations de « télémédecine » ne sauraient
relever de l’article 5 de la directive 2005/36. En l’occurrence, cette conclusion
signifie, concrètement, que les dispositions pertinentes de la ZÀG 54 ne sauraient
donc être opposées à une clinique dentaire établie en Allemagne qui fournit des
soins de santé transfrontaliers en Autriche au moyen de la télémédecine. Ainsi
qu’il ressort de l’analyse précédemment développée, le droit applicable à la
prestation de services est uniquement déterminé par l’article 3, sous d), de la
51 Voir arrêt du 12 septembre 2013, Konstantinides (C-475/11, EU:C:2013:542, points 39 et 40).
La Cour a jugé que « seules sont couvertes par l’article 5, paragraphe 3, de [la
directive 2005/36] les règles de conduite professionnelle qui sont en rapport direct avec
l’exercice même de l’art médical et dont le non-respect porte atteinte à la protection du patient.
[...]. [N]i les règles de calcul des honoraires ni la règle interdisant aux médecins toute publicité
contraire à l’éthique professionnelle [...] ne constituent des règles de conduite qui ont un lien
direct et spécifique avec les qualifications professionnelles relatives à l’accès à la profession
réglementée concernée [...] ».
52 Voir conclusions de l’avocat général Szpunar dans l’affaire Airbnb Ireland (C-390/18,
EU:C:2019:336, points 102 et 103 ainsi que jurisprudence citée).
53 Voir arrêt X-Steuerberatungsgesellschaft (points 24, 34, 35 et 55).
54 Voir articles 24, 26 et 31 de la ZÀG.
34
ÔSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
directive 2011/24, lu en combinaison avec l’article 4, paragraphe 1, de celle-ci, il
s’agit donc du droit de l’Etat membre où le prestataire est établi.
95. En deuxième lieu, j’estime que ladite conclusion ne saurait être infirmée
par l’argument avancé par l’OZ, la République d'Autriche et les Pays-Bas, selon
lequel, en substance, il faudrait considérer que les services effectués par voie
électronique remplissent également la condition de « déplacement » au motif,
notamment, que la protection des patients devrait favoriser une approche plus
flexible. En effet, premièrement, je tiens à souligner qu'une telle interprétation
téléologique serait contraire au sens du terme « déplacement », qui implique un
déplacement « physique » (et non « virtuel ») du « prestataire de services » (et non
de la « prestation de service »). En effet, cette même signification claire et sans
équivoque ressort des différentes versions linguistiques de l’article 5,
paragraphes 2 et 3, ainsi que du considérant 5 de la directive 2005/3655.
Deuxièmement, des considérations générales quant à la protection des patients et
des consommateurs ne suffisent pas à justifier, selon moi, une interprétation aussi
large, qui serait quasiment contra legem. Pour rappel, dans l’affaire X-
Steuerberatungsgesellschaft, la juridiction de renvoi avait souligné les risques
auxquels pouvaient être exposés les contribuables lorsqu’ils étaient conseillés par
des personnes ne possédant pas les qualifications professionnelles ou personnelles
requises à cet effet 56. Cela n’a pourtant pas empêché la Cour d’interpréter
l’article 5, paragraphe 3, de la directive 2005/36 conformément à son libellé et
d’exiger un franchissement physique de la frontière pour son application.
Troisièmement, également à cet égard, je constate, d’une part, que les normes et
les pratiques médicales diffèrent nettement moins entre les Etats membres que les
règles issues du droit fiscal national, qui sont souvent à la fois complexes et
sujettes à de constantes modifications. D’autre part, force est de constater que la
profession de médecin-dentiste, à la différence de celle de conseiller fiscal, est en
grande partie harmonisée, en ce que les articles 34 et suivants de la
directive 2005/36 fixent des exigences minimales tant en matière de formation
dentaire de base que de formation de praticien de T art dentaire spécialiste. Ces
articles s’opposent à ce qu’une personne ne possédant pas un titre de formation de
base de praticien de l’art dentaire exerce cette profession 57. Il en résulte que les
médecins-dentistes établis dans d’autres Etats membres doivent se voir
reconnaître toutes les garanties équivalentes à celles accordées aux médecins-
À titre d’exemple, pour ces deux dispositions, les versions en langues allemande (« sich
begeben »), grecque (« ustaxivnon »), espagnole (« desplazamiento »), italienne
(« spostamento »), néerlandaise (« begeeft »), portugaise (« deslocaçào »), roumaine
(« deplaseazà ») et anglaise (« move »).
Voir arrêt X-Steuerberatungsgesellschaft (point 30).
Voir arrêt du 19 septembre 2013, Conseil national de l’ordre des médecins (C-492/12,
EU:C:2013:576, point 41).
35
Conclusions de M. RANTOS - AFFAIRE C-115/24
dentistes établis sur le territoire national aux fins de la libre prestation de
services 58.
96. En troisième et dernier lieu, la conclusion que je suggère au point 94 des
présentes conclusions ne saurait pas davantage être remise en cause dans
l’hypothèse où la juridiction de renvoi relèverait que DZK était également
prestataire de soins de santé physiques. Or, il me semble quelque peu artificiel de
considérer qu’un soin de santé physiquement dispensé par un premier
professionnel de santé dans l’État membre dans lequel il est établi, en l'occurrence
UJ, est en réalité dispensé par un second professionnel établi dans un autre État
membre, en l’occurrence DZK, uniquement en raison des relations contractuelles
qu’entretiennent ces deux professionnels de santé et de conclure, dès lors, que
c’est le second professionnel de santé qui s’est déplacé pour dispenser
physiquement ce soin. En effet, faire dépendre l’applicabilité des règles
professionnelles de l’État membre d’accueil de la qualification de la personne qui
y fournit des soins de santé d’« auxiliaire d’exécution » ne contribuerait pas, à
mon sens, à poursuivre l’objectif visé notamment au considérant 4 de la
directive 2005/36, à savoir « à faciliter la libre prestation de services ». À cet
égard, à la lumière de l’arrêt X-Steuerberatungsgesellschaft, même si UJ agit au
nom de DZK, on ne saurait considérer qu’elle se soit déplacée à ces fins dans un
État membre autre que celui dans lequel elle est établie. Il en irait peut-être
autrement si DZK avait envoyé aux rendez-vous de consultation médicale avec
ses clients un médecin-dentiste provenant d’Allemagne, quod non.
97. Eu égard à ce qui précède, je propose de répondre aux questions
préjudicielles 3.1 et 3.2 que les dispositions combinées de l’article 2, sous n), de
l’article 3, sous d), et de l’article 4, sous a), de la directive 2011/24, lues
conjointement avec l’article 5, paragraphe 3, de la directive 2005/36, s’opposent à
l’application des règles professionnelles nationales à un prestataire de soins de
santé par télémédecine établi dans un autre État membre. L’article 5,
paragraphe 3, de cette dernière directive doit être interprété en ce sens qu’un
prestataire de soins de santé ne se déplace pas dans un autre État membre lorsqu’il
se limite à fournir des prestations médicales à l’aide des TIC, indépendamment du
point de savoir si des prestations de soins de santé supplémentaires sont
directement fournies par des tiers dans l’État membre d’affiliation.
5. Sur la compatibilité de la législation autrichienne avec les libertés de
circulation garanties par le traité FUE (question 4)
98. Par sa question 4, la juridiction de renvoi cherche à savoir, en substance, si
les libertés de circulation garanties par le droit primaire de l’Union s'opposent à la
législation d’un État membre prévoyant principalement un exercice direct et
personnel de la profession de médecin-dentiste et envisageant la possibilité, pour
58 Voir arrêt Kohll (point 48).
36
ÜSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
les ressortissants de l’EEE, d'exercer cette profession dans cet État membre
uniquement à titre temporaire.
99. À titre liminaire, j'observe que la question d'une éventuelle incompatibilité
des dispositions de la loi autrichienne concernée relative aux médecins-dentistes
avec la libre prestation des services ne se pose en l’espèce que s’il existe un
élément transfrontalier. Or, à cet égard, il convient d'opérer une distinction entre
deux cas de figures.
100. En effet, d’une part, s’agissant des prestations de « télémédecine » fournies
par DZK 59 en Autriche à partir de l’Allemagne, il y a effectivement lieu de
considérer qu’il existe un élément transfrontalier. Toutefois, les dispositions de la
ZÀG ne sont pas pertinentes, étant donné que, ainsi qu’il ressort des réponses que
je propose d’apporter aux questions précédentes, seul le droit allemand est
applicable à ces prestations, tant au titre de la directive 2011/24 que de la
directive 2000/31. Partant, le droit autrichien n’est pas applicable et la question de
sa compatibilité avec l’article 56 TFUE ne se pose pas, les exigences de la ZÀG
n’étant pas opposables à DZK.
101. D’autre part, en ce qui concerne les prestations physiques effectuées par
UJ, l’existence d’un élément transfrontalier est plus incertaine, dans la mesure où
un médecin-dentiste autrichien examine, en Autriche, un patient a priori
autrichien. De prime abord, ce cas de figure concernerait donc une situation
purement interne sans comporter d’élément transfrontalier, les libertés
fondamentales, et notamment la libre prestation des services prévue à
l’article 56 TFUE, n’étant dès lors pas pertinentes. Néanmoins, la juridiction de
renvoi semble imputer l’ensemble de l’activité du médecin autrichien à DZK, en
ce qu’elle part du principe que UJ agit « en tant qu’auxiliaire d’exécution » au
nom de DZK, si bien que l’examen physique en Autriche devrait être considéré
comme ayant été effectué par cette dernière. En effet, le libellé de la question
posée par cette juridiction semble assimiler une personne morale, DZK, à un
« médecin-dentiste étranger », une fiction juridique qui n’est pas sans soulever
quelques interrogations. L’analyse qui suit repose sur cette prémisse établie par
ladite juridiction - qui, je le rappelle, est la seule compétente pour apprécier les
faits de l’affaire60 -, selon laquelle UJ n’agit que comme « longa manus » de
DZK et, dans un tel cas de figure, les dispositions de la ZÀG relatives aux
médecins-dentistes s’appliqueraient à DZK.
102. Dans ce contexte, seules les dispositions de la ZÀG susceptibles d’affecter
les prestations physiques fournies par DZK en faisant appel à UJ seraient
logiquement en cause. Cependant, force est de constater, d’une part, que
59 Voir point 26 des présentes conclusions.
60 Voir, en ce sens, arrêt du 8 septembre 2010, StoB e.a. (C-316/07, C-358/07 à C-360/07,
C-409/07 et C-410/07, EU:C:2010:504, points 62 à 64 et jurisprudence citée).
37
CONCLUSIONS de M. Rantos - Affaire C-115/24
l’article 31 de la ZÀG, qui régit la «libre prestation des services» et qui vise
uniquement les personnes physiques autorisées à exercer la profession de
médecin-dentiste 61, ne saurait s’appliquer à une personne morale telle que DZK,
même indirectement, cette dernière n’ayant pas soulevé la possibilité d’avoir
recours, aux fins des prestations physiques en Autriche, à des collaborateurs
exerçant légalement cette profession dans d’autres États membres que la
République d’Autriche. D’autre part, les exigences de l’article 24 de cette loi,
selon lesquelles le médecin-dentiste doit exercer sa profession personnellement et
directement, me semblent également concerner uniquement les personnes
physiques. Par ailleurs, en réalité, cette condition serait remplie, dans le mesure où
il est constant que UJ effectue les prestations physiques « personnellement et
directement », bien qu’au nom de DZK. Partant, il apparaît que la seule
disposition de la ZÀG qui soit susceptible d’affecter la prestation des services
physiques par UJ au nom de DZK en Autriche pourrait être celle de l’article 26,
paragraphe 3, point 1, de la ZÀG, qui porte sur la composition des « cabinets de
groupe » et, notamment, l’exigence que tous les associés de tels cabinets soient
des membres de la profession de médecin-dentiste habilités à exercer cette
profession de manière indépendante. En effet, s’ils sont habilités à exploiter de
manière légale une clinique dentaire en Allemagne, les associés de DZK ne sont
pas pour autant des médecins-dentistes. Cette dernière règle doit donc être
examinée au regard des dispositions relatives à la libre circulation 62.
103. À cet égard, en premier lieu, j’estime qu’il appartiendra à la juridiction de
renvoi de vérifier si l’activité de DZK, dans le cadre de sa collaboration avec UJ,
conduit à considérer DZK comme étant « établie » en Autriche, ce qui implique
une analyse à la lumière de l’article 49 TFUE 63. En revanche, si DZK n’est pas
établie en Autriche, elle devrait être considérée comme un prestataire
transfrontalier relevant du principe de la libre prestation des services et, dans ce
Voir points 21 et 22 des présentes conclusions.
Voir arrêt du 21 septembre 2017, Malta Dental Technologists Association et Reynaud
(C-125/16, ci-après l’« arrêt Malta Dental », EU:C:2017:707, point 54 et jurisprudence citée).
Voir, à cet égard, arrêt du 2 septembre 2021, Institut des Experts en Automobiles (C-502/20,
EU:C:2021:678, points 32 à 34 et jurisprudence citée). Contre un établissement, au sens d’une
intégration continue et stable de DZK dans la vie économique, sur le territoire autrichien
plaident en l’occurrence les éléments suivants : le fait que, tant en droit qu’en fait, UJ reste
largement autonome dans les relations qu’elle entretient avec ses patients ; le fait que UJ, ainsi
que cela a été confirmé lors de l’audience, ne met à la disposition de DZK qu’un contingent
horaire limité, et, enfin, le fait que la prestation qu’elle fournit dans le cadre de sa collaboration
avec DZK fait l’objet d’une rémunération distincte. De la même manière, il me semble
particulièrement important de souligner le fait que UJ ne reçoit pas d’instructions dans le cadre
de l’activité de médecine dentaire concrète et qu’elle réalise celle-ci sur la base de son propre
savoir-faire. Cela vaut aussi bien pour les examens que pour la recommandation relative à une
procédure d’alignement au moyen de gouttières dentaires. Il convient à cet égard de vérifier le
régime de rémunération de UJ en cas de recommandation négative concernant une telle
procédure d’alignement.
38
ÔSTERREICHISCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
cas, pour les raisons évoquées au point 100 des présentes conclusions, les
dispositions de la ZAG ne seraient pas opposables à DZK.
104. En second lieu, si, après avoir examiné toutes les circonstances pertinentes,
la juridiction de renvoi devait considérer que DZK se sert de UJ pour s’intégrer de
manière stable et continue dans la vie économique autrichienne et qu’elle doit
donc être réputée être établie en Autriche, il importera examiner si la liberté
d’établissement consacrée à l'article 49 TFUE s’oppose à des règles, telles que
celles de la ZÀG, exigeant que les associés des « cabinets de groupe » soient des
membres de la profession de médecin-dentiste habilités à exercer cette profession
de manière indépendante.
105. Eu égard à ce qui précède, je propose de reformuler la question
préjudicielle comme suit : « lorsqu’une clinique dentaire fournit, de manière
permanente, des prestations physiques dans un Etat membre autre que celui dans
lequel elle est habilitée à exercer son activité en faisant appel, en tant qu’auxiliaire
d’exécution, à un médecin-dentiste habilité à exercer dans cet Etat membre, la
liberté d’établissement prévue à l’article 49 TFUE s’oppose-t-elle aux dispositions
d’une réglementation de ce même Etat membre exigeant, notamment, que les
“cabinets de groupe”, dans le cadre desquels les médecins-dentistes peuvent
exercer leur profession, doivent opérer sous la forme d’une société à
responsabilité limitée et que tous les associés soient des membres de la profession
de médecin-dentiste habilités à exercer cette profession de manière
indépendante ? ».
106. À cet égard, il ressort notamment de l’article 26, paragraphe 3, point 1, de
la ZÀG que DZK ne saurait opérer en Autriche, même en faisant appel à UJ en
tant qu’« auxiliaire d’exécution », dans la mesure où la ZÀG semble exclure la
fourniture de services de médecine dentaire par une entreprise dont les associés ne
sont pas tous des médecins-dentistes, même si la prestation de services sur place
est effectuée par un mandataire « local ».
107. À cet égard, je rappelle que l’article 49 TFUE impose la suppression des
restrictions à la liberté d’établissement. Selon leur libellé, les dispositions du
traité FUE relatives à la liberté d’établissement visent à assurer le bénéfice du
traitement national dans l’Etat membre d’accueil. En outre, selon une
jurisprudence constante de la Cour, l’article 49 TFUE s’oppose à toute mesure
nationale qui, même applicable sans distinction tenant à la nationalité, est
susceptible de gêner ou de rendre moins attrayant l’exercice, par les ressortissants
de l’Union, de la liberté d’établissement garantie par le traité64. Constitue
notamment une telle restriction une réglementation qui subordonne
l’établissement dans l’État membre d’accueil d’un opérateur économique d’un
autre État membre à la délivrance préalable d’une autorisation et réserve
64 Voir arrêt du 21 juin 2012, Susisalo e.a. (C-84/11, EU:C:2012:374, point 31 et jurisprudence
citée).
39
CONCLUSIONS DE M. RANTOS - AFFAIRE C-115 24
l’exercice d’une activité indépendante à certains opérateurs économiques 65. En
effet, tel semblerait être le cas des exigences liées à la composition des « cabinets
de groupe » prévues par la ZÀG. Par conséquent, une réglementation nationale
telle que celle en cause au principal est susceptible de constituer une restriction à
la liberté d’établissement au sens de l'article 49 TFUE.
108. Néanmoins, des restrictions à la liberté d'établissement qui sont applicables
sans discrimination tenant à la nationalité peuvent être justifiées par des raisons
impérieuses d’intérêt général, à condition qu’elles soient propres à garantir la
réalisation de l’objectif poursuivi et n’aillent pas au-delà de ce qui est nécessaire
pour atteindre cet objectif66. La décision de renvoi ne comportant pas
d’indications suffisamment étayées en ce qui concerne cet aspect, il appartiendra à
la juridiction de renvoi de procéder, le cas échéant, à une appréciation détaillée, à
la lumière des explications fournies par la République d’Autriche.
109. Toutefois, il est concevable que la condition imposée par la ZÀG ait pour
objectif d’assurer la sécurité des bénéficiaires des services de soins médicaux. À
cet égard, je relève que la Cour a jugé que la participation obligatoire d’un
praticien de l’art dentaire67 dans le traitement d’un patient auquel un prothésiste
dentaire dispense ses services est destinée à assurer la protection de la santé
publique, qui constitue une raison impérieuse d’intérêt général, susceptible de
justifier une restriction à la liberté d’établissement 68. Quant au caractère
proportionné d’une telle obligation, la Cour a considéré que l’exigence de
l’intermédiation obligatoire d’un praticien de l’art dentaire est propre à atteindre
l’objectif de la protection de la santé publique et ne va pas au-delà de ce qui est
nécessaire à cette fin69.
Voir arrêt du 19 mai 2009, Apothekerkammer des Saarlandes e.a. (C-171/07 et C-172/07,
EU:C:2009:316, points 22 à 24 et jurisprudence citée). Voir, également, sous l’angle de la libre
prestation des services, arrêt Kohll (point 35 et jurisprudence citée).
Voir arrêts Malta Dental (point 56 et jurisprudence citée) ainsi que du 19 mai 2009,
Apothekerkammer des Saarlandes e.a. (C-171/07 et C-172/07, EU:C:2009:316, point 25 et
jurisprudence citée). Voir, à cet égard, également, arrêt du 1er mars 2018, CMVRO (C-297/16,
EU:C:2018:141, point 86).
Plus précisément, il s’agit d’une personne ayant suivi la formation dentaire visée à l’article 34
de la directive 2005/36 et possédant le titre de formation de base de praticien de l’art dentaire.
Voir arrêt Malta Dental (points 57 et 58).
Voir arrêt Malta Dental (points 60 à 62 et jurisprudence citée). La Cour a rappelé que, pour
apprécier le respect par un Etat membre du principe de proportionnalité dans le domaine de la
santé publique, il convient de tenir compte du fait que la santé et la vie des personnes occupent
le premier rang parmi les biens et les intérêts protégés par le traité FUE et qu’il appartient aux
Etats membres de décider du niveau auquel ils entendent assurer la protection de la santé
publique et la manière dont ce niveau doit être atteint. Ce niveau pouvant varier d’un Etat
membre à l’autre, il y a lieu de reconnaître aux Etats membres une marge d’appréciation dans ce
domaine.
40
ÔSTERREK H1SCHE ZAHNÂRZTEKAMMER
110. Eu égard à ce qui précède, je propose de répondre à la question
préjudicielle 4, telle que reformulée, que l’article 49 TFUE s’oppose à toute
mesure nationale susceptible de gêner ou de rendre moins attrayant l’exercice de
la liberté d’établissement garantie par le traité et notamment à une réglementation
qui subordonne l’établissement dans l’État membre d’accueil d’un opérateur
économique d'un autre État membre à la délivrance préalable d’une autorisation et
qui réserve l’exercice d’une activité indépendante à certains opérateurs
économiques, à moins que cette réglementation ne soit justifiée par des raisons
impérieuses d’intérêt général.
V. Conclusion
111. Au vu des considérations qui précèdent, je propose à la Cour de répondre
aux questions préjudicielles posées par l’Oberster Gerichtshof (Cour suprême,
Autriche) de la manière suivante :
1) L’article 3, sous d), de la directive 2011/24/UE du Parlement européen et du
Conseil, du 9 mars 2011, relative à l’application des droits des patients en
matière de soins de santé transfrontaliers,
doit être interprété en ce sens que :
la notion de « soins de santé dispensés dans le cas de la télémédecine » ne
couvre que les prestations médicales qui sont exclusivement effectuées au
moyen des technologies de l’information et de la communication, et que les
prestations fournies physiquement, en la présence simultanée du médecin et
du patient, ne relèvent pas de la notion de « télémédecine », au sens de cette
disposition, même si elles sont fournies dans le cadre d’un contrat de soins
unique incluant aussi bien des prestations de télémédecine que des
prestations physiques en présentiel, indépendamment du degré de
prépondérance de chacune de ces prestations.
2) La directive 2011/24
doit être interprétée en ce sens que :
son contenu normatif ne se limite pas aux dispositions relatives au
remboursement des coûts des soins de santé transfrontaliers, figurant dans le
chapitre III de celle-ci, mais comprend également des règles relatives aux
responsabilités respectives de l’État membre de traitement et de l’État
membre d’affiliation en matière de soins de santé transfrontaliers, qui sont
prévues dans le chapitre II de cette directive, de sorte que, en ce qui
concerne les « soins de santé » relevant de la « télémédecine », au sens de
l’article 3, sous d), de ladite directive, la qualification d’« État membre de
traitement » en ce qui concerne ce type de soins de santé revêt une
importance non seulement pour le remboursement des coûts des soins de
santé transfrontaliers, au titre notamment de l’article 7, paragraphe 7, de la
41
CONCLUSIONS DE M. RANTOS - AFFAIRE C-115/24
même directive, mais également pour la législation, les normes et les
orientations en matière de qualité et de sécurité applicables à ce type de
soins de santé, en vertu de l'article 4, paragraphe 1, de la directive 2011/24.
3) L'article 3 de la directive 2000/31/CE du Parlement européen et du Conseil,
du 8 juin 2000, relative à certains aspects juridiques des services de la
société de l'information, et notamment du commerce électronique, dans le
marché intérieur, lu conjointement avec l’article 2, sous a) et h), de cette
directive,
doit être interprété en ce sens que :
des prestations de télémédecine peuvent relever de la notion de « services de
la société de l’information » et dès lors entrer dans le champ d’application
de la directive 2000/31, ce qui implique, notamment, conformément à
l’article 3, paragraphes 1 et 2, de celle-ci, d’une part, qu’il incombe à chaque
État membre en tant qu’État membre d’origine des services de la société de
l’information de réglementer ces services et, à ce titre, de protéger les
objectifs d’intérêt général mentionnés à l’article 3, paragraphe 4, sous a), i),
de cette directive, et, d’autre part, conformément au principe de la
reconnaissance mutuelle, qu’il appartient à chaque État membre, en tant
qu’État membre de destination des services de la société de l’information, de
ne pas restreindre la libre circulation de ces services en exigeant le respect
d’obligations supplémentaires, relevant du domaine coordonné, que ce
dernier aurait adopté.
4) L’article 5, paragraphe 3, de la directive 2005/36/CE du Parlement européen
et du Conseil, du 7 septembre 2005, relative à la reconnaissance des
qualifications professionnelles,
doit être interprété en ce sens que :
un prestataire de soins de santé ne se déplace pas dans un autre État membre
lorsqu’il se limite à fournir des prestations médicales à l’aide des
technologies de l’information et de la communication, indépendamment du
point de savoir si des prestations de soins de santé supplémentaires sont
directement fournies par des tiers dans l’État membre d’affiliation.
5) L’article 49 TFUE
doit être interprété en ce sens que :
il s’oppose à toute mesure nationale susceptible de gêner ou de rendre moins
attrayant l'exercice de la liberté d’établissement garantie par le traité et
notamment à une réglementation qui subordonne l’établissement dans l'État
membre d'accueil d’un opérateur économique d’un autre État membre à la
délivrance préalable d’une autorisation et qui réserve l’exercice d'une
42
ÔSIERREK HISC HE Z \HX \RZil K \MMI R
activité indépendante à certains opérateurs économiques, à moins que cette
réglementation ne soit justifiée par des raisons impérieuses d’intérêt général.
Für die Richtigkeit der Abschrift,
Luxemburg.den 0 8. 05. 2025
DerKanzIer,
4/ imAuftrag
Daniel Dittert
Referatsleiter
43
Saatja:
[email protected]
Saaja:
[email protected],
[email protected]
Teema: C-115/24
Kuupäev: 2025-05-09 07:37
Adressaadid:
[email protected],
[email protected]
Välisministeeriumis registreeritud: 15.3-3/2024/134-3
Kohtuasja number: C-115/24
Staadium: Kohtujuristi ettepanek
Märksõnad: elektrooniline kaubandus; hambaraviteenus; infoühiskonna
teenused; patsiendiõiguste kohaldamine piiriüleses tervishoius; teenuste
osutamise vabadus; telemeditsiiniteenus
Õiguslikud vormid: direktiiv 2000/31/EÜ; direktiiv 2005/36/EÜ; direktiiv
2011/24/EL; ELTL artikkel 56
Dokumentidega on võimalik tutvuda EELO keskkonnas aadressil
https://eelo.mfa.ee/eelotsus_vaata.php?id=7507
EL õiguse büroo
Välisministeerium
Vastuvõtmise kuupäev : 09/05/2025
EUROOPA LIIDU KOHUS
08/05/25
Kantselei
Välisministeerium
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15049 Tallinn
EESTI/ESTONIA
1330881.6 DE
Eelotsuse asi C-115/24
Österreichische Zahnärztekammer
[eelotsusetaotluse esitanud kohus (kohtud): Oberster Gerichtshof - Austria]
Kohtujuristi ettepaneku kättetoimetamine
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